Zentralmatura: Wiener Schüler klar schlechter als der Österreich-Schnitt

Die Wiener Schüler schnitten bei der Zentralmatura klar schlechter ab, als der Durchschnitt.
Die Wiener Schüler schnitten bei der Zentralmatura klar schlechter ab, als der Durchschnitt. - © apa (Sujet)
22 Prozent der AHS-Schüler bekamen auf die Mathematik-Klausur bei der Matura ein Nicht Genügend. An den BHS scheiterten nur 13 Prozent. Es zeigten sich enorme Unterschiede zwischen Schulen und Klassen. Schüler- und Elternvertreter fordern deshalb bei der schriftlichen Zentralmatura eine Umstellung des Prüfungssystems.

22 Prozent der Schüler an den AHS haben auf die Mathematik-Klausur bei der Matura ein Nicht Genügend bekommen. Das zeigen die am Montag veröffentlichten Zentralmatura-Ergebnisse. Zwei Drittel der Schüler besserten sich ihren Fünfer aber bei der Kompensationsprüfung aus. Besser sind die Mathe-Klausuren an den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) ausgefallen.

Matura: 22 Prozent Fünfer auf Mathe-Klausuren an AHS

Die Fünfer-Quote bei den Klausuren an den AHS liegt damit um das Doppelte höher als im Vorjahr (10,5 Prozent), aber wesentlich niedriger als in einer Schülerumfrage befürchtet. Dabei zeigten sich sowohl regional als auch auf Schulebene große Unterschiede: In Vorarlberg kassierte ein Drittel der AHS-Schüler ein Nicht Genügend, in Oberösterreich waren es nur 13 Prozent. Klar schlechter als der Österreich-Schnitt lagen noch Wien (25,5 Prozent) und Niederösterreich (24,5 Prozent), klar besser Kärnten (17 Prozent), Burgenland (18 Prozent) und Salzburg (19 Prozent), in etwa im Schnitt Steiermark (21 Prozent) und Tirol (23 Prozent). Laut Bildungsministerium hat es ebenso Klassen ohne Fünfer gegeben als auch solche mit rund 80 Prozent.

Bessere Mathe-, schlechtere Englischresultate an BHS

An den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) sind die Mathematik-Klausuren bei der Zentralmatura besser ausfallen als an den AHS. Insgesamt fielen hier 13 Prozent der Schüler durch. In Englisch war es dagegen umgekehrt, hier waren elf Prozent der BHS-Arbeiten negativ. Die Deutsch-Resultate waren an AHS und BHS fast ident.

Auch an den BHS gab es in Mathe – allerdings nicht ganz so große – Bundesländer-Unterschiede. Scheiterten in Oberösterreich nur neun Prozent der Schüler an der Klausur, waren es in Salzburg 19,5 Prozent, in Wien 19 und in Vorarlberg 18 Prozent.

Die besten Englisch-Klausuren an den BHS lieferten die Tiroler mit nur sieben Prozent Fünfern ab, die schlechtesten die Schüler im Burgenland (19 Prozent). Nach den Kompensationsprüfungen blieben noch insgesamt 4,5 Prozent der BHS-Schüler auf einem Nicht Genügend sitzen. Das ist mehr als das Doppelte ihrer Kollegen an den AHS (2,1 Prozent). Fast acht Prozent sind es sogar in Salzburg, nur knapp drei Prozent in Tirol.

Enorme Unterschiede zwischen Schulen und Klassen

Bei den schriftlichen Zentralmatura-Klausuren hat es enorme Unterschiede zwischen den Schulen und Klassen gegeben. So hätte im Fach Mathematik an den AHS in 112 Klassen kein einziger Schüler ein “Nicht genügend” kassiert, in 107 seien dagegen mehr als 50 Prozent negativ gewesen, so der Direktor des Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie), Jürgen Horschinegg, am Montag vor Journalisten.

Insgesamt seien die Ergebnisse der Matura nach Einbeziehung der Kompensationsprüfung gut ausgefallen, betonte Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ). “Erinnern wir uns an unsere eigene Maturazeit, auch da gab es negative Noten.” In Mathematik hätten insgesamt (AHS und BHS zusammen) 93,8 Prozent der Maturanten bestanden, in Englisch 96,7 Prozent und in Deutsch 99 Prozent.

Schüler und Eltern fordern teilzentrale Prüfung

Schüler- und Elternvertreter fordern wegen der teils massiven Leistungsunterschiede bei der schriftlichen Zentralmatura eine Umstellung des Prüfungssystems. Bundesschülervertretung und Bundeselternverband wollen eine teilzentrale Matura, bei der nur noch die Grundkompetenzen zentral abgeprüft werden und der Rest der Fragen vom Standort erstellt wird, um schulautonome Schwerpunkte abzubilden.

Die Ergebnisse der heurigen Zentral-Klausuren sind teils sehr unterschiedlich ausgefallen, nicht nur je nach Schultyp (Gymnasien in Kurz- und Langform, verschiedene Schultypen der berufsbildenden höheren Schulen), sondern auch je nach Schule und Klasse. An den AHS gab es etwa in Mathematik ebenso Klassen mit null wie mit 80 Prozent “Nicht Genügend”.

Landesschulräte durchwegs zufrieden mit Ergebnissen

Die heurigen Zentralmatura-Ergebnisse waren regional sehr durchwachsen, der Großteil der Landesschulräte hat sich am Montag aber durchwegs zufrieden gezeigt mit den Leistungen im jeweiligen Bundesland. In Vorarlberg findet man die Ergebnisse indes ernüchternd. In Salzburg wird angesichts der unterschiedlichen Erfolgsquoten das aktuelle System der Kompensationsprüfungen hinterfragt.

“Durchaus zufriedenstellend” ist die Zentralmatura aus Sicht des Stadtschulrats in Wien ausgefallen. In Englisch und Deutsch liege man beim Anteil an “Nicht Genügend” im guten Mittelfeld, in Mathe etwas darunter; gleichzeitig habe man bei den Spitzenleistungen sehr gut abgeschnitten mit dem Platz eins in Englisch nach den Kompensationsprüfungen, dem zweiten Platz in Deutsch und dem vierten in Mathe. Nichtsdestotrotz müsse man sich die Ergebnisse noch im Detail anschauen: Da wird es viele Gespräche geben müssen mit Schulaufsichtsbeamten, Direktoren und Lehrern um zu schauen, wo es besonders gut und wo nicht so gut gelaufen sei, so ein Sprecher von Stadtschulratspräsident Jürgen Czernohorszky (SPÖ) zur APA.

(apa/Red)

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