Wiener Festwochen 2017: Programmpunkte mit viel Avantgarde

ntendant Tomas Zierhofer-Kin bei der Präsentation.
ntendant Tomas Zierhofer-Kin bei der Präsentation. - © APA
Vieles neu bei den Wiener Festwochen: Tomas Zierhofer-Kin setzt für seine erste Ausgabe als Intendant des renommierten Festivals auf Performatives, Sub- und Clubkulturen sowie eine räumliche Öffnung. Was das Programm heuer zu bieten hat, lesen Sie hier.

Der Blick ins Programmbuch 2017 zeigt, dass dabei keine Grenzen gezogen, sondern oftmals verwischt werden. Gewissermaßen hebt der vormalige donaufestival-Chef die Avantgarde auf die große Bühne.

Das beginnt bereits im Musiktheater, das sich von einer ungewohnten Seite präsentiert: So vermengt der chinesische Künstler Tianzhuo Chen in “Ishvara” (13. Mai) historische Bezüge mit Popästhetik, während Jonathan Messe gemeinsam mit Komponist Bernhard Lang Wagners “Parsifal” als Spaceopera neu deuten wird. Uraufführung von “Mondparsifal Alpha 1-8 (Erzmutterz der Abwehrz)” ist am 4. Juni. Das Aufeinandertreffen von Kulturen steht im Fokus einer weiteren Klassikeradaption: Gintersdorfer/Klaßen und Benedikt von Peter nehmen sich dafür Mozarts “Entführung aus dem Serail” an (“Les Robots ne connaissent pas le Blues” am 26. Mai). Und mit “Traiskirchen. Das Musical” widmet sich Die Schweigende Mehrheit dem derzeit virulenten Flüchtlingsthema.

Ein Hauch von Hollywood in Wien

Politische und vor allem höchst aktuelle, globale Bezüge werden mehrfach hergestellt: Einerseits lässt der Spanier Santiago Sierra Namen von in Syrien getöteten Menschen verlesen (“The Names of those Killed in the Syrian Conflict, between 15th of March 2011 and 31st of December 2016”, 23. Mai), andererseits widmet sich Romeo Castellucci in “Democracy in America” nach eigenen Angaben dem “Ende der Politik” (23. Mai). Syrien ist auch Thema in “Während ich warte” von Mohammad Al Attar und Omar Abusaada, das sich dem Bürgerkrieg aus einer Innensicht annähert (24. Mai).

Auch mit einigen großen Namen lockt das Festival: Einen Hauch Hollywood bringt der belgische Regisseur Ivo van Hove nach Wien, der sich mit Schauspielstar Jude Law Viscontis “Obsession” annimmt (31. Mai). Die britische Regielegende Peter Brook verhandelt wiederum neuerlich das indische Epos “Mahabharata”, das als “Battlefield” in einer destillierten Version gegeben wird (16. Juni). Beim Publikum Hand angelegt wird bei “Haircuts by Children” (Mammalian Diving Reflex), das hält, was der Titel verspricht. Das kanadische Kollektiv widmet sich außerdem dem Tabuthema Sex im Alter (“All The Sex I’ve Ever Had”), während sich die neu gegründete Truppe La Fleur mit der Balzac-Adaption “Die selbsternannte Aristokratie” der Rollenannahme und -variation annähert.

Zierhofer-Kin wirbt um neues Festwochen-Publikum

Zudem wird deutlich, dass Zierhofer-Kin damit auch ein neues Publikum anlocken will. Als Festival im Festival soll etwa die Musikschiene “Hyperreality” (24.-27. Mai) im Schloss Neugebäude die Sounds aus Club und elektronischer Szene ins rechte Licht rücken. Geladen hat man dafür bekannte Namen wie Holly Herndon, Merzbow oder Forest Swords. Ebenfalls neu als Schwerpunkt ist die “Akademie des Verlernens”, die der Intendant als “utopisches Denkmodell” bezeichnete: eine Plattform zur institutionellen Vernetzung, mit der Wissen und Bildung, Macht und Privilegien hinterfragt werden soll.

Auch Kontinuität hat bei Zierhofer-Kin Platz: So nimmt er einige bereits vom donaufestival Krems bekannte Künstler mit in die Hauptstadt. Allen voran ist dabei die Performancegruppe Saint Genet unter Derrick Ryan Claude Mitchell zu nennen. “Promised Ends” (Uraufführung am 16. Mai) ist zudem eine Fortführung der im Vorjahr in Niederösterreich gezeigten Arbeit, bei der nicht nur auf die Performer ein physisch intensives Erlebnis warten dürfte. Auch Choreografin Elisabeth Bakambamba Tambwe (“Congo Na Chanel”, Uraufführung am 15. Juni) ist eine alte Bekannte.

Weitere Programmpunkte

Dass die Ränder in den Fokus rücken, beweist auch das Performeum, das als “temporäres Museum für Performance” im 10. Bezirk Position nahe des Hauptbahnhofs bezieht. Ob Ausstellung oder Videopräsentation, theatrale Spielarten oder Kunsthappening – hier soll vieles Platz haben. Einerseits gibt es hier die Festwochen-Schau “The Conundrum of Imagination” zu erleben, die von Bonaventure Soh Bejeng Ndikung gemeinsam mit Pauline Doutreluingne kuratiert wird und auch ins Leopold Museum zieht (ab 18. Mai).

Hierfür wurden 16 neue Kunstpositionen in Auftrag gegeben. Andererseits widmet sich das “House of Realness” von Ben Pryor queerer Kultur und Widerstand (ab 18. Mai, Detailprogramm folgt).

>> Die Wiener Festwochen finden vom 12. Mai bis 18. Juni 2017 statt. Weitere Infos zum Programm gibt es hier.

(APA)

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