Wiener Archäologen: "Woodhenge" war erst der Anfang

Stonehenge, Südengland
Stonehenge, Südengland - © Thomas Max Müller / pixelio.de
Der am Donnerstag gemeldete, sensationelle Fund einer Holzformation -  scherzhaft genannt “Woodhenge” -  in unmittelbarer Nähe des britischen Steinkreises Stonehenge war erst der Anfang, ist Wolfgang Neubauer, Direktor des neuen Ludwig Boltzmann Instituts (LBI) für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie in Wien, überzeugt.

Die High-tech-Methoden, welche die Wissenschafter in Zusammenarbeit mit der Universität Birmingham bei den Arbeiten in Südengland anwandten, sollten die Altertumsforschung revolutionieren.

“Woodhenge” ist 900 Meter von Stonehenge entfernt, ringförmig und im Durchmesser fast ebenso groß wie das bekannte Steinmonument. Zu sehen ist von “Woodhenge” heute allerdings nichts mehr. Die Wissenschafter haben auch kein einziges Loch gegraben, sie sind vielmehr das Gelände Meter für Meter mit Bodenradar und Magnetometer abgefahren. Dass das Monument einst von 70 Zentimeter bis einen Meter dicken Holzpfeilern umrahmt war, konnte so festgestellt werden.

Spuren des Abbauprozesses

Auch wenn vom Holz nichts mehr vorhanden ist, es ist längst vermodert, können bis heute Spuren des Abbauprozesses etwa mittels feinster Magnetmessungen von der Erdoberfläche aus gefunden werden. Auf einem Scannerbild der magnetischen Verhältnisse im Untergrund zeichnen sich die ehemaligen Pfeiler deutlich ab. “Aus Form und Größe sowie Erfahrung und Vergleichen mit anderen Bauten können wir dann schließen, dass es sich um Holz gehandelt haben muss”, so Neubauer gegenüber der APA.

Die Arbeiten sind nicht nur völlig zerstörungsfrei, die Methoden erlauben auch eine vergleichsweise rasche Erfassung großer Flächen. So sollen in den kommenden vier Jahren insgesamt 14 Quadratkilometer rund um Stonehenge erforscht werden. Für die Erfassung des rund 25 Meter durchmessenden Holzkreises benötigten die Wissenschafter wenige Wochen.

Das LBI wurde erst heuer gegründet. Neben den archäologischen Forschungen sollen dabei auch die wissenschaftlichen Methoden zur zerstörungsfreien Erkundung ganzer Areale weiterentwickelt werden.

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