Wien Museum widmet Otto Wagner zum 100. Todestag umfassende Ausstellung

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Im Wien Museum ist eine große Schau anlässlich Otto Wagners 100. Geburtstag zu sehen.
Im Wien Museum ist eine große Schau anlässlich Otto Wagners 100. Geburtstag zu sehen. - © APA/WIEN MUSEUM
Zum 100. Todestag des bedeutenden Architekten Otto Wagner ist eine umfassende Ausstellung im Wien Museum zu sehen. Zum ersten Mal seit 50 Jahren wird mit dieser Schau sein Gesamtwerk präsentiert.

Otto Wagner zählte bereits zu seinen Lebzeiten zu den bedeutendsten Architekten. Seine Bauten gelten als Meilensteine auf dem Weg vom Historismus zur Moderne. Zum 100. Todestag widmet ihm das Wien Museum eine umfassende Ausstellung, die zum ersten Mal seit mehr als fünfzig Jahren sein Gesamtwerk präsentiert. Die Schau mit dem schlichten Titel “Otto Wagner” läuft ab Donnerstag bis 7. Oktober. “Otto Wagner war ein Mann unglaublicher Vision”, sagte Museumsdirektor Matti Bunzl am Mittwoch bei der Pressekonferenz anlässlich der Eröffnung der Schau. “Für mich ist er der größte Optimist der Moderne.” Der Architekt habe die rapide wachsende Stadt nicht als Krise, sondern als Chance gesehen. “Er war furchtlos und erstaunlich konsequent”, zeigte sich auch Kurator Andreas Nierhaus beeindruckt. Das habe sich der polarisierende Architekt auch leisten können, da ihm der Bau und Verkauf von Zinshäusern finanzielle Unabhängigkeit ermöglichte.

Otto Wagner verwirklichte neue Baukunst

Wagner (1841-1918) trat für eine neue Baukunst ein, die auf Funktion, Konstruktion und Material basierte. Seine radikalen Entwürfe wurden von den Traditionalisten als Provokation gesehen, viele seiner Projekte blieben daher unausgeführt. “Wagner war seiner Zeit voraus, er wurde aber durch den Kleingeist im Wien seiner Zeit an der Verwirklichung seiner Ideen gehindert”, formulierte es Nierhaus.

 

Die Großausstellung – sie breitet sich auf 1.000 Quadratmetern im gesamten ersten Stock des Museums aus – ist chronologisch geordnet und zeigt die Entwicklung des Architekten von den bisher wenig behandelten Anfängen im Historismus hin zum “modernen Nutzstil”, wie Kuratorin Eva-Maria Orosz erläuterte. Einen Überblick über Wagners Werk können sich die Besucher gleich beim Eingang verschaffen, wo auf einem großen Stadtplan alle seine Bauten – die verwirklichten sowie die weitaus längere Liste der lediglich geplanten Projekte – eingezeichnet sind.

Wiener Stadtbahn größter Auftrag Wagners

Der größte Auftrag für Wagner war der Bau der Wiener Stadtbahn ab 1894. Im Museum ist ein Teil des Geländers ausgestellt und zwar so, wie es ursprünglich aussah. Das Gitter war nämlich, wie erst kürzlich herausgefunden wurde, nicht grün, sondern in einem gebrochenen Weiß bemalt – das heute als typisch empfundene Grün war eine Erfindung der Nachkriegszeit.

Das Projekt, das Wagner am längsten und intensivsten beschäftigte, war jedoch nicht die Stadtbahn, sondern eines, das nie verwirklicht wurde: der Entwurf für ein Stadtmuseum am Karlsplatz. Es sollte an jener Stelle entstehen, an der später das Wien Museum, dessen geplanter Umbau auch heute für hitzige Diskussionen sorgt, gebaut wurde. Von 1900 bis 1910 arbeitete Wagner unermüdlich an Entwürfen für einen modernen Monumentalbau. Seine konservativen Gegner brachten das Projekt schließlich zu Fall. Im Rahmen der Ausstellung werden etliche Zeichnungen sowie ein Modell des geplanten Museums gezeigt.

Mehr als 500 Exponate Wagners im Wien Museum

Insgesamt sind mehr als 500 Exponate, die großteils aus den Beständen des Wien Museums stammen, ausgestellt. Nicht nur zahlreiche Entwürfe und Modelle, auch von Wagner entworfene Möbelstücke sind in der umfangreichen Schau zu sehen. Gezeigt werden unter anderem mehrere von ihm designte Armlehnsessel, ein Wäscheschrank und ein raumhoher Prunkschrank.

Besonders prunkvoll ist auch ein Sessel, den Wagner für den damaligen Bürgermeister Karl Lueger entwarf. Anders als die glänzende Aufmachung vermuten lässt, stand auch hier die Funktionalität für Wagner im Vordergrund. Wichtig war ihm, dass Lueger gut darauf sitzt und sich keine Fäden im Gewand zieht, erzählte Orosz, die mit einer weiteren Anekdote aufwartete. Als nämlich im Zuge der Vorbereitung der Ausstellung der ursprüngliche Lederbezug wieder hergestellt werden sollte, wurde ein Vermerk eines Handwerkers entdeckt, der sich darüber beschwerte, dass Lueger die Arbeiterschaft im Landtag Lumpen genannt hatte.

Wichtige Stationen der Ausstellung sind auch Wagners Rolle als Vater der Moderne, seine unausgeführten Projekte für den Kaiserhof und seine beiden Hauptwerke, die Postsparkasse und die Kirche am Steinhof. “Wir hoffen, mit der Ausstellung das Verständnis Wagners neu zu erschließen und die Forschung zu ihm voranzutreiben”, sagte Nierhaus. Die umfangreiche Publikation zur Schau enthält das erste kommentierte Verzeichnis sämtlicher Bauten, Projekte und kunstgewerblicher Entwürfe Otto Wagners.

APA/Red.

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