Wien im Mittelalter: Einblick in den Alltag einer Stadt voller Lebenslust

Von Verena Kaufmann
Wien im Mittelalter war keineswegs nur düster und geheimnisvoll.
Wien im Mittelalter war keineswegs nur düster und geheimnisvoll. - © bilderbox.com/Pichler Verlag
Seuchen, Folter und Bürgerkriege: Zugegebenermaßen war das Leben in Wien im Mittelalter für die Menschen nicht immer einfach. Doch wo Stadt ist, herrscht bekanntlich auch Lebenslust und die Donaumetropole war bereits seit ihren Anfängen für ausgiebige Feste und gesellschaftlichen Spaß bekannt. Hubert Hinterschweiger lädt den Leser auf eine Reise durch längst vergangene Zeiten der Babenberger und Habsburger ein und zeigt Wien als Stadt, die damals längst nicht so düster war, wie manche glauben.

Wunderschön, romantisch, entschleunigt und lebhaft? Oder doch eher schmutzig, ekelerregend, dunkel und grausam? Welche Eigenschaften verbinden Sie mit Wien zur Zeit des Mittelalters? Der Autor Hubert Hinterschweiger zeigt in seinem Buch “Wien im Mittelalter”, dass hinter Assoziationen zum “finsteren Mittelalter” oft nur die halbe Wahrheit steckt.

Der Leser wird auf eine interessante und geschichtsträchtige Reise zurück zu den Zeiten der Babenberger und Habsburger mitgenommen – eine Zeit, in der der Alltag der Menschen vor allem von Lebensfreude und Tatendrang, aber auch von Kriegen und Krankheit geprägt war.

Wien im Mittelalter: Aufstieg einer Siedlung zur Kaiserresidenz

So erlebt man als Leser im Buch den Aufstieg vom römischen Vindobona, einer kleinen Siedlung an der Grenze des Heiligen Römischen Reiches, zur stolzen Residenzstadt des Kaisers. Diese Entwicklung war nicht zuletzt durch zahlreiche ausgehandelte Privilegien und die optimale Lage an der Donau möglich.

Selbstbewusst bauten die Bürger damals an ihrem Wien, vor allem der Stephansdom war und ist nach wie vor das bedeutendste Bauwerk der Stadt. Seine Bauzeit lässt sich dabei in Jahrhunderten messen, denn Unglücke, Brände und Kriege verzögerten immer wieder den Baufortschritt.

Harter Alltag in der Stadt mit viel Lebenslust

Der Wein ist das Lebenselixier im mittelalterlichen Wien, denn was wäre Wien ohne Wein? Egal ob Städter, Händler oder Durchreisender – alle genossen das Getränk. Wobei man hier nicht jenen Wein von heute verstehen sollte, denn damals war es ein ziemlicher “Sauerampfer”, der mit Kräutern oder Ähnlichem verfeinert wurde. Beliebte Örtlichkeiten um Wein, Weib und Gesang zu frönen waren vor allem Badehäuser und Wirtshäuser.

Auch beim Tages- bzw. Lebensrhythmus gab es große Unterschiede, denn dieser wurde von der Kirche bestimmt: Von den Römern übernahm man die Tages- und Stundenmessung, die jeweils die Tagesstunden von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, und die Nachtstunden von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang rechneten. Dementsprechend wurden dann die Gebetszeiten eingeteilt, die wiederum durch Geläut angezeigt wurden. Minuten und Sekunden waren damals noch unbekannte Größen. Man könnte meinen, das Leben war entschleunigter und somit entspannter, aber Stress hatten die Menschen damals trotzdem.

Konflikte und Katastrophen suchten Wien heim

Natürlich gab es auch eine Kehrseite des Mittelalters: Mangelnde Hygiene, Unwissenheit über Krankheiten und kaum bzw. schlechte ärztliche Versorgung. Somit hatten die Menschen mit Krankheiten und Seuchen zu kämpfen. Vor allem die Pest wütete in Wien grausam, ein Großteil der Bevölkerung starb daran. Viele dachten, es wäre ein Strafgericht Gottes, denn die Kirche war für alles und alle der zentrale Bezugspunkt des täglichen Lebens.

Ein weiteres dunkles Kapitel findet sich in den grausamen Spektakeln dieser Zeit: Folter, Hexenverfolgung und öffentliche Hinrichtungen gehörten zum Alltag der Menschen dazu. Auch heute noch bestehen die Schauplätze der grausigen Taten. Bei Verbrennungen erwies sich die Gänsweide im Bereich der heutigen Weißgerberlände in Wien-Landstraße als nützlich, Vierteilen und Köpfen machte auf dem Hohen Markt großen Eindruck. Der Rabenstein oder die Spinnerin am Kreuz wurden für Hängen oder Rädern bevorzugt.

Auch die aus Holz gebauten Dachstühle, die mit Holzschindeln, Stroh oder Schilf gedeckt waren, sorgten für viele Katastrophen in Wien. Ein Brand war schnell ausgelöst, da auf offenem Feuer gekocht wurde und die Häuser auch offene Kamine hatten. Dazu kam auch noch die Gefahr der Beleuchtung durch Fackeln, Öllampen und Kerzen.

Faszinierende Geschichte vom Aufstieg Wiens: Gewinnspiel

Das Buch ist ein humorvoller und lebendiger Geschichts-Crashkurs über eine Zeit der Stadt Wien, die man so noch nicht kennt. Der Autor erzählt von den Hoffnungen und Sehnsüchten der Menschen, von dramatischen Auseinandersetzungen mit den habsburgischen Landesherren und von Konflikten, Kriegen und Katastrophen. Man erkennt, dass die damalige Gesellschaft gleichermaßen tiefen Glauben und finsteren Aberglauben lebte und, dass pure Lebensfreude mit unbarmherziger Grausamkeit einherging.

Wer nun ebenfalls mehr über Wien im Mittelalter erfahren möchte, kann bei unserem Gewinnspiel mitmachen. Wir verlosen Exemplare des Buches.

Buchtipp:

Wien im Mittelalter. Alltag und Mythen, Konflikte und Katastrophen.

Verlag: Pichler Verlag

Autor: Hubert Hinterschweiger

ISBN: 978-3-85431-677-0

Das Buch ist in allen Buchhandlungen und versandkostenfrei auf www.styriabooks.at erhältlich.

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