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Weltverbessern mit Humor: "Wir" von Roland Düringer im Wiener Stadtsaal

Roland Düringer bringt das Publikum zum Lachen, hat aber auch eine ernste Botschaft
Roland Düringer bringt das Publikum zum Lachen, hat aber auch eine ernste Botschaft ©APA
Roland Düringer fiel ja zuletzt öfters mit gesellschaftskritischen Aussagen und Aktionen auf. Im zweiten Teil von "Wir - Ein Umstand", das derzeit im Wiener Stadtsaal zu sehen ist, verbindet der Kabarettist beinharte Systemkritik mit Wirtschaftsbasics.

Kabarettist Roland Düringer unterscheidet in seinem neuen Programm, bzw. dem zweiten Teil seiner Vortragsreihe ganz klar: Zwischen diesen “Anderen” und “Wir”.

Wer sind wir – und wer die Anderen?

Die “Anderen”, das sind all jene, die davon überzeugt sind, dass die Informationen aus der Zeitung mehr wert sind, als die Bäume die für das Papier gefällt werden, jene, die mit dem Auto zur Arbeit, mit dem Lift ins Büro und dann wieder mit dem Auto ins Fitnesscenter fahren, jene, die für den Tierschutzverein spenden und dann Wurstsemmeln essen. Trotzdem beeinflussen diese anderen unser tägliches Leben, die Wirklichkeit, die wir uns geschaffen haben, unser “wir”.

“Wir” waren am Dienstagabend dagegen das Publikum, all jene, die im Wiener Stadtsaal Roland Düringer gesehen haben.Der einstige “Benzinbruder” verpackte in den zweiten Teil seiner Vortragreihe “Wir – ein Umstand” beinharte Systemkritik, jede Menge Wirtschaftsbasics und einiges an Nachdenklichem. Vielleicht sind wir doch auch ein bisschen die anderen? Zu Lachen gab es dennoch genug, begeisterter Applaus.

Roland Düringer stellt kritische Fragen

Düringer steht in kurzen Hosen und T-Shirt auf der Bühne, in seinen Bart sind bunte Batikperlen geknüpft. Er steht hinter einem Redepult, denn der heutige Abend ist auch als Vortrag konzipiert. “Ich werde mehr Fragen stellen als Antworten geben”, kündigt Düringer an. Und dann nimmt er das Publikum auf eine Reise durch die Übel dieser Welt mit, sämtlich Symptome der Benutzeroberflächen, der seltsamen Wirklichkeit, die wir uns geschaffen haben. Der Neandertaler habe es besser gewusst, er habe mit Meinungen der anderen, die oft genug Lügen sind, nichts anfangen können. Denn die Meinung der anderen sei nichts wert, auch seine nicht “auch wenn sie Geld dafür bezahlt haben”. Gelächter.

In den Scherzen stecken allerdings mehr als ernste Themen und Botschaften: Wir waren nicht immer so, alle Kinder kommen intelligent zur Welt, sie werden verdorben von Eltern und Lehrern, dem Ausbildungssystem. “Aus mit Bildung, wie der Name schon sagt.” Sie werden darauf getrimmt, dass die Meinung der anderen wichtig ist, ihnen wird gezeigt, dass Fleisch aus “Tier-KZs” okay ist (“Selber Schuld die Viecherln, wenn die halt so gut nach Fleisch schmecken!”), sie werden abhängig von Systemen. Als Düringer zum steigenden Energieverbrauch und dem Gedankengang kommt, man könne zum Energiegewinn doch Menschen aus der Dritten Welt in Kraftwerken verbrennen, ist es dann plötzlich doch ganz still.

Der Kabarettist in seinem Element

Dabei blitzt der Kabarettist Düringer immer ganz besonders stark auf, wenn er sein Pult und das Hochdeutsche verlässt, das Saallicht angeht und Düringer mit dem Publikum interagiert – trotz der ernsten Botschaften sind es diese Momente des Wienerischen, die das Publikum am meisten erheitern. Düringer spricht frei, steht hinter seinem Pult, kommt aber auch vor und spielt Szenen nach. Es bleibt die stete Mischung zwischen ernsten Themen und lustiger Verpackung. Düringer lässt abstimmen: “Wer glaubt an Gott?” Die richtige Antwort: “Ich weiß es nicht.”, verbeißt sich aber gleichermaßen im Pullover eines Zusehers: “Wie sieht das das Streifenhörnchen in der ersten Reihe?”

Im zweiten Teil packt Düringer einen Sessel und die Wirtschaftswissenschaften aus – Geld, Schulden, Verteilungsgerechtigkeit stehen auf dem Programm. Wer im Publikum würde seine Arbeit eigentlich auch unbezahlt machen? “Ah, dann wollen sie wohl einen Einkommensplatz und keinen Arbeitsplatz!” So lustig und gut Düringer es schafft, seine Anregungen zu verpacken, so vergnüglich der Abend insgesamt ist, bleibt dennoch ein leicht bitterer Nachgeschmack zurück. “Ja, dann gehen Sie doch morgen zur Bank und lassen sich ihr Geld, ihre Lebensversicherung und ihre Pension zeigen. Und wenn Sie tatsächlich Geld sehen, packen Sie es in Nylonsäcke und laufen Sie. Kaufen Sie 10.000 Liter Inländerrum, der ist gut zum Tauschen!,” so Roland Düringer.

(apa/red)

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