Wegen Körperverletzung: Strafprozess gegen Ex-Bundesliga-Kicker Ilčo Naumoski

Ilčo Naumoski muss sich in Wien vor Gericht verantworten.
Ilčo Naumoski muss sich in Wien vor Gericht verantworten. - © APA/Robert Parigger
Der Ex-Bundesliga-Fußballer Ilčo Naumoski steht derzeit in Wien vor Gericht. Es geht um zwei Fälle von Körperverletzung, einer davon trug sich besonders brutal zu.

Der frühere Bundesligaspieler Ilčo Naumoski – mit dem GAK gewann er 2004 den österreichischen Meistertitel und wurde im selben Jahr Pokalsieger, später war er als Stürmer beim SV Mattersburg und im mazedonischen Nationalteam tätig – hat am Mittwoch auf der Anklagebank im Wiener Straflandesgericht Platz nehmen müssen. Es ging um zweifache Körperverletzung. Naumoski bekannte sich “nicht schuldig”.

Prozessgegenständlich waren eine Schlägerei vor einem Wiener Nachtlokal und ein unschöner Zwischenfall nach einem Match zwischen dem SC Wiener Neustadt und Mattersburg vom Dezember 2010, das die Burgenländer nach einem späten Treffer unglücklich mit 0:1 verloren. Naumoski – als Heißsporn bekannt – soll nach dem Schlusspfiff beim Abgang Richtung Kabine dem ihm entgegenkommenden Zeugwart der gegnerischen Mannschaft einen Faustschlag ins Gesicht verpasst haben.

Richterin im Naumoski-Prozess: “Alles verbraten”

“Nicht schuldig”, bemerkte der Ex-Kicker dazu nun vor Richterin Martina Krainz. Er habe den Mann nach einer vorangegangenen Provokation “bloß weggestoßen” und allenfalls “mit drei Fingern am Kinn und an der Wange” berührt, betonte Naumoski, der 2014 seine Fußballkarriere nach einem offenen Schien- und Wadenbeinbruch und einem mehrfachen Bänderriss beenden musste.

Eigenen Angaben zufolge ist er nun beruflich in der Modebranche beschäftigt. Vermögen habe er keines, beschied er der Richterin auf ihre Frage nach seiner finanziellen Lage. “Haben Sie nicht viel verdient?”, fragte Krainz. – “Sehr viel.” – “Ist noch was da?” – “Nein”, lachte Naumoski. – “Aha. Alles verbraten”, bilanzierte die Richterin.

Schmerzensgeldforderung gegen Naumoski

Der Zeugwart schilderte als Zeuge, Naumoski, mit dem er seinerzeit gemeinsam beim GAK tätig gewesen sei (“Wir haben immer ein gutes Verhältnis gehabt”), habe ihm wortlos und ohne ersichtlichen Grund ansatzlos ins Gesicht geschlagen: “Ich war sehr perplex.” Die Verantwortung des Angeklagten sei “kompletter Blödsinn, ‘tschuldigung, dass ich das so sage”.

Der mittlerweile 46-Jährige war nach der Erstversorgung in der Kabine von der Rettung ins Spital gebracht worden, wo man ihm eine Kieferprellung, eine Gehirnerschütterung und einen Tinnitus bescheinigte. Er schloss sich dem Strafverfahren gegen Naumoski als Privatbeteiligter an und machte ein Schmerzensgeld von 500 Euro geltend, weil ihm der Kiefer eingerenkt werden musste und er sieben bis zehn Tage unter starken Kopfschmerzen litt. Naumoski erkannte die Forderung des Zeugwarts nicht an. Es sei “unmöglich”, dass er ihm derart wehgetan habe.

Naumoski von Zeugin belastet

Noch gewalttätiger soll der 32-Jährige im vergangenen Sommer vor seinem Stammlokal in der Ottakringer Straße in Wien-Hernals geworden sein, als ihn ein 24 Jahre alter Lokalbesucher im Scherz und unter Alkoholeinfluss halblustig ansprach. Nach einem knappen “Was schaust?” soll Naumoski gemeinsam mit zwei – vorerst noch nicht ausgeforschten – Bekannten auf den Mann losgegangen sein. “Ich hab’ einen Schlag auf den Kopf bekommen. Ich kann mich an nix erinnern. Ich war bewusstlos”, offenbarte der 24-Jährige im Zeugenstand.

Umso plastischer schilderten die Ehefrau und eine Freundin des jungen Mannes das Geschehen. Nach einer kurzen Schreierei hätten der Angeklagte und seine Begleiter den 24-Jährigen attackiert. “Es hat nicht so ausgeschaut, als hätte er das das erste Mal gemacht”, bemerkte die Ehefrau mit Blick auf Naumoski. Man sei ihrem Mann mit den Füßen ins Gesicht getreten, worauf dieser gegen die Wand donnerte, auf einen vor dem Lokal stehenden Glastisch stürzte und schließlich am Boden zu liegen kam: “Es war alles voller Blut. Er ist in einer Blutlacke gelegen. Er war bewusstlos. Wir haben geglaubt, er ist tot.” Beide Frauen erkannten im Ex-Fußballer eindeutig einen der Angreifer wieder und versicherten, sie hätten damals nichts von dessen sportlicher Vergangenheit gewusst.

Facebook-Fotos brachten Polizei auf die Spur

Naumoski stellte den inkriminierten “Ausraster” entschieden in Abrede. Er besuche besagtes Lokal seit 15 Jahren, noch nie sei dort etwas mit ihm vorgefallen. Auf die Frage der Richterin, weshalb ihn die Zeuginnen zu Unrecht belasten sollten, meinte er: “Ich schätze, dass sie etwas von mir wollen, weil ich ein berühmter Fußballer war.” Weil Naumoski behauptet, er wäre aufgrund seiner Verletzung, deretwegen er seine Karriere aufgeben musste, gar nicht in der Lage, jemanden niederzutreten, wurde die Verhandlung auf unbestimmte Zeit vertagt.

Ein Gerichtsmediziner soll nun untersuchen, inwieweit Naumoskis Bewegungsradius eingeschränkt ist. Fest steht, dass der 24-Jährige schwer verletzt wurde – er erlitt einen offenen Bruch des Stirnbeins, Brüche beider Kiefer und eine Nasenbeinfraktur. Auf Naumoski war man als dringend Tatverdächtigen gekommen, weil an dem Abend im Lokal Party-Bilder geschossen und auf Facebook gestellt wurden. Naumoski markierte sich unter einem Bild, was der Polizei eine wesentliche Hilfe bei den Ermittlungen war.

(APA, Red.)

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