Wanda mit “mehr Herz als Hirn”: Erfolgsband legt neues Album “Bussi” vor

V. l.: Michael Marco Fitzthum (Künstlername Marco Michael Wanda), der Sänger der Band "Wanda", und Gitarrist Manuel Christoph Poppe
V. l.: Michael Marco Fitzthum (Künstlername Marco Michael Wanda), der Sänger der Band "Wanda", und Gitarrist Manuel Christoph Poppe - © APA
Der Erfolgslauf der Wiener Band Wanda ist beinahe unheimlich: Vor einem Jahr hat die Wiener Band ihr höchst erfolgreiches Debüt “Amore” vorgelegt, nun folgt mit “Bussi” der zweite Streich. Wanda sprach darüber in einem aktuellen Interview.

Mit einer nonchalanten Mischung aus hintergründigen Texten und beschwingtem Rock hat Wanda den Nerv der Zeit getroffen. Spitzenplätze in den Charts, ausverkaufte Konzerte und ein ausgewachsener Hype begleiten seitdem die Band. Am 2. Oktober erscheint nun das zweite Album “Bussi”.

Neue Pophymnen von Wanda

Und dieses knüpft nahtlos an den umjubelten Vorgänger an: Von mitsingtauglichen Hymnen wie dem schon länger bekannten “1,2,3,4” über das melancholische “Meine beiden Schwestern” bis zur sehnsüchtigen “Mona Lisa der Lobau” sind alle Wanda-Trademarks reichlich vertreten. Die APA traf Sänger Marco Michael Wanda und Gitarrist Manuel Christoph Poppe zum Gespräch über Bauchgefühl, Authentizität oder die Überflüssigkeit eines Plan B.

APA: Gab es seit der Veröffentlichung von “Amore” eigentlich Gelegenheit, den Erfolg zu realisieren?

Manuel Christoph Poppe: So Reflexionsmomente gab es bis jetzt noch keine.

Marco Michael Wanda: Hat auch keiner wirklich Bock drauf, glaub ich.

Poppe: Das heben wir uns für die Pension auf, so mit Mitte 40.

APA: Also genießen Sie das alles einfach zwischen Tourleben und Albumaufnahmen?

Wanda: Das ist eine klassische Instinkt-Karriere. So ein Bauchgefühl: Es fühlt sich alles richtig an, es so zu machen. Wenn man zehn Jahre am Semi-Alkoholismus kratzt, dann ist Reue keine Kategorie. Und Rückblick auch nicht, so etwas kann man sich gar nicht leisten. Auch in dem Geschäft nicht, es geht weiter und weiter und weiter.

Ein erfolgreiches Jahr 2015

APA: Und bisher lief das Jahr 2015 ja bestens, könnte man resümieren…

Wanda: Es war ein tolles Jahr. Wir haben sehr viel gespielt, die Menschen haben viel getanzt und mitgesungen. Es gab ganz schöne Momente mit dem Publikum. Die Identifikation mit dieser Band läuft über das Lebensgefühl und über die Musik, und nicht über uns als Personen. Es gibt keine Hysterie um unsere Personen, keinen Persönlichkeitskult. Ich finde das alles nett, genauso wie es ist.

APA: Sie können also entspannt durch die Stadt schlendern?

Wanda: Wir werden überall erkannt, bis in die hintersten, kleinen Dörfer. Aber es ist immer sehr respektvoll und ein Kontakt auf Augenhöhe mit dem Publikum, einfach sehr freundschaftlich das Ganze.

APA: Etliche Songs von “Bussi” gibt es ja schon länger, es ist quasi ein Geschwister-Album zu “Amore”…

Wanda: Ein Liedermacher hat ganz viel Material im Hirn und in der Seele, und aus dem habe ich geschöpft. Es hat sich richtig angefühlt, gleich ein Album zu machen. Wozu warten, wenn die Nachfrage so groß ist und es allen so viel Spaß macht? An uns soll es nicht liegen, dass sich diese Mühle nicht weiterdreht.

Wanda über die gemeinsame Arbeit im Studio

APA: Ist es dann ein gemeinschaftliches Arbeiten im Studio?

Wanda: Ich schreibe die Lieder, und dann arbeiten wir mit unserem Produzenten sehr schnell. Er sagt immer: “Spielt, was hingehört.” Es ist natürlich ein philosophischer Themenkomplex, was da hingehört. Aber es muss schnell gehen, Hauptsache, es geht schnell.

APA: Man hat das Gefühl, dass Sie bei neuen Songs mehr zugelassen haben, sie offener gestaltet haben.

Wanda: Ich kann überhaupt nicht über meine Arbeit nachdenken, dazu habe ich keine Zeit und keine Lust. Ich muss nach vorne schauen, ich muss Material sammeln für ein drittes Album. Mir kommt die Platte ein bisschen souliger vor, ein bisschen rhythmischer fast. Und es sind sicher die gewohnten, zuckersüßen Mitsing-Melodien, die man von Wanda kennt. Die Texte sind vielleicht ein wenig düsterer diesesmal. Aber das ist alles eine Projektionsfläche. Es ist dem Publikum überlassen.

APA: Wie gehen Sie beim Texten vor?

Wanda: Das ist Instinkt. Es ist alles andere als Intellekt, ein Lied zu schreiben. Auch wenn das vielleicht gerade in Deutschland jetzt Jahrzehnte lang vorgeherrscht hat, das intellektuelle Paradigma in der Rockmusik. Wir tun unseren Teil dafür, das wieder in den Bauch zurückzuführen. Mehr Herz als Hirn sollte das Ganze haben.

Wanda: “Rock’n’Roll wäre ohne überzogene Geste langweilig”

APA: Sind Sie vielleicht deswegen so authentisch?

Wien. Marco Michael Wanda: Am authentischsten ist der Mensch, der sich am authentischsten selber spielen kann. Ich weiß nicht, ob es so was überhaupt gibt. Instinkt ist wichtiger als Authentizität. Der Rock’n’Roll wäre ohne seine überzogene Geste langweilig.

APA: Wäre es der Worst Case, würden Sie als langweilig wahrgenommen werden?

Wanda: Ich glaube, ich bin unglaublich langweilig. Ich komme mir nicht schillernd vor. Ich bin alles andere als ein aufgedrehter Popstar oder so ein Scheiß.

Manuel Christoph Poppe: Dass das Werk vor der Person des Künstlers steht, ist schon das Wichtigste für uns.

APA: Trotzdem könnte man Sie als den Gegenpol zum Fadsein beschreiben…

Wanda: Für uns fühlt sich das alles so natürlich an. Wir machen Musik. Und wenn man das fühlen will, dann muss man ein bisschen die Gitarre heben, und ich muss mich ein bisschen überzogen gebärden, weil ich um Luft kämpfe für jeden Ton.

Die Suche nach dem “brauchbaren Wort”

APA: Wie schwierig ist es letztlich, das “brauchbare Wort” zu finden, wie Sie in “Mona Lisa der Lobau” singen?

Wanda: Ich will auf keinen Fall 16-jährige-Tagebuch-Lyrik in diese Welt einführen. Ich schaue schon, dass ich mich selbst zurücknehme und etwas schaffe, das eine Projektionsfläche ist. Das “brauchbare Wort” halte ich für eine der Schlüsselzeilen auf dem Album, ja. Es ist nicht einfach, etwas zu sagen, was brauchbar ist. Es ist nicht einfach, etwas Wahres zu sagen – vor allem nicht in einem dreiminütigen Poplied. Aber diese Aufgabe stelle ich mir. Das ist mein täglich Geschäft, etwas Brauchbares schreiben.

APA: Ihre Texte sind nicht zuletzt Identifikationsfläche für die Fans, das hat man beim Begriff “Amore” schön gesehen. Spürten Sie Druck, das zu wiederholen?

Wanda: Nein, überhaupt nicht. Wir sind nicht so narzisstisch-persönlichkeitsgestörte Irre, die ihre eigenen Tricks wiederholen, um die gewohnte Anerkennung wiederherzustellen. Das ist alles so unbewusst, was wir da tun. Wenn so was wieder gelingt, gerne. Aber es muss nicht sein.

APA: Wie ist das Gefühl, mit neuen Songs erstmals vor das Publikum zu treten?

Wanda: Lulu mach’ ich mir nicht ins Hemd, ich bin ein Profi. Ich kann alles singen, und wir können alles spielen. Es ist ja nicht so, dass das unser Brainchild ist, das in die Realität hinüber geführt wird und wir sind alle ganz aufgeregt, wie das ankommt.

Medialer Druck: Für Wanda kein Problem

APA: Zehren der mediale Druck, die unzähligen Interviews und Promotiontermine eigentlich an Ihren Kräften?

Wanda: Um Gottes willen, nein! Wir wären ja sowas von falsch in dem Beruf, wenn uns das Substanz fressen würde. Das ist wie Straßenbahnfahren. Es gibt Schlimmeres als so Promotage, wir fressen und saufen auf Firmenrechnung und reden über uns selbst. Da gibt es weitaus Schlimmeres.

APA: Die Albumpräsentation von “Amore” fand im Vorjahr im Chelsea statt. Jetzt kommt die Arena, im kommenden Jahr spielen Sie dann in der Wiener Stadthalle. Ein ordentlicher Sprung, oder?

Wanda: Diesen Sprung haben wir nicht entschieden, man hat uns diesen Sprung machen lassen. So fühlt es sich an. Und einschüchtern tut uns das alles nicht. Wir haben nur eine einzige Verantwortung, und das ist die Verantwortung, das Publikum in einen Zustand der Ekstase zu versetzen. Und ob das 30 sind oder 30.000, ist egal. Es wäre ja eine humanistische Antithese zu sagen, es wird erst ab 10.000 Leuten interessant. Es geht ja um jeden Einzelnen, und das ist unsere Verantwortung als Musiker.

APA: Fiele der persönliche Bezug zu den Menschen im Publikum in einem kleinen Venue nicht leichter?

Wanda: Ich sehe die Menschen ja nicht einzeln, für mich sind sie immer ein großer lebender Organismus. Und mit dem kommuniziere ich wie mit einer 10.000 Jahre alten Qualle. Die berührt man da, und das schlägt sich da wieder nieder, das ist alles sehr lebendig.

Plan B für Wanda

APA: Gibt es eigentlich einen Plan B, falls Wanda nicht funktionieren sollte?

Wanda: Ich war nie so der Was-wäre-wenn-Typ. Ich habe mir aber auch nie Sorgen um mich selbst gemacht. Wenn es Wanda nicht geben würde, wir würden schon irgendwie über die Runden kommen.

Poppe: Ich glaube, dass es Wanda nicht geben würde, wenn es einen Plan B gäbe. Niemand von uns hat einen Plan B.

APA: Und das Zwischenmenschliche passt in der Band nach wie vor, auch nach unzähligen Wochen auf Tour?

Wanda: Ich hab kein Problem mit Nähe zu anderen Menschen, niemand von uns. Es fühlt sich auch sehr frei an, ehrlich gesagt. Wir gehen auf eine geistige Reise, und ich fühle mich da nie bedrängt oder eingesperrt. Ich habe auch naiverweise das Gefühl, wir könnten jederzeit abbrechen. Das wäre auch wurscht. Abhängig bin ich von dem ganzen Zirkus jetzt nicht.

Poppe: Wir würden es sicher nicht machen, wenn es uns keinen Spaß macht.

Wanda: Dann würde es auch keinem anderen mehr Spaß machen.

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

Mehr zu Wanda lesen Sie hier.

(apa/red)

 

 

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