Waage bei Schrotthändler manipuliert: Prozess in Wien

Die Verhandlung wird Anfang März fortgesetzt.
Die Verhandlung wird Anfang März fortgesetzt. - © APA (Symbolbild)
Fünf Personen müssen sich in Wien wegen zum Teil schweren gewerbsmäßigen Betrugs verantworten.

Weil sie beim Abwiegen von Schrottware die Waage manipuliert haben sollen, sind am Montag vier Angestellte eines Wiener Schrotthändlers sowie ein Mitarbeiter eines Schrottkunden vor Gericht gestanden. Den Beschuldigten wurde zum Teil schwerer gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen. Sie sollen je nachdem die abzuwiegenden Lkw mit Gewichten beschwert oder die Waage mittels Gabelstapler angehoben haben.

Auf der Anklagebank nahmen der Betriebsleiter, die Sekretärin sowie zwei Wiegemeister der Schrottfirma Platz. Mitangeklagt war auch ein Mitarbeiter eines Großkunden. Der 48-jährige Betriebsleiter der Schrottfirma bekannte sich wie die 45-jährige Kollegin schuldig. Sie hätten nur im Auftrag ihres Geschäftsführers gehandelt, der sie mit den Wiegemanipulationen beauftragt habe. Aufgrund dieser schweren Anschuldigungen waren die beiden auch wegen Verleumdung angeklagt. Alle anderen drei bekannten sich nicht schuldig, sie wollen von den Manipulationen nichts gewusst haben.

So lief der Wiegebetrug beim Schrotthändler

Der 48-Jährige, der als Lkw-Fahrer am Schrottplatz arbeitete, lernte vor zehn Jahren die 45-Jährige kennen, die in einer Saftbar tätig war. Er holte sie als Sekretärin in seine Firma. Fortan kümmerte sich die Frau um die Belege der Kunden. Zu dieser Zeit wurde jedoch der damalige Betriebsleiter wegen Unregelmäßigkeiten gekündigt. Da soll der Geschäftsführer der Schrottfirma auf den 48-Jährigen und die Sekretärin zugekommen sein und die beiden über die “schwarze Kassa” informiert haben. Darin wurden die Gewinne der Wiegemanipulationen hinterlegt, die sich der Chef regelmäßig abholen würde.

Die beiden gaben gegenüber dem Schöffengericht (Vorsitz: Stefan Romstorfer) an, fortan mit der Manipulation vom Geschäftsführer beauftragt worden zu sein. Obwohl der 48-Jährige seit 2001 in dem Unternehmen tätig war, hatte er von dieser “schwarzen Kassa” nichts gewusst. “Wir haben große Augen gemacht, als er uns davon erzählt hat”, sagte der Angeklagte. Im Gegenzug zeigte sich der Chef erkenntlich, indem er den beiden 7.000 Euro überwies, das Gehalt der Sekretärin um 1.000 Euro brutto monatlich erhöhte und den 48-Jährigen zum Betriebsleiter ernannte. “Natürlich hab’ ich mich darüber gefreut”, sagte der Angeklagte.

Fortan sollten die Lkw von Großkunden, die Metalle des Schrotthändlers ankauften, mit Gewichten versehen werden, damit die Waage mehr anzeigte und ein höherer Gewinn erzielt werden konnte. Weiters wurde die Waage mittels betriebseigenem Gabelstapler angehoben, um Ware anliefernde Laster leichter zu machen. So wurden die Großkunden um 500 bis 700 Kilogramm geprellt – bei 80 Cent bis einem Euro pro Kilogramm Schrott ein satter Gewinn. Dieses “Spiel” wurde an die acht Jahre getrieben.

Schadenssumme kann nur geschätzt werden

Wie hoch der Schaden ist, konnte jener Staatsanwalt aus Niederösterreich, der die Anklage ausgefertigt hat, nicht beziffern. Der Schadensumfang sei “fraglich”, zitierte einer der Anwälte, Werner Tomanek, aus der Anklageschrift. “Ich habe mir die Mühe gemacht”, meinte Richter Romstorfer. Wenn man annimmt, dass bei den Manipulationen immer ein Gewicht von 500 Kilogramm zum Vorteil der Schrottfirma zu viel oder zu wenig verrechnet wurde, komme man auf eine Schadenshöhe von rund 250.000 Euro, so der Vorsitzende. Aufgeflogen waren die Unregelmäßigkeiten, als der Mutterkonzern des Schrottfirma einer Betriebsprüfung unterzogen wurde.

Ob die beiden Wiegemeister und der Mitarbeiter eines Großkunden von den Manipulationen gewusst haben, wird das Beweisverfahren zeigen. Dazu wird auch der von den Hauptangeklagten beschuldigte Geschäftsführer als Zeuge aussagen. Am 2. März wird die Verhandlung fortgesetzt.

(APA, Red.)

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