“Vorstadtweiber” auf DVD: ORF-Serien- Hit mit Sex, Intrigen und viel Prosecco

Von Daniela Herger
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Das sind die "Vorstadtweiber" (v.l.): Martina Ebm, Gerti Drassl, Nina Proll, Maria Köstlinger und Adina Vetter
Das sind die "Vorstadtweiber" (v.l.): Martina Ebm, Gerti Drassl, Nina Proll, Maria Köstlinger und Adina Vetter - © ORF
Die “Vorstadtweiber” beherrschten zuletzt den ORF-Serienmontag zur besten Sendezeit, sowie am Tag danach die Gespräche in Österreichs Kantinen. Nun ist die erste Staffel des Quotenhits auf DVD zu haben. VIENNA.at hat sich die Aufreger-Serie um Lust, Lügen, Intrigen und jede Menge Prosecco angesehen.

Die “Vorstadtweiber” sind fast alle Ehefrauen im goldenen Käfig, die in Villen in den Wiener Nobelbezirken Hietzing und Döbling residieren und sich das Leben auf großem Fuß weitgehend dank ihrer Partner leisten können, die als Banker, Lobbyisten, Politiker und Immobilienmakler tätig sind. Dass Eheringe sich dabei nicht selten wie Handschellen anfühlen können, verrät bereits das Intro der als Gesellschaftssatire angelegten Serie.

Fünf Frauen und ein Todesfall

Am Anfang der “Vorstadtweiber”-Pilotfolge herrscht Verwirrung: Eine Beerdigung wird von der Polizei “gesprengt”, das Thema Mord steht im Raum, für mehrere der Trauergäste klicken die Handschellen. Was folgt, ist die zehn Folgen lange Rückblende darauf, was zuvor geschah.

Prosecco trinken bei der Dildo-Party

Der Schnitt zur nächsten Szene könnte nicht krasser sein – die Zuseher landen mitten auf einer Sexspielzeug-Party, bei der die Hauptdarstellerinnen Prosecco schlürfend über Dildos, Vibratoren, Liebeskugeln und freizügige Dessous kichern. Die ersten Dialoge: “Prosecco um die Uhrzeit, in dem Haus?” – “Dem Prosecco wird’s wurscht sein, und meiner Leber sowieso.” “Richtig platziert, hast bei jedem Niesen einen Orgasmus. Da freust dich auf die nächste Grippe.”

Ein Kick aus dem Goldenen Käfig

Hinter den Kulissen ist nicht alles Gold, was glänzt – das wird den Frauen bewusst, als eine von ihnen, Sabine Herold (Adina Vetter), von ihrem Ehemann aus der gemeinsamen Villa vor die Tür gesetzt wird. Eines Ehevertrags wegen steht sie vor dem Nichts, da ihr Mann eine minderjährige Freundin hat, die auch noch von ihm schwanger ist. Nachdem sie die letzten sieben Jahre ausschließlich mit Shoppen und ohne Job zugebracht hat, bleibt ihr nur der Weg zum AMS und eine Stelle als Putzfrau.

“Schicksale” der “Vorstadtweiber”

Frustriert von ihren Männern und ihrem Leben generell sind aber auch die anderen “Vorstadtweiber”, denen es vermeintlich besser geht. Hier wird so manches Klischee bedient und überzeichnet, was Reich und Schön betrifft.

Maria Schneider (Gerti Drassl) ist das scheinbar perfekte Heimchen am Herde, leidet jedoch darunter, für ihren Mann Georg (Juergen Maurer) nicht mehr sexuell attraktiv zu sein. Als sie zufällig erkennt, dass sich hinter seinen regelmäßigen Trips nach Dubai ein wahres Doppelleben verbirgt, beginnt sie, sich gehörig zu emanzipieren.

Shopping, Affären und Mordgelüste

Die verarmte Adelige Waltraud Steinberg (Maria Köstlinger) hasst ihren Mann Josef (Simon Schwarz) und shoppt heimlich mit seinen Kreditkarten, woraufhin dieser ihr den Geldhahn zudreht. Als vielleicht tabuloseste der Frauen beginnt sie mit dem 16-Jährigen Sohn ihrer besten Freundin Maria, dem sie offiziell Latein-Nachhilfe gibt, eine Affäre – mit Folgen.

Caroline Melzer (Martina Ebm) hat zwar aus Liebe den viel älteren Hadrian (Bernhard Schir) geheiratet, betrügt ihn aber trotzdem mit dessen Freund und Geschäftspartner Bertram Selig (Lucas Gregorowicz).  Hadrian seinerseits ist der Prototyp des Chefs, der die eigene Frau mit der Sekretärin betrügt.

Nicoletta Huber (Nina Proll) ist als einzige der Damen nicht verheiratet und geht einer geregelten Arbeit nach: Sie hat eine eigene Nobel-Boutique mit hochkarätigen Kollektionen, auf die jedoch jemand ein “Attentat” begeht. Liiert ist sie zwar, aber nur heimlich – ausgerechnet mit Josef, dessen Frau Waltraud beginnt, ihm nach dem Leben zu trachten …

Ernüchternde Message der “Vorstadtweiber”

Die Message der “Vorstadtweiber” ist ernüchternd: Affären sind Freizeitgestaltung, Liebe wird überbewertet, die Männer sind alle gleich, Frauen sind ersetzbar. Sündteure Fetzen legt man sich nur zu, “damit sie uns wer vom Leibe reißt”. Jeder ist käuflich, Lügen und Korruption sind an der Tagesordnung, und alles geht ohnehin unaufhaltsam den Bach runter. Wie Hadrian einmal vor sich hin philosophiert: “Das Leben ist ein Milchpackerl. Die Haltbarkeit ist begrenzt, und irgendwann simma nur noch sauer und dick.”

Lebens-, Liebes- und vor allem Sex-Lektionen werden von Generation zu Generation weitergegeben. So rät etwa Marias erpresserisch-bestechliche Schwiegermutter zum “guten alten Gruppensex”, um in die Beziehung zwischen Maria und Georg wieder Schwung zu bringen. (“Wir haben den Georg auch in unserem Stammlokal am Häusl gezeugt.”) Und Caro gibt der Teenie-Tochter ihres Mannes zu bedenken: “Bumsen ist okay, sich dabei filmen lassen ist deppert.”

Boshaftigkeiten, gut gespielt

Die “Vorstadtweiber” sind boshaft, zynisch und schadenfroh. Bittere Erkenntnise bleiben da nicht aus: “Wir sind eine gelangweilte Zweckgemeinschaft, sonst nix. Wir treffen uns doch nur, weil wir nicht wissen, was wir sonst den ganzen Tag tun sollen.” Das Treiben der “Vorstadtweiber” zu verfolgen, ist für die zu Recht begeisterten Zuseher dennoch erstaunlich unterhaltsam und kurzweilig, was wohl nicht zuletzt auf die merkliche Spielfreude des Casts zurückzuführen ist. Nicht umsonst gab es für fünf der Darsteller Nominierungen für die Romy, den Publikumspreis.

“Vorstadtweiber”: Fortsetzung folgt

Die Abgründe der Oberen Zehntausend sind erbaulich mitanzusehen – auch wenn die Serie polarisiert. Wofür die “Vorstadtweiber” immer gut sind, ist Gesprächsstoff. Freilich fühlte sich kaum jemand  so angegriffen wie FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, der den ORF verklagte, doch angesichts der sexuell sehr freizügigen Themen und Darstellungen wurde mehr als einmal die Frage laut, ob die Serie nicht zu versaut sei. Dazu mag man stehen, wie man will – auf die ORF-Quoten hat sich dies jedoch durchwegs positiv ausgewirkt.

Die Fortsetzung des Serien-Hits auf den Spuren der Desperate Housewives ist bereits gesichert – im April starteten die Dreharbeiten zur zweiten Staffel der “Vorstadtweiber”, die dann Anfang 2016 über die heimischen Bildschirme flimmern wird.

Vorstadtweiber – Die Kultserie auf DVD. 1. Staffel: 10 Folgen auf 3 DVDs. HOANZL, UVP 19,99 Euro.

(DHE)

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