Vienna´s Start-ups: HappyMed

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Mitgründer Philipp Albrecht und das HappyMed System
Mitgründer Philipp Albrecht und das HappyMed System - © David Lugmayr, HappyMed GmbH
Können Sie sich an Ihren letzten Zahnarztbesuch erinnern? Wirklich gute und entspannte Erinnerungen hat kaum jemand von uns. Das Wiener Start-up HappyMed nimmt sich dem Thema an und versucht den Arztbesuch spürbar angenehmer zu machen. Mit einer Videobrille können wir dem Stress entfliehen und in eine andere Welt eintauchen.

Was macht HappyMed?

Das Start-up hat eine Komplettlösung für den medizinischen Markt entwickelt, die Arztbesuche stressfreier macht. Konkret heißt das, dass man bei einer Operation oder einem Zahnarztbesuch eine Videobrille, die mit einem Kopfhörer verbunden ist, aufgesetzt bekommt. Ich durfte das System selber testen. Auf einem leicht zu bedienenden Gerät konnte ich aus vielen Stunden Videomaterial Filme aus verschiedenen Kategorien aussuchen. In Gedanken spazierte ich dem Strand entlang, flog über Inseln, tauchte in die Tiefen des Meeres. Von meiner Umgebung nahm ich nichts mehr wahr. Nach nur wenigen Minuten war ich vom Produkt begeistert. Lukas, mein Gesprächspartner von HappyMed, erklärt mir, dass es vielen anderen gleich geht. „Das Feedback vom Markt ist großartig. Jeder fühlt sich vom Thema betroffen, sieht den Bedarf und weiß, dass das System Gutes tut in Situationen, die unangenehm sind.“

Wie kommt man auf so eine Idee?

Auch der Mitgründer Philipp Albrecht muss zwischen durch zum Zahnarzt. Bei einer schmerzhaften Wurzelbehandlung im Jahre 2013 fragte er seine Ärztin, ob es nichts gibt, mit dem man sich ablenken kann. Es gab zu der Zeit bereits Lösungen mit Bildschirmen an der Decke, doch so wirklich darauf fokussieren kann man sich nicht, die Installation ist relativ aufwändig und das Thema der Inhaltslizensierung war noch nicht gelöst. Videobrillen gab es auch, doch nur als Hardwarelösung. Ärzte konnten diese nicht einsetzen, weil es kein komplettes Paket gab. Wie setzt man die Brille ein? Was kann man darauf zeigen? Das waren Fragen, die noch ungeklärt waren. HappyMed verbindet nun alles und liefert Krankenhäusern und Arztpraxen ein System, welches sie nur auspacken müssen und sofort einsatzbereit ist. Lukas erklärt uns: „Ärzte haben selten die Zeit, sich intensiver mit dem System zu befassen. Es muss so einfach und intuitiv wie möglich sein, sonst wird es in der Umgebung nie überleben.“ Speziell zu beachten sind die sehr hohen Anforderungen bezüglich Sicherheit, Hygiene und Inhalten. Die Brille ist beispielsweise mit den stärksten Mitteln desinfizierbar. Die Inhalte stammen von Partnern wie ORF oder Red Bull und sind für den Anwendungsbereich lizensiert. Für Krankenhäuser und Ärzte ist die Nutzung mit einmaligen Anschaffungskosten für die Hardware und einem monatlichen Beitrag für die Nutzung des vielfältigen Contents verbunden.

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Das Produkt von HappyMed © David Lugmayr, HappyMed GmbH

Wie hat sich das Start-up entwickelt?

Die erste Idee für das Start-up entstand Ende 2013. 2014 wurden die ersten Prototypen entwickelt. In vielen Feedbackrunden veränderte das Start-up den Holzprototypen hin zum heutigen Produkt. 2015 standen das Finalisieren des Produktes und die erste Finanzierungsrunde im Zentrum. Im September letzten Jahres konnte das junge Team so richtig durchstarten. Seitdem werden laufend Kunden und Studienpartner gewonnen, darunter renommierte Institutionen wie das Landesklinikum Wiener Neustadt, die Confraternität Josefstadt und die Akademie für orale Implantologie.

Was macht das Arbeiten bei einem Start-up wie HappyMed aus?

Alle Mitarbeiter des Start-ups stehen voll und ganz hinter ihrem Produkt. Es ist die Idee und ein innerer Drive, der das neunköpfige Team immer weiter vorantreibt. Lukas kommt ins Schwärmen und sagt uns: „Es ist unglaublich bewegend, wie viel man erreichen kann, wie vielen Menschen man mit einem Produkt helfen kann. Es ist toll, ein Produkt zu vertreten, das einen dermaßen großen Impact auf die Psyche hat.“ Zum Arbeiten bei HappyMed gehört auch, dass man in unzählige Rollen schlüpfen muss. Man macht nicht nur Marketing oder nur Entwicklung. Die Grenzen sind fließend und man hat mit Themen zu tun, von denen man vorher noch gar nicht wusste, dass es sie gibt.

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© Matthias Jungwirth, Akkurat Identity

Wie sieht die Zukunft von HappyMed aus?

In diesem Jahr liegt der Fokus vor allem auf OP, Anästhesie, Onkologie und Dialyse. Ein zusätzliches Standbein bleibt der Dentalbereich. Es gibt viele Bereiche, bei denen das Produkt funktioniert, die HappyMed aber noch nicht adressiert hat. So zum Beispiel die Kardiologie, Pädiatrie oder Intensivmedizin. Das Start-up wird sich Schritt für Schritt vorarbeiten. Lukas sagt: „Wir müssen uns selbst an der Nase greifen und eins nach dem andern angehen, überlegen was für uns machbar ist und wo wir hin wollen.“

Wir hoffen, dass wir beim nächsten Arztbesuch eine HappyMed Videobrille nutzen können und wünschen dem Start-up viel Erfolg.

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