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Vienna Cycle Chic: Dieser Blog zeigt Wiens schickste Radfahrer im Internet

Schick angezogene Menschen auf schicken Rädern werden in dem Blog gezeigt. Schick angezogene Menschen auf schicken Rädern werden in dem Blog gezeigt. - © viennacyclechic.at
von Sarah van den Berg - Vor kurzem ist das Buch Cycle Chic von Mikael Colville-Andersen erschienen. Darin finden sich neben den Grundsätzen des schicken Fahrradfahrens zahlreiche Bilder von besonders gut angezogenen Fahrradfahrern und Fahradfahrerinnen – hauptsächlich aus Kopenhagen. Aber auch drei oder vier Vertreter aus Wien haben ihren Weg in das Buch geschafft. Fotografiert wurden sie von Anabel und Paul Rasper, die den Wiener Ableger des Cycle Chic-Blogs betreuen. Täglich veröffentlichen sie Fotos der schicksten Radler der Stadt. Im Interview mit VIENNA.AT spricht Paul Rasper über typische Wiener Radfahrer und den politischen Hintergrund der Cycle Chic-Bewegung.

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Cycle Chic ist mehr als ein Mode- oder Fahrradblog, es ist eine internationale Bewegung. Vor fünf Jahren begann alles in Europas Fahrradhauptstadt Kopenhagen mit einem einzigen Foto auf Flickr. Heute gibt es 65 Cycle Chic-Blogs von Amsterdam bis Rio de Janeiro, die „Cycling from ist sexy side“ zeigen.

In Wien sind Anabel und Paul Rasper für das Fotografieren und vor allem die Auswahl der Motive des Wiener Radl Chics verantwortlich.

Interview mit Paul Rasper von ViennaCycleChic.at

Was ist denn das Kriterium bei der Auswahl der schicksten Radler: Ist die Kleidung wichtiger oder ist das Rad wichtiger?

Das Kriterium, nach dem ich aussuche, ist eigentlich das Gesamtbild. Mir geht es darum, dass wir Leute zeigen, die Spaß haben am Radfahren, die aber auch in ihrer Alltagskleidung unterwegs sind und nicht spezielle Kleidung für das Radfahren kaufen. Die das Rad als Transportmittel sehen, die so wie sie vom Rad steigen in die Arbeit gehen, sich mit Freunden treffen oder ins Kino oder ins Theater gehen. Es sind oft Männer mit Businessanzügen oder Frauen mit Röcken und Highheels. Es ist uns einfach wichtig, da die Breite zu zeigen. Eigentlich kann man mit jeder Kleidung am Rad unterwegs sein.

Aber Mountainbikes zum Beispiel sind nicht okay?

Mountainbikes waren ja in den 90er-Jahren total hip. Aber Mountainbikes kauft man sich im Sportgeschäft und für mich ist ein Fahrrad ein Transportmittel und kein Sportgerät. Für mich ist Radfahren in der Stadt kein Sport.

Welches Fahrrad ist denn ideal für Wien?

Jedes Rad ist ideal für Wien. Alle sagen immer, Wien hat so viele Hügel. Das stimmt gar nicht. Viele Schweizer fahren viel mehr bergauf- und bergab, mit viel einfacherem Equipment. Es gibt immer mehr Leute, die wieder mit dem Waffenrad fahren. Das ist ein sehr schönes, sehr altes und auch sehr komfortables Fahrrad. In der Stadt ist es einfach wichtig, dass man gut sitzt, dass man nicht schmutzig wird, dass man ein gutes Licht hat und dass das Rad gut ausschaut, bzw. zu einem passt.

Was ist denn mit der Sicherheit? Helme sind auf den Fotos ja keine zu entdecken.

Ein Helm gauckelt dir nur Sicherheit vor, der gibt dir keine Sicherheit. Es gibt keine ausführlichen wissenschaftlichen Studien, die mehr Sicherheit durch Helme nachweisen. Helme werden geprüft bei 20 Stundenkilometern, die meisten Leute fahren aber schneller. Die Helme werden am obersten Scheitelpunkt geprüft, wenn du aber seitlich aufprallst, hast du keinen Schutz. Helme sind auch Teil unserer Angstgesellschaft und dadurch, dass unser Blog auch Teil einer politischen Bewegung ist, wollen wir das Fahrradfahren als freudige und fröhliche Transportart darstellen. Da passen Helme einfach nicht rein. Solange man die Regeln einhält, solange man ruhig und besonnen fährt, ist man genauso sicher wie ein Fußgänger.

Wenn du also einen Mann Mitte dreißig in einem Anzug auf einem Waffenrad siehst, der einen schnittigen silbernen Helm trägt…

… dann kommt er nicht auf unseren Blog. Das ist quasi Firmen-Policy.

Gibt es noch andere Regeln für schicke Radler?

Funktionskleidung aus Lycra ist ein absolutes No-Go. Ansonsten gibt es eigentlich keine Rahmenbestimmungen. Im Buch steht, dass das Outfit teurer sein soll als das Rad. Aber für mich ist das Wichtigste eigentlich, dass keine Funktionskleidung und kein Helm getragen werden. Es passt in der Stadt einfach nicht. Wenn man das Fahrrad als ernsthaftes Transportmittel in der Stadt ansieht, dann geht das gar nicht mit Funktionskleidung. Wenn ich mich für eine Abendveranstaltung gut kleide, dann passt ein Helm nicht, dann passt Lycra nicht, dann passen spezielle Schuhe nicht. Österreich ist so autodominiert, dass die Leute langfristig umdenken müssen und ich finde, dass das Fahrrad da einen wirklichen Mehrwert bringt.

Am Blog steht, ihr wollt „den Wiener Radl-Alltag“ dokumentieren. Wie sieht der denn aus?

Wir fotografieren an ganz verschiedenen Orten, so dass man auch von der Stadtkultur etwas mitbekommt. Das sieht man besonders, wenn man sich die Cycle Chic-Blogs anderer Länder im Vergleich anschaut. Die Bilder von Leuten, die in Wien Rad fahren, schauen einfach ganz anders aus als die aus Paris, London, New York oder anderen Städten. Besonders gut sieht man diese Unterschiede an den Gemeinschafts-Posts, die wir einmal im Monat zu einem bestimmten Thema machen. Überhaupt die Idee hinter diesen Street Style Fashion Blogs ist ja Straßenfotografie. Und die Definition von Straßenfotografie ist das Festhalten des Lebens auf der Straße.

Gibt es eigentlich den typischen Wiener Radfahrer?

Nein, aber es gibt so Grüppchen. Einerseits die Gruppe mit den eher sportlicheren Rennrädern und es gibt zum Glück auch eine Gruppe gemütlicher älterer Herren und Damen, die dann auch auf entsprechenden Rädern unterwegs ist. Gerade erst heute hab ich den Josef Cap von der SPÖ gesehen, der fällt da genau rein. Der ist mir am Ring entgegen gekommen auf einem ganz normalen Rad. Eigentlich sind es diese zwei Gruppen, es ist doch eher so, dass die Hauptgruppe der Radfahrer zwischen 25 und 40 ist. Was meiner Meinung nach leider auffallend ist, ist, dass die Gruppe zwischen 15 und 20 sehr wenig vertreten ist. Und ich habe neulich gehört, das ist auch ein politisches Thema.

Euer Blog hat ja auch einen politischen Anspruch, was ist denn das Politische am Cycle Chic?

Politisch ist das Ganze insofern, weil wir für eine Veränderung in der Stadt eintreten. Der Radverkehr macht nur sechs Prozent aus, die Stadt Wien hat sich aber das Ziel gesetzt bis 2014 auf zehn Prozent zu kommen. Wenn es mehr Radfahrer gibt, wird eine Stadt ruhiger. Wir haben weniger Feinstaub und CO2-Belastung, aber was die meisten Leute auch vergessen ist, dass jeder Einzelne, der auf das Rad umsteigt, das auch im eigenen Geldbörserl spüren wird. Ich kann mir gar nicht so ein teures Rad kaufen, dass ich nicht in ein, zwei Jahren billiger unterwegs bin. Gesundheitlich ist es auch gut und wenn es für jeden einzelnen gut ist, ist es auch für die Gesellschaft gut. Auch für die Wirtschaft ist Radfahren gut. Diesen Satz hören ja alle Liberalen oder Neo-Liberalen sehr gern: Natürlich ist es gut für die Wirtschaft, weil die Leute viel mehr auf den Straßen unterwegs sind und dann mehr konsumieren und auch mehr die Geschäfte wahrnehmen. Das ist der politische Hintergedanke. Was uns dabei wichtig ist, ist ein Imagewechsel: Radfahren soll über Mode und Lifestyle zum Mainstream werden. Ich glaube, dass dieser trendwechsel auch schon ganz leicht beginnt, aber noch am Anfang ist.

Ist Wien eigentlich eher fahrradfreundlich oder fahrradfeindlich?

Also ich würde Wien jetzt so nicht als fahrradfreundlich beschreiben, aber ich würde Wien auch nicht als fahrradfeindlich einstufen. Die Infrastruktur ist kompliziert, aber es ist eine Infrastruktur vorhanden. Aber trotz aller Mängel in der Infrastruktur kann die Stadt jetzt noch viel mehr Radfahrer vertragen. Deswegen finde ich es ganz wichtig, dass man die Leute einfach dazu motiviert es zu versuchen. Je mehr Leute aufs Rad steigen, desto mehr muss die Stadt auch für Radfahrer machen.

Buchtipp: Cycle Chic von Mikael Colville-Andersen ist am 21. Mai 2012 im Prestel Verlag erschienen und kostet 20,60 Euro. (SVA)



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