Versuchte Entführung

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Wolfgang Schwarz, Eiskunstlauf-Olympiasieger von 1968, wird sich wegen versuchter erpresserischer Entführung vor einem Wiener Schwurgericht verantworten müssen.

„Eine entsprechende Anklageschrift ist bei Gericht eingebracht worden“, bestätigte der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Wien, Walter Geyer, am Mittwochnachmittag einen entsprechenden Bericht der Info-Illustrierten „News“. Verhandlungstermin gibt es noch keinen.

Der 58-jährige Ex-Sportler verbüßt derzeit eine Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren, nachdem er Mädchen aus dem Baltikum zum Zwecke der Prostitution nach Österreich gelotst hatte. Im Unterschied zu Schwarz, der vorgab, das gleichsam aus Nächstenliebe gemacht zu haben, legte die Justiz das als Menschenhandel aus.

Weit härter sind jedoch die Vorwürfe, die Staatsanwalt Michael Scharf in der nun vorliegenden Anklage formuliert: Demnach soll Schwarz im vergangenen Oktober versucht haben, aus der Entführung einer Millionärstochter Kapital zu schlagen. Sollte er auch in diesem Verfahren schuldig gesprochen werden, drohen dem einstigen Kufen-Star zehn bis 20 Jahre Haft.

Die Anklageschrift ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Verteidiger Herbert Eichenseder hat zwei Wochen Zeit, dagegen Einspruch zu erheben, mit dem sich dann das Oberlandesgericht Wien auseinander setzen müsste. Ob es dazu kommt, wird sich noch in dieser Woche entscheiden. „Ich muss mir zunächst die Tonbänder anhören, die im Zuge der angeblichen Planung der Entführung entstanden sind, die von der Polizei ja überwacht worden sein soll. Morgen oder übermorgen werde ich das weitere Vorgehen mit Herrn Schwarz besprechen“, sagte Eichenseder der APA.

„Eine sehr patscherte Geschichte, eher dilettantisch aufgezogen“ – so beschrieb ein führender Kriminalist das Vorgehen von Wolfgang Schwarz in Sachen Kidnapping. Demnach dürfte sich Schwarz zunächst in der Wiener Unter- bzw. Halbwelt umgehört haben, wer „Profis für eine Entführung“ kenne. Schwarz, mit dem es nach seinem Mädchenhandel-Verfahren in finanzieller Hinsicht bergab ging, hatte sein Haus am Laaer Berg an eine rumänische Anwaltskanzlei verkauft, die es an einen vermögenden Politiker und Geschäftsmann – dem Vernehmen nach der drittreichste Rumäne überhaupt – weiter vermietete.

In diesem Haus lebte zuletzt die 18-jährige Tochter des Mannes, die offensichtlich mit beiden Händen das Geld ihres Papas ausgab. So soll der Teenager mit einen flotten, sündteuren Sportwagen unterwegs gewesen sein. Das dürfte – so die Anklage – Schwarz auf die Idee gebracht haben, das Mädchen entführen zu lassen und in weiterer Folge Lösegeld zu fordern.

Der Mann, an den Schwarz auf der Suche nach Helfern geriet, kannte allerdings den Vater des Mädchens und soll diesem mitgeteilt haben, dass es in Wien jemanden gebe, der seine Tochter kidnappen wolle. Schwarz wurde darauf ein vermeintlicher, ebenfalls aus Rumänien stammender Profi vorgestellt, der vorgab, er werde die Entführung „durchziehen“.

In Wahrheit hatte sich dieser allerdings an die Info-Illustrierte „News“ gewandt. Als der falsche „Entführer“ am 21. Oktober in Wien mit Schwarz traf, erschien der Rumäne „verkabelt“. Schwarz soll mit diesem eingehend das geplante Kidnapping und die Übergabe des Lösegeldes besprochen sowie einen Übergabeort vorgeschlagen haben.

Die mittlerweile eingeschaltete Polizei hörte allerdings mit, der Ex-Sportler wurde unmittelbar nach der Unterredung festgenommen. Zunächst stritt er sämtliche Vorwürfe ab. Als man ihm das mitgeschnittene Gespräch vorhielt, soll er eingeräumt haben, von Hintermännern – laut Schwarz „englische Kriminelle“ – kontaktiert und nur für diese tätig geworden zu sein. Mit der eigentlichen Entführung habe er nichts zu tun.

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