Verlobter weg: Wienerin und Mutter stalken

Verlobter weg: Wienerin und Mutter stalken
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Eine 23-jährige Wienerin – vormals freiberufliche Künstlerin, mittlerweile als Flugbegleiterin geerdet – und ihre Mutter hatten sich am Montag wegen beharrlicher Verfolgung eines jungen Südamerikaners im Straflandesgericht zu verantworten. Der junge Mann hätte die Tochter heiraten sollen, doch nahm er im Herbst des Vorjahrs kurz nach der Verlobungsfeier Reißaus. Daraufhin wurde er von den Damen über Wochen hinweg gestalkt.

“Er ist aus meiner Wohnung ausgezogen, ohne mir einen triftigen Grund zu nennen. Dabei hatte ich schon das Aufgebot bestellt. Ich wollte wissen, was mit unserer Beziehung und unserer Verlobung ist”, verteidigte die 23-Jährige nun ihre bis zu 30 Anrufe und zahlreichen SMS pro Tag. Sie lockte den 26-Jährigen sogar über Umwege nach Graz, wo sie dann “zufällig” auf der Bildfläche erschien und mit ihm ins Gespräch kommen wollte.

Ihre Mutter war der 23-Jährigen eine große Hilfe. 129 Mal rief diese innerhalb von zwei Wochen den Doch-nicht-Schwiegersohn an. Die Tochter hätte doch schon eine gemeinsame Wohnung in Berlin im Auge gehabt, rechtfertigte sich die verwitwete Apothekerin vor Richterin Minou Factor.

Teilweise reagierte der Mann auf die Belästigungen per SMS, indem er etwa seiner Verflossenen schrieb: “Trage keinen Hass in deinem Herzen. Ich trage auch keinen.” Die junge Wienerin griff dessen ungeachtet immer wieder zu ihrem Mobiltelefon: “Ich war verzweifelt. Ich war am Boden zerstört.” Sie könne sich das Verschwinden des Verlobten allenfalls damit zusammen reimen, “dass ich in der Früh zu laut gesungen habe und die Katze zu laut gefressen hat”.

Die wohl passendere Erklärung lieferte der junge Student im Zeugenstand nach: “Ich habe sie als süßes Mädchen kennengelernt. Auf einmal, als wir zusammen gezogen sind, war sie launisch und aggressiv. Sie hat meine Wäsche aus dem Fenster geworfen und Gegenstände nach mir geschmissen.” Er sei “mit sentimentalem Druck” gezwungen worden, in die Verlobung einzuwilligen, obwohl ihm gar nicht nach Heiraten gewesen sei. Schließlich, als es ihm zu viel wurde, sei er ausgezogen, wobei er einen Abschiedsbrief hinterlassen habe.

Die Anzeige habe er erstattet, weil er vor Mutter und Tochter Angst gehabt habe. Letztere wäre “im Zorn zu allem fähig”, deutete der Südamerikaner an.

Die 23-Jährige hat inzwischen allerdings einen neuen Freund gefunden, der sie auch zur Verhandlung begleitete. Die Art und Weise, wie er sie umarmte und herzte, könnte darauf schließen lassen, dass die Frau schon bald den ehelichen Hafen erreicht. Ihr Ex-Freund hat jedenfalls seit mehreren Monaten Ruhe.

Im Hinblick darauf wurde die Strafsache diversionell erledigt. Die Anzeigen gegen Mutter und Tochter wurden unter Setzung einer zweijährigen Probezeit zurückgelegt. Sollte es innerhalb dieser Frist zu keinen strafrechtlich relevanten Verhaltensauffälligkeiten kommen, ist die Causa endgültig vom Tisch.

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