Trotz Verletzten-Serie kein Wehklagen bei Rapid-Coach Canadi

Trotz der Verletzten-Misere gibt es kein Jammern bei Rapid-Coach Canadi.
Trotz der Verletzten-Misere gibt es kein Jammern bei Rapid-Coach Canadi. - © APA (Sujet)
Die Vorbereitung auf den Frühjahrsauftakt der Fußball-Bundesliga hatte sich Rapid-Coach Damit Canadi sicherlich anders vorgestellt: In den vergangenen Woche standen gleich acht Spieler zumindest phasenweise nicht zur Verfügung. Einige Akteure fallen noch monatelang aus.

Dennoch verzichtete Canadi im APA-Gespräch auf Wehklagen. “Ich setze mich mit Verletzungen wenig auseinander. Mir ist es wichtig, dass ich einen ganzen Kader entwickle”, betonte der Wiener.

Verletzten-Misere bei Rapid Wien

Die Breite des Kaders wird für Rapid im ersten Pflichtspiel des Jahres am Sonntag bei der Austria zu einem wichtigen Faktor, schließlich fehlen Christoph Schößwendter, Matej Jelic, Philipp Schobesberger, Ivan Mocinic, Thomas Schrammel und Maximilian Wöber definitiv. Immerhin sollte Maximilian Hofmann nach überstandener Knöchelblessur wieder zur Verfügung stehen. Außerdem dürfte Stefan Schwab – zuletzt monatelang wegen eines Knöchelbruchs out – gegen den Erzrivalen ein Thema sein.

Auch wegen der langen Verletztenliste setzte Canadi in der Vorbereitung auf Improvisation. Louis Schaub etwa wurde regelmäßig an vorderster Front eingesetzt. “Im 3-5-2-System fallen die Flügel weg. Schaub und auch Murg sind gelernte Stürmer und können diese Position gut bekleiden.”

Dafür rückte der im Herbst als Stürmer eingesetzte Joelinton ins zentrale Mittelfeld. “Es ist besser für ihn, wenn er mit dem Gesicht Richtung Tor spielt. Er ist ein fleißiger, laufstarker Spieler, hat eine gute Technik und ein gutes Auge für den Mitspieler. Er kann aber weiterhin auch ganz vorne agieren”, sagte Canadi über den Brasilianer.

Spielereinsatz-Experimente

Aufgrund der verletzten Innenverteidiger experimentierte Canadi zudem mit Mario Pavelic und Stephan Auer im Abwehrzentrum. “Wir hatten auf dieser Position einige Ausfälle, da müssen wir schauen, dass sie sich mit dieser Rolle auseinandersetzen und ein Gefühl dafür entwickeln”, meinte der Rapid-Coach.

Nicht nur einigen Spielern, auch Canadi selbst steht im Frühjahr eine Veränderung bevor. In Sport-Geschäftsführer Fredy Bickel kam ein neuer Vorgesetzter, der während der Partien auf der Trainerbank Platz nehmen wird. “Ich finde, da ist nichts dabei. Das ist sogar sehr gut, denn dadurch ist er näher beim Team. Er ist die Schaltzentrale zwischen Mannschaft und Verein, und wenn er sieht, was ich von der Mannschaft will, kann er sich viel besser in mich hineinversetzen”, erklärte Canadi und meinte schmunzelnd: “Ich glaube, ich bin lauter als er, also wird er eher ein Problem mit mir haben als ich mit ihm.”

Die Zusammenarbeit mit Bickel bewertet der Coach positiv. “Wir tauschen uns sehr offen und ehrlich aus und überlegen uns gemeinsam die besten Strategien für Rapid.” Am Ende dieses Nachdenkprozesses soll ein Ergebnis stehen, das die Grün-Weißen wieder reif für Trophäen macht. “Obwohl wir finanziell nicht mithalten können, wollen wir eine Mannschaft formen, die Salzburg sehr nahe ist und um den Titel mitspielen kann. Das muss auch über Leidenschaft, Technik und Taktik gehen”, erzählte Canadi.

Kein Jammern bei Rapid-Coach Canadi

Der bisher letzte Meistertitel gelang 2008, auf einen Cup-Triumph wartet Rapid schon seit 1995. Dabei bietet diesmal gerade der Pokal-Bewerb die wohl größte Chance, doch noch ein Ticket für die Europa-League-Qualifikation zu lösen. “Da haben wir die Möglichkeit, mit drei Spielen in den Europacup zu kommen, da werden wir alles probieren”, versprach Canadi. Das Cup-Viertelfinale steigt am 5. April auswärts gegen den Vorletzten SKN St. Pölten.

Mit einem internationalen Startplatz über die Liga schaut es ungünstiger aus – den fünftplatzierten Hütteldorfern fehlen 16 Runden vor Schluss 12 Punkte auf Rang drei, der auf jeden Fall zur EL-Quali berechtigt. Der Tabellenvierte Austria liegt zehn Zähler entfernt – umso wichtiger ist das Derby zum Jahresauftakt. “Es ist eine Chance für uns, näher heranzurücken und den Kampf um die Nummer eins in Wien wieder spannend zu machen”, sagte Canadi. Allzu große Bedeutung wollte er dem Duell mit dem Erzrivalen aber nicht beimessen. “Ich hätte gerne, dass wir erst nach den 16 Frühjahrsrunden bewertet werden.”

Bei Rapid gilt zwar generell das Erreichen eines internationalen Startplatzes als Ziel, Canadi relativierte jedoch diese Vorgabe. “In meinen Vertragsverhandlungen hat mir niemand gesagt, dass ich irgendetwas muss. Wir wollen langfristig erfolgreich sein, so ist es mir gegenüber kommuniziert worden.”

Allerdings hätte der 46-Jährige auch nichts dagegen, wenn sich die gewünschten Resultate schnell einstellen sollten. “Es ist klar, dass die innere Gier nach Erfolg groß ist, doch dafür braucht es einen gewissen Prozess, und den werden wir mit unserem Wissen und bestmöglicher Arbeitsleistung bewerkstelligen”, beteuerte Canadi. Der Wiener unterschrieb im vergangenen November vom SCR Altach kommend einen Vertrag bis Sommer 2018.

(apa/red)

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