The Artist

The Artist
Von einem Überraschungserfolg zu sprechen, wäre noch untertrieben: Ein moderner Stummfilm, der in Cannes für Aufsehen sorgt und anschließend in der US-amerikanischen Filmpreissaison aufzeigt, ist mehr als 80 Jahre nach dem Ende der Stummfilm-Ära eine kleine Sensation.

Dass sich Hollywood angesichts der mit zahlreichen Reverenzen versehenen Hommage geschmeichelt fühlt, ist jedoch nur allzu verständlich. Der französische Regisseur und Drehbuchautor Michel Hazanavicius hat sich in schwarz-weiß und 4:3 vor der Traumfabrik verneigt – und darf nun miterleben, wie sich diese (wohl auch bei den Oscars) vor ihm verneigt. Am Freitag startet das anachronistische Filmerlebnis regulär im Kino.

Wien. Schauplatz des Films ist Hollywood im Jahr 1927, der Tonfilm tritt gerade seinen schleichenden Siegeszug an. Dass das viele nicht wahrhaben wollen, wird nicht zuletzt in der Hauptfigur deutlich. George Valentin (Jean Dujardin) ist ein gefeierter Stummfilmstar, dem die Herzen der Frauen reihenweise zufliegen – auch jenes von Peppy Miller (Berenice Bejo), die als Statistin in einem seiner Filme arbeitet und deren Talent von Valentin gefördert wird. Doch während Peppys Stern mit dem Tonfilm schließlich richtig aufgeht, droht jener von Valentin schlagartig zu verblassen. Zurückgeworfen auf sich selbst, ist er plötzlich auf die Hilfe der nunmehr berühmten Peppy angewiesen.

Es ist eine klassische Story, die Hazanavicius erzählt, eine Geschichte des Aufstiegs und Untergangs, der Verbundenheit und Liebe. Doch die vordergründige Erzählung erfährt im gleichen Moment auch immer einen detailverliebten Kommentar und ist damit stets um eine Rezeptionsebene erweitert, die die Vorhersehbarkeit der Geschichte oder die Längen im tragischen Teil locker ausgleichen. So bekommt es etwas Spielerisches, wenn man hier plötzlich “Sunset Boulevard” und “Citizen Kane” oder dort “Singin’ in the Rain” erkennt, wenn Anspielungen auf die Stummfilmstars Douglas Fairbanks oder Mary Pickford unübersehbar sind, wenn die Filmplakate das Schicksal der beiden Protagonisten widerspiegeln.

Die vormoderne Art des Filmemachens wird so kontrastiert mit einer postmodernen Zitatorgie, woraus ein modernes Leinwandmärchen mit ausdrucksstarken Schauspielern (u.a. auch John Goodman) entsteht, das einen an die visuelle Kraft des Körpers, der Mimik und Gestik, erinnert, ohne dabei völlig überzeichnet oder parodistisch zu wirken. Hazanavicius schuf eine Liebeserklärung an eine ganze Ära, die durch die außergewöhnlichen Kompositionen von Ludovic Bource kongenial unterstützt wird. Man will sich dabei gar nicht vorstellen, wie der Regisseur zu Beginn versucht hat, für seine Vision Geldgeber aufzutreiben. Möglicherweise hat da auch schon Uggie, der gefeierte Hund, die Herzen zum Schmelzen gebracht.

(APA)



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