Texta und die “Seele des Österreichers”: Neues Album “Nichts dagegen, aber”

Rap made in Austria: Texta sind auf Tour.
Rap made in Austria: Texta sind auf Tour. - © APA
Die Linzer Hip-Hop-Formation Texta hat für “Nichts dagegen, aber” nur Samples heimischer Musiker verwendet. Von EAV bis Valina reicht die Bandbreite. Und inhaltlich seziert man die “Seele des Österreichers”. Gibt es nun Live On Tour zu hören.

Dass sei jedenfalls die “thematische Klammer”, wie Harald “Huckey” Renner erklärt. “Das ist ein Konzept, das dich nicht total einschnürt, sondern in dem du dich gut bewegen kannst.

Gerade wenn du eine neue Orientierung brauchst, ist das einfach eine Hilfe.” Immerhin musste man sich nach dem Abgang von Gründungsmitglied Skero auch ein bisschen anders orientieren, gibt Klaus Laimer alias Laima zu. “Auch was die Shows betrifft, weil wir ja nur noch drei statt vier vorne sind. Und genau so ist es beim Album gewesen.”

Österreichs Musiklandschaft: Bestandaufnahme

Grundsätzlich sei es für die neue, am Freitag erscheinende Platte ein lockeres Arbeiten gewesen. “Wir haben Musik gemacht, weil wir wollten und weil es Spaß gemacht hat. Ich finde schon, dass man diese Lockerheit hört”, betont Laima. Die Idee, sich dafür ganz auf heimische Musik zu konzentrieren, habe man schon länger gehabt. “Irgendwie war das plötzlich am Tisch”, erinnert sich Huckey. “Aber woher die Idee genau kommt, weiß ich gar nicht mehr”, wirft Philipp “Flip” Kroll ein.

Der MC ist als Produzent auch für den Sound der Gruppe verantwortlich, die von DJ Dan (Daniel Reisinger) komplettiert wird. “Wir sind jetzt seit über 20 Jahren Teil der österreichischen Musiklandschaft. So können wir verorten, was Österreich mit einem macht, was das für ein Land ist und was man musikalisch mitbekommt.”

“Alpenrap” Marke Texta

Nicht nur deshalb ist ein vielseitiges Album entstanden: Nachdenkliche Parts wechseln sich mit elektronisch-gefärbten, durchaus für den Tanzboden geeigneten Stücken ab. Und teils muss man wirklich staunen, was aus den Vorlagen gemacht wurde – sofern man sie, in ihre Einzelteile zerlegt, wiedererkennt. “Das ist das Schöne am Samplen: Man kann aus fast allem eine coole Nummer machen”, lacht Laima. Für Huckey war hingegen der EAV-Song “Alpenrap”, der bei Texta zu den “Alpenraps” wurde, schwierig. “Der ist für mich furchtbar, weil ich mich dabei immer verarscht gefühlt habe. Aber das fällt wohl unter die Kategorie ‘Aus Scheiße Gold machen’.”

In dem Stück wird nun nicht nur der Werdegang der 1993 in Linz gegründeten Formation nochmals aufgerollt, sondern gleich ein Bogen vom Beginn österreichischen Raps bis heute gespannt. “Das ist wie eine 360-Grad-Drehung”, meint Flip. “Man beginnt mit etwas Lustigem, auch weil Rap damals noch belächelt worden ist. Und dann sehen wir, was jetzt daraus geworden ist. Binnen weniger Jahre ist es eine Jugendkultur geworden, und jetzt ist es nicht mehr wegzudenken.” Wobei sich Rap durchaus ausdifferenziert habe. “Trendwellen kommen und gehen”, meint Huckey dazu. “Ich habe nichts gegen diese verschiedenen Ausrichtungen. Wichtig ist nur, dass man es spürt. Wenn du nicht du selber bist, kommt nichts rüber. Und das ist schlecht.”

Mittels Crowdfunding finanziertes Album

Dass sich Texta ehrlich und nachvollziehbar ihren Themen annehmen, zeigt das neue, mittels Crowdfunding finanzierte Album in vielerlei Hinsicht. “Es geht um den lyrischen und thematischen Ansatz”, findet Flip. “Letztlich sind wir in gewisser Weise eine old-school-aufklärerische Band. Ich will, dass ein Mensch was lernt aus der Musik und sich vielleicht Gedanken macht. Man ist dann eher Katalysator von Ideen und Dingen, die herumschweben. Stimmungen, die im Land herrschen, versuchen wir zu verdichten.” Und das soll gelingen, ohne plakative Wege zu beschreiten. “Diese Distanz braucht es deswegen, weil wir uns auch selber nicht sicher sind. Wir haben nicht die endgültigen Lösungen.”

Damit könne man aber nicht jeden erreichen, glaubt Laima. “Es gibt ja Leute, die es vorgekaut haben wollen. Die wollen Gebrauchsmusik: Dazu musst du fröhlich sein, dazu musst du tanzen. Und dann steht einer oben, gibt Befehle und jedes Konzert funktioniert. Aber das ist nicht unser Ding und für solche Leute machen wir auch nicht unsere Musik.” Das wird wohl ohnehin bereits beim Betrachten des Covers deutlich: Dieses stammt für “Nichts dagegen, aber” vom oberösterreichischen Zeichner Gerhard Haderer. “Auch er setzt sich in seinem täglichen Werk mit der österreichischen Seele und Politik auseinander”, so Flip. “Insofern ist das so stimmig wie es nur geht.”

>> Texta auf Tour: 14. April im Flex, Wien; 15. April im PPC, Graz; 16. April im Club Stereo, Klagenfurt; 21. April im Rockhouse, Salzburg; 22. April im Weekender, Innsbruck; 23. April im Carinisaal, Lustenau; 29. April im Posthof, Linz;

(Christoph Griessner/APA)

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