Terror-Prozess in Wien: Neffe soll Chaffeur gedient und Geld gebunkert haben

Beim Terror-Prozess in Wien.
Beim Terror-Prozess in Wien. - © apa
Der Terror-Prozess um jenen 38-jährigen Tschetschenen, der für die Extremisten-Organisation “Emirat Kaukasus” mehr als 400.000 Euro gesammelt haben soll, ging weiter: Ein Mitangeklagter wurde einvernommen. Der 28-Jährige woll seinem Onkel als Chaffeur gedient haben und Geld für ihn gebunkert haben.

Wie auch schon Aslambek I. befragte die Richterin Magomed S. zu Beginn über seine Einstellung zu seinem Heimatland Tschetschenien. “Ich habe dazu keine eigene Meinung, das interessiert mich einfach nicht”, so der 28-Jährige. Ähnlich äußerte er sich zum “Kaukasus-Emirat”. Das kenne er nur über das Internet. Auch wüsste er nicht, dass sich die islamistische Terrororganisation zu Anschlägen in Moskau bekannte.

Terror-Anklage in Wien

Die Beziehung zu seinem Onkel – dem Hauptangeklagten Aslambek I. – bezeichnete er als “normal”. Dieser könne angesichts seiner beiden fehlenden Unterarme gar kein Geld sammeln oder verwalten, betonte er gegenüber dem Schöffensenat. Die Frage der Richterin, ob er ihn dann dabei unterstützt hätte, wies Magomed S. laut zurück.

Die Anklage wirft dem 28-Jährigen jedoch vor, seinem Onkel als Chauffeur gedient zu haben. Er habe Aslambek I. “einfach so” einige Male mitgenommen, als er als Wurst-Lieferant russische Geschäfte bediente, erklärte Magomed S. Der Anklageschrift zufolge reiste Aslambek I. nach Straßburg, Nizza und Aachen. Geld für Treibstoff habe er mit dem Transport von Lebensmitteln lukrieren können, hatte der Hauptangeklagte zuvor in seiner Aussage zu Protokoll gegeben.

Im Mittelpunkt der Befragung stand jedoch die Herkunft der 26.000 Euro, die Magomed S. in seiner Wohnung in Neunkirchen gelagert hatte. Dem Nebenangeklagten zufolge stammen sie aus einem Wohnungsverkauf in Tschetschenien. Die Immobile hatte er nach seinen Angaben von seinem Vater geerbt, seine Tante wickelte demnach den Verkauf ab und brachte das Geld nach Österreich.

Zeuge verweigerte bei Prozess die Aussage

Auf den Vorwurf der Staatsanwaltschaft, der von ihm später vorgelegte Kaufvertrag sei “komplett gefälscht”, gab Magomed S. keine klare Antwort. Das der Name auf dem Vertrag der seiner Tante sei und nicht seiner begründete der Angeklagte, “in Tschetschenien könnte das jeder machen”.

Abgesehen von den 26.000 Euro sind laut Richterin Krausam noch weitere “herrenlose” Barbeträge in der Wohnung gefunden worden. Konkret ging es dabei um 1.000 US-Dollar, für die Magomed S. Verfügungsberechtigter gewesen sein soll. Dies bestritt der Angeklagte jedoch und verwies auf seine Verwandten mit denen er die 5-Zimmer-Wohnung teilte.

Jener Zeuge, der gegenüber der Polizei den Hauptangeklagten unter anderem als Autorität der Terrororganisation “Emirat Kaukasus” bezeichnete, erschien zwar vor Gericht, verweigerte jedoch die Aussage. Er habe Angst, dass seiner Familien in Tschetschenien etwas passieren würde, gab der Zeuge als Grund an.

Am Donnerstag – dem letzten Tag des Prozesses – soll nun der Polizist verhört werden, der für die Zeugeneinvernahme verantwortlich war. Danach erfolgt die Befragung der Angeklagten durch die Staatsanwaltschaft und die Verteidiger.

(apa/red)

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