Tag 2 am Nova Rock 2015: Gute Stimmung trotz Hitze und Gewitterwarnung

Nova Rock - Die Toten Hosen als perfekte Festivalband
Nova Rock - Die Toten Hosen als perfekte Festivalband - © APA/ HERBERT P. OCZERET
Die Besucher der Pannonia Fields II stöhnten am zweiten Tag des Nova Rock Festivals über die drückende Hitze. Die deutsche Band Kraftklub läutete gegen Abend dann aber endlich die Abkühlphase ein.

Nach einem erfolgreichen Auftakt, was das Gedränge am Nova Rock am Samstagnachmittag am dichtesten bei den Duschen: Man suchte bei weit über 30 Grad im Schatten und ohne Lüftchen das Nass. Gerockt wurde trotzdem. Abräumer bei sengender Sonne waren Blues Pills, die würdevoll den Sound und das Flair der 60er-Jahre auferstehen ließen, sowie der britische Folkpunker Frank Turner.

Gute Stimmung trotz Hitze

Pills-Sängerin Elin Larsson begeisterte mit ihrer Stimme und ihrem stilvollen Auftreten. Mit ihren Mitstreitern zelebrierte die Schwedin eine Mischung aus Blues und Rock und lockte damit eine beachtliche Menge aus den begehrten Schattenplätzen. Anschließend entführten die reformierten L7 in die Grunge-Ära. Die Damen hatten Spaß, bei gesetzteren Publikum wurden Jugenderinnerungen wach. Unterdessen begann auf der Red Stage ein Metal-Marathon: The Answer, Epica, In Flames und Nightwish sollten dort einen Kontrast zum Deutschlandtag auf der Blue Stage bilden.

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Gute Stimmung trotz unbarmherziger Hitze verbreitete am Nachmittag auch Frank Turner: Der Brite ließ sich von den äußeren Umständen nicht beirren und servierte mit seiner Band Sleeping Souls ein energetisches Set mit alten Krachern (“I Still Believe” oder “Four Simple Words” als finaler Höhepunkt) und Vorboten auf das neue Album, das noch im Sommer erscheinen soll.

Turner selbst merkte man – abgesehen von seinem schlussendlich transparenten, weil durchgeschwitztem Hemd – kaum etwas an. “Wir sind die Nacht durchgefahren, dann bin ich hier aufgewacht”, lachte er noch vor dem Auftritt über das nicht unstressige Tourleben.

Kraftklub läuteten Abkühlphase ein

Wenn, dann ordentlich: Die deutsche Rockband Kraftklub hat  eindrucksvoll ihr Nova-Rock-Debüt absolviert. Die mitreißenden Songs der fünf Chemnitzer, die gleichermaßen tanzbaren Indie wie rotzigen Punk inkludieren, trafen auf ein aufnahmefähiges Publikum. Die Band mit K läutete damit aber auch die Abkühlphase ein, gab es für die späten Abendstunden doch eine Gewitterwarnung.

Zuvor wurde aber noch getanzt, was das Zeug hält. Nach der brütenden Mittagshitze, waren die tausenden Festivalbesucher sichtlich erleichtert, als sich ein paar Wolken vor die Sonne schoben und Wind aufkam. Diesen verursachten die Kraftklub-Fans zum guten Teil aber selbst, gab es vor der Bühne doch kein Halten mehr. “Ich will nicht nach Berlin”, “Karl-Marx-Stadt” oder “Scheiß in die Disco” fegten über die Pannonia Fields hinweg, während die Hände in die Luft geworfen wurden und kaum ein Stein auf dem anderen blieb.

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Sänger Felix Brummer präsentierte sich zudem als gekonnter Anheizer, ließ das Publikum mit den T-Shirts Wirbel erzeugen und sprintete nicht nur einmal vom linken zum rechten Bühnenrand. Als Brummer zum Ende hin mit seinen Saitenkollegen auf einer kleinen, fahrbaren Stage in Mitten der Fans auftauchte, dort eine Nummer zum Besten gab und schließlich ein Crowdsurfing-Wettrennen der Musiker zu ihrem verwaisten Schlagzeuger auf die eigentliche Bühne veranstaltet wurde, war der Sieg auf ganzer Linie schon längst eingefahren. Papa Roach mixten bei ihrem Auftritt im Anschluss alte mit neuen Sounds.

Regentanz mit den Fantastischen Vier

Allerdings verdunkelte sich der Himmel in den Abendstunden merklich und gab es eine Gewitterwarnung. Die ersten Tropfen fielen bereits, als die deutsche Rap-Gruppe Die Fantastischen Vier die Blue Stage erklommen. Mehr als ein Vierteljahrhundert haben Smudo, Michi Beck, Thomas D. und And.Ypsilon gemeinsam bereits auf dem Buckel – aber auch im Jahr 2015 heißt es bei den Fantas vorwiegend: Spaß haben und das Leben feiern.

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Das machte schon der Auftakt mit aktuellen Stücken wie “25” oder “Danke” klar: Sprechgesang zu groovigen Beats und dem gewissen Augenzwinkern, wie man auch bei “Gebt uns ruhig die Schuld” erfuhr. Und doch gab die Hip-Hop-Institution an diesem Abend eigentlich nur den Anheizer.

Die Toten Hosen am Höhepunkt

Die Headliner des Abends, die Toten Hosen, ließen es dann richtig krachen. Nach den tollen Shows den ganzen Tag und Abend über, die samt Fans einem einstündigen Starkregen trotzten, legte die dritte deutsche Formation in Serie noch einen drauf. Einem wuchtigen Auftakt mit “Bonnie & Clyde”, “Liebeslied”, “Auswärtsspiel” und “Du lebst nur einmal” folgten im Laufe der zweistündigen, makellosen Performance Hits wie “Hier kommt Alex” und “Alles aus Liebe”.

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“Pushed Again” fasste die Faszination eines Hosen-Auftritts zusammen: Campino legte sich rein, die Band trug ihn musikalisch davon, die Fans zündeten Bengalische Feuer und schwenkten, auf den Schultern Gleichgesinnter stehend, Fahnen – und niemand blieb ruhig stehen, Energie pur! Trinklieder (“Zehn kleine Jägermeister”) hatten ebenso ihren Platz wie Durchhalteparolen (“Steh auf, wenn du am Boden liegst”), Nachdenkliches (“Nur zu Besuch”) und kritische Töne.

Als Einleitung zu “Europa”, einem beklemmenden Stück über das Schicksal von Bootsflüchtlingen, sprach Campino FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache direkt beim Namen an: “Lasst euch von solchen Leuten nicht für dumm verkaufen”, rief er und plädierte für ein offenes Europa Das Gelände vor der Blue Stage war bei der Show der Hosen bis ganz hinten voll, am Ende sangen alle zufrieden die Songs der Band.

“Wolferl”am Nova Rock

Dann kam der “Wolferl! Wolferl! Wolferl!”, wie das großteils ausharrende Publikum rief. “I weiß eh, wie i haß”, raunte Wolfgang Ambros und erklärte, die Zunge zeigend: “Des is ka Hardrock. Des is Austropop.” Der Barde mit der mittlerweile brüchigen, aber über die gewaltige PA des Nova Rock doch cool klingenden Stimme verstellte sich auch gar nicht.

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Am Anfang wussten der Late Night Gast und die Rockfans zwar noch nicht so richtig miteinander umzugehen, aber am Ende wurden Klassiker wie “Schaffnerlos”, “Es lebe der Zentralfriedhof” und “Zwickts mi”, zu dem Kids in Slipknot-T-Shirts tanzten, gemeinsam abgefeiert. “Jetzt samma scho do und jetzt is a scho wurscht”, gab der 63-Jährige das Motto vor und intonierte “Wem heut net schlecht is”. Als Kontrast hämmerten auf der Red Stage am Abend In Flames und Nightwish ihren Heavy Metal in die Köpfe ihrer Klientel.

Konnten sich die Musiker über Andrang vor den Bühnen keineswegs beschweren, gab es für das Rote Kreuz bis zum Samstagabend einen deutlich geringeren Patientenzustrom als am Vortag zu verzeichnen. “Die Leute nehmen das Wasserangebot an und versorgen sich ausreichend mit Flüssigkeit”, sagte Sprecher Thomas Horvath. Schwerere Verletzungen blieben bisher aus.

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(APA/Red.)

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