Suffragette – Taten statt Worte – Trailer und Kritik zum Film

Suffragette – Taten statt Worte – Trailer und Kritik zum Film
Es ist eine Geschichte, die “jede Tochter kennen und jeder Sohn im Herzen tragen” sollte, sagt Meryl Streep. Nur kurz währt ihr Auftritt als Frauenrechtsaktivistin Emmeline Pankhurst in “Suffragette – Taten statt Worte” – denn die Hauptrolle spielt eine andere.

Als Arbeiterin, die sich der Frauenrechtsbewegung anschließt und dabei alles riskiert, brilliert Carey Mulligan ab Freitag im Kino.

Suffragette – Die Geschichte

London, Anfang des 20. Jahrhunderts: Die erste Begegnung mit den “Suffragetten” lässt Maud Watts (Mulligan) verschreckt zurück. Als die junge Arbeiterin einer Wäscherei im Londoner East End in der Innenstadt ein Paket abliefern soll, gerät sie in ein Handgemenge. Militante Frauen werfen Schaufenster mit Steinen ein und fordern dabei immer wieder lautstark: “Wahlrecht für Frauen!” Unter ihnen ist Mauds Arbeitskollegin Violet (Anne-Marie Duff), die sie sogleich am nächsten Tag anspricht und für die von Emmeline Pankhurst initiierte Frauenrechtsbewegung zu gewinnen versucht.

Maud sträubt sich, hat sie sich ihr Leben doch trotz harter Arbeit und wenig Geld mit Ehemann Sonny (Ben Whishaw) und Sohn George soweit eingerichtet. Doch ihr Interesse ist geweckt – und manifestiert sich, als sie an Violets Stelle vor dem Parlament über die schwierigen Arbeitsbedingungen in der Wäscherei und ihren unverhältnismäßig geringen Lohn spricht. So beflügelt sie sich fühlt, als ihre Worte beim Finanzminister Gehör finden, so empört ist sie, als dieser ein paar Monate später dennoch nicht das Frauenwahlrecht im Parlament durchsetzt. Sie ist mitten drin, als die Polizei eine Versammlung wütender Suffragetten gewaltsam auflöst und zahlreiche Frauen, darunter neben Maud auch Drahtzieherin und Apothekerin Edith (Helena Bonham Carter) und die aufopfernde Emily (Natalie Press), inhaftiert.

Als Maud freikommt, droht ihr Inspektor Arthur Steed (Brendan Gleeson) mit Verfolgung und ihr von Scham erfüllter Ehemann mit Trennung und Entziehung des Sohnes, sollte sie sich den Suffragetten anschließen. Doch als sich Pankhurst höchstpersönlich ankündigt und in einer flammenden Rede auf den Straßen Londons mehr Radikalität von ihren Mitstreiterinnen einfordert, kann Maud nicht fernbleiben – mit fatalen privaten Folgen…

Suffragette – Die Kritik

Das harte, für Arbeiterinnen oft nur kurze Leben ist Maud in jeder Szene des Films anzusehen. Die 30-jährige Mulligan gibt Maud eindrücklich als von körperlicher Arbeit gezeichnete, aus kleinen Momenten Kraft schöpfende Frau; als erst aus Loyalität zerrissene, schließlich aber entschlossene Aktivistin, die radikales Potenzial entwickelt und viel auf sich nimmt, um späteren Generationen eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Nicht Meryl Streep, mit der trotz eines singulären Auftritts auf den offiziellen Kinoplakaten prominent geworben wird, sondern Helena Bonham-Carter ist dabei die tragende Schauspielerin an Mulligans Seite: Die mutige, scharfzüngige Edith Ellyn stellt ihre Apotheke für Treffen der Suffragetten zur Verfügung und wird so zu jener ausschlaggebenden Person, die Mauds Eifer entfacht und Akte des zivilen Ungehorsams, bis hin zu Brand- und Bombenanschlägen, koordiniert.

“Suffragette” ist anzumerken, wie ernst Regisseurin Sarah Gavron und Drehbuchautorin Abi Morgan die Geschichte nehmen, die sie erzählen – zu ernst vielleicht, füllt sich die Handlung doch nie so recht mit Leben und Dramatik, verschreibt sich mehr der Aufklärung denn der Emotionalität. Mit sozioökonomischer und historischer Präzision und dementsprechend kühlen, ruhigen Bildern wird vielmehr das authentische Bild einer Zeit gezeichnet, in der Frauen durch Gewalt, Manipulation und Demütigung in der westlichen Welt unterdrückt wurden. Reale Personen wie Emmeline Pankhurst oder Emily Wilding Davison stehen neben fiktiven Arbeiterinnen, die all jene Aktivistinnen repräsentieren, die zu Tausenden verhaftet wurden. Und einzelne Szenen rund um Inspektor Steed machen deutlich, wie sich die Bewegung innerhalb Großbritanniens zu dieser Zeit bereits ausgebreitet hat und wie rigoros die Aktivistinnen überwacht und verfolgt wurden.

Auch wenn die Spannung bis zur letzten Szene, die einen Knackpunkt in der Bewegung dramatisch bebildert, auf sich warten lässt: “Suffragette” ist ein großartig besetzter und vor allem lehrreicher Film, der nicht nur vor Augen führt, was in den vergangenen 100 Jahren erreicht wurde – sondern auch, woran es in manchen Teilen der Welt bis heute fehlt. Er zollt den Vorreiterinnen Tribut, und ermutigt den Zuseher, mehr über Pankhurst zu erfahren. Ebenfalls schönes Beiprodukt: Männer spielen hier nicht nur vor der Kamera, sondern auch – und das ist für Großproduktionen unüblich – hinter der Kamera die zweite Geige.

(APA)

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