Spitalsärzte: Wiener KAV will weitere Reduktion der Nachtdienste

Die Nachtdienste der Wiener Spitalsärzte sollen weiter reduziert werden.
Die Nachtdienste der Wiener Spitalsärzte sollen weiter reduziert werden. - © APA/Helmut Fohringer
Durch die EU-Richtlinie soll die Patientenbetreuung tagsüber verbessert werden. Weitere Umschichtungen sollen bis September erfolgen.

Seit einem Jahr gibt es die neue Dienstzeitenregelung für Ärzte in Wiener Gemeindespitälern. Der Krankenanstaltenverbund (KAV) hat am Montag eine positive Bilanz gezogen. Allerdings haben einzelne Häuser noch nicht genug Nachtdienste eingespart, um diese Kapazitäten – wie gewünscht – in den Tag zu verlegen. Der KAV will die ausständigen Umschichtungen nun bis September durchsetzen.

Die gesetzliche Umgestaltung der Dienstzeitenmodelle war aufgrund einer EU-Richtlinie notwendig geworden. Kernpunkt der Vorgabe war eine Reduktion der zulässigen Höchstarbeitszeit auf durchschnittlich 48 Wochenstunden in einem gewissen Durchrechnungszeitraum. Die Ärzteschaft protestierte massiv, weil sie durch Streichung diverser Zulagen Gehaltseinbußen befürchtete. Nach einem monatelangen Verhandlungsmarathon einigte man sich im Juli 2015 unter anderem auf höhere Grundgehälter bei gleichzeitiger Verringerung der Maximalarbeitszeit. Teil des Pakts waren auch Änderungen bei den Nachtdiensten, die nun nicht mehr um 13:00 Uhr, sondern erst am Abend beginnen. Ziel war es, vor allem am Nachmittag mehr Behandlungszeit für Patienten zu schaffen und dadurch weniger Nachtdienste besetzen zu müssen.

Spitalsärzte: Möglicher Protest gegen Streichung weiterer Nachtdienste

Michael Binder, Leiter des Health Care Management im KAV, erklärte am Montag vor Journalisten, dass ein Großteil der Vereinbarungen zwischen Stadt und Ärztevertretern inzwischen umgesetzt worden sei. Kurz vor Beginn des Medientermins hatte allerdings die Wiener Ärztekammer Alarm geschlagen. Die Stadt wolle weitere 40 Nachtdienste ab September “ersatzlos” und “ohne die vereinbarte Zustimmung des Personals” streichen. Das sei eine “Kampfansage”, sagte Kammerpräsident Thomas Szekeres im APA-Gespräch. Insofern überlege man entsprechende Protestmaßnahmen. Ob solche stattfinden sollen, darüber will man die Mediziner in einer internen Abstimmung entscheiden lassen, die “bald” stattfinden soll.

Angesprochen auf den Vorwurf, wies Binder die Kammerbehauptung zurück. Vielmehr sei in Absprache mit den Ärztlichen Direktoren der Spitäler ein Fahrplan erstellt worden. Denn: Die Vereinbarung aus Juli 2015 enthalte eben auch die Reduktion von Nachtdiensten – und hier hätten sich die Häuser noch nicht genug bewegt. De facto sind im vergangenen Jahr die Nachtdienste von ursprünglich 311 auf inzwischen 285 (Stand Mitte Juni 2016) vermindert worden. Als Zielgröße würden allerdings 259 Dienste angestrebt, erklärte Binder der APA: “Wir fordern hier gewissermaßen nach.” Ab September soll der entsprechende Fahrplan umgesetzt werden, mit Option auf noch kleinere Änderungen.

Verschiebungen von Kapazitäten

Betont wurde einmal mehr, dass es sich nicht um Streichungen von Ärztestellen oder Diensten per se handle, sondern um Verschiebungen von Kapazitäten. Denn Ärzte sollten sich verstärkt tagsüber um die Patienten kümmern. Eine tendenziell hohe Medizinerpräsenz in den Nachtstunden, wie sie dem früheren Dienstzeitenmodell geschuldet war, brauche es in vielen Bereichen nicht. Damit verbunden ist auch die Umstellung eines Teils der bisherigen 25-Stunden-Dienste in 12,5-Stunden-Schichtdienste, was die Ärztekammer ebenfalls kritisiert. Der KAV erklärt die Maßnahme mit flexiblerer Dienstplangestaltung und der Tatsache, dass “frische”, also ausgeschlafene Mediziner besser arbeiteten und insofern mehr Patientensicherheit gewährleisteten. In jenen Fällen, wo lange Dienste praktikabler seien, blieben sie sowieso bestehen.

Evelyn Kölldorfer-Leitgeb, Direktorin für Organisationsentwicklung im KAV, versicherte jedenfalls, dass in puncto Arbeitszeitgesetz alle Vorgaben eingehalten werden. Außerdem seien die vereinbarten Begleitmaßnahmen zur Umsetzung der neuen Richtlinien mitten in der Umsetzung oder schon realisiert worden. Durch die Übernahme des sogenannten mitverantwortlichen Tätigkeitsbereichs (Infusionen verabreichen, Blutabnahme etc.) durch Pflegekräfte seien Ärzte entlastet worden, was auch Patienten in Form von kürzeren Wartezeiten auf Untersuchungen oder OP-Termine und den Medizinern in Ausbildung durch verstärkte Betreuung zugutekomme. Gleichzeitig würden Pflegekräfte immer mehr durch Stationssekretärinnen – sie übernehmen z. B. Schreibtätigkeiten – und durch Reinigungskräfte freigespielt.

(APA, Red.)

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