Sozialarbeiter-Team bei Wiener Bahnhof mit Billa-Beteiligung

Der Julius-Tandler-Platz vor dem Wiener Franz-Josefs-Bahnhof gilt seit langem als sozialer Brennpunkt. Die Billa-Filiale zieht alkoholkranke und obdachlose Menschen an, was immer wieder zu Konflikten führt.
Nun soll ein Sozialarbeiterteam für Lösungen sorgen.

„Ich will, dass sich jeder subjektiv sicher fühlt”, betonte Gesundheits- und Sozialstadträtin Sonja Wehsely (S) am Freitag bei der Präsentation des Projekts im Rathaus. Es steht unter der Maxime der „gemeinwesenorientierten Sozialarbeit”. Die rot gekleideten Mitarbeiter von SAM (die Abkürzung steht für „Sozial-Sicher-Aktiv-Mobil”) werden sich also ab 15. Oktober nicht nur um ihre Klienten kümmern, sondern auch Ansprechpartner für Anrainer, Passanten oder Kaufleute sein. Der Lebensmittelkonzern Billa, aber auch die ÖBB beteiligen sich an den anfallenden Kosten.

Die sechs Sozialarbeiter, -pädagogen und Psychologen von SAM sollen ähnlich wie bei „Help-U” am Karlsplatz dafür sorgen, dass die rund 50-köpfige Szene beim Franz-Josefs-Bahnhof die Verhaltensregeln einhält. „Wenn man so besoffen ist, dass man nicht mehr stehen oder sitzen kann, dann hat man im öffentlichen Raum nichts verloren”, sagte Drogenkoordinator Michael Dressel. Man vermittle in entsprechende Betreuungseinrichtungen, sorge für eine rasche Reinigung bei Verschmutzungen, rufe notfalls aber auch die Polizei.

Verdrängen wolle man die Szene nicht, betonten alle Beteiligten. „Das wäre einfach und billig, aber das ist nicht die Wiener Lösung”, so Wehsely. Über die Probleme des „im öffentlichen Raum sichtbaren Elends” (Dressel) hinwegsehen wolle man jedoch auch nicht, so die Stadträtin: „Niemand liegt gern angesoffen vor dem Billa, weil er sich das schon immer gewünscht hat. Da muss etwas dahinter stecken.”

Volker Hornsteiner, Vorstandssprecher der Billa AG, bekräftigte, dass sein Unternehmen seiner sozialen Verantwortung nachkomme und in der betreffenden Filiale am Sonntag auch keine harten Alkoholika mehr verkaufe. Bis Ende 2008 zahlt Billa 50.000 Euro für die Sozialarbeiter, die ÖBB tragen 75.000 Euro bei. Das Gesamtbudget für SAM 9 beläuft sich im Jahr 2007 auf 206.000 Euro, für 2008 auf 292.000 Euro.

Im kommenden Jahr wird SAM voraussichtlich auf den neu adaptierten Bahnhof Praterstern ausgeweitet, zusätzlich soll es ein mobiles Einsatzteam geben. Der Personalstand steigt damit auf 21 Personen, die Kosten bis Ende 2008 auf 1,5 Mio. Euro. „Beim Praterstern ist gut vorstellbar, dass wir unseren Beitrag leisten”, sagte Hornsteiner. Billa betreibt auch dort eine am Wochenende geöffnete Filiale.

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