So lief das Public Viewing zum Österreich-Match: Ungarische Party und Katerstimmung

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Katerstimmung nach der Niederlage Österreichs bei der EM.
Katerstimmung nach der Niederlage Österreichs bei der EM. - © APA
Am Dienstag hatte die österreichische Nationalmannschaft ihren ersten Auftritt bei der EM in Frankreich. In Wien pilgerten tausende Fans zu diversen Public Viewings der Stadt.

Gefeiert haben am Ende die Ungarn. Die Vorfreude ist bei den heimischen Fußballfans am Dienstagabend in Wien dem Kater gewichen. In der Fanzone auf dem Rathausplatz und beim neuen Public Viewing der Strandbar Herrmann in der Seestadt Aspern herrschte nach dem Abpfiff des mit 2:0 verlorenen EM-Spiels Grabesstimmung. Anders die Ungarn im “Ilona Stüberl” in der Innenstadt, wo die große Party stieg.

Optimismus vor dem Österreich-Match gegen Ungarn

Vor dem Spiel dominierte Optimismus auf österreichischer, eher Skepsis dagegen auf ungarischer Seite. 3:1 und 2:1 tippten die meisten Besucher im vollen Public Viewing in der Seestadt. “Man darf die Freundschaftsspiele nicht überbewerten. Die Burschen machen das schon”, sagte ein Gast, der es sich in einem Liegestuhl bequem gemacht hat. “Immer wieder Österreich”, schallte es – kurz unterbrochen von “Herbert Prohaska”-Rufen, als der ORF-Analytiker ins Bild kam. Rot-weiß-rot bestimmte das Ambiente, kaum ein Besucher – ob Mann, Frau oder Kind – war neutral gekleidet erschienen.

Im “Ilona Stüberl” in der Bräunerstraße dagegen war die Stimmung unter den zahlreichen ungarischen Gästen und der rein ungarischen Belegschaft großteils skeptisch: Kellner Gabor erzählte, was in seinem Heimatland Medien vor dem Spiel berichteten: “Sie schreiben, dass Österreich die beste Mannschaft seit 25 Jahren hat, und dass das ein ganz schweres Spiel für Ungarn wird.” Dementsprechend lautete auch sein Tipp: “3:1 für Österreich.” Ähnlich sahen es viele andere Fans in Rot-Weiß-Grün: “Realistisch oder optimistisch? Na gut, ich hoffe, wir gewinnen 2:1”, sagte eine Anhängerin der Magyaren.

Lediglich die in den Landesfarben geschmückte Chefin, Maria Fodor, bewahrte echte Zuversicht. “Wir gewinnen 2:1”, sagte sie im Brustton der Überzeugung. Dass sie seit 1978 in Wien lebt, hinderte sie nicht, an diesem speziellen Abend zu den Ungarn zu halten: “Ich liebe Österreich und ich lebe wirklich gerne in Wien. Aber am Dienstag, entschuldigen sie bitte, muss ich zu Ungarn halten”, hatte sie bereits im Vorfeld der APA erläutert.

Österreich bei EM-Auftakt geschlagen – Katerstimmung der Fans

In der Seestadt war die Stimmung zu Beginn prächtig. Zur Bundeshymne erhoben sich so gut wie alle, Fahnen (aus Sicherheitsgründen ohne Stangen) wurden geschwenkt. Ganz hinten hatte sich ein kleiner ungarischer “Fanblock” gebildet: Etwa 20 Personen aus dem Nachbarland verfolgten an einem Tisch die erste Großchance der Österreicher, die für einen kollektiven Aufschrei sorgte. Nach 9:50 Minuten dann das zweite “Uuuuuuhhhh!”, als David Alaba am ungarischen Tormann scheiterte. “Na, geeeh, oidaaaaa!!!!”, schallte es.

Dann die 40. Minute: Alle springen auf, niemanden hält es auf den Liegestühlen, Heurigenbänken oder auf der Wiese, doch Harnik scheitert knapp. Applaus gibt es trotzdem zum Pausenpfiff. “Die Betonabwehr knacken wir noch”, zeigte sich Sepp aus Stadlau überzeugt. “Die (Spieler, Anm.) legen noch zu, die werden besser”, assistierte seine Begleitung.

Auch im “Ilona Stüberl” zeigte man sich nicht unzufrieden über den Verlauf der ersten Halbzeit. Die Ungarn hatten die ersten Großchancen der Österreicher mit Glück und dem hervorragenden Torhüter Gabor Kiraly überstanden. “Es ist ein spannendes Spiel. Schauen wir, wie es weitergeht”, übte sich ein Gast noch weiter in Skepsis.

In der Seestadt Aspern nahm mit Fortdauer der zweiten Halbzeit die zuversichtliche Stimmung zunehmend ab. Man starrte nervös auf die Videowalls und hatte den einen oder anderen Tipp für den Teamchef parat. Dann wurde es plötzlich ganz still. Entgeistert verfolgten die Fans das Tor der Ungarn. Und kurz darauf bittere Minuten: Riesenjubel beim vermeintlichen Ausgleich, Schock beim Ausschluss von Aleksandar Dragovic und der Aberkennung des Tores. Sogar Tränen kullerten.

Das genaue Gegenteil in der Bräunerstraße: Die enge Gasse hallte wider vom Jubel der meisten Gäste im “Ilona Stüberl”, die sich in der Minderheit befindlichen Anhänger der Österreicher wurden still. Was sich durch den vermeintlichen Ausgleich nur kurz änderte. Die ungarischen Fans hatten schneller begriffen, dass das Tor nicht gegeben wird, und bedeuteten ihren österreichischen Mitgästen, sich wieder zu setzen.

Mit dem 2:0 glaubte in Aspern niemand mehr an Österreich. Nur die wenigen Fans aus Ungarn hatten ihren Spaß. Das erste Abwandern setzte ein bzw. wurden die Verpflegungsstände ausgiebig frequentiert. Mit vollen Magen erträgt sich vieles leichter… Ein tolles Fest endete in Aspern mit minutenlanger Grabesstimmung. Unterdessen brachen im “Ilona Stüberl” alle Dämme. Auf der Straße tanzten die Magyaren und freuten sich.

Public Viewing in der Strandbar Herrmann

Nach dem Match kam beim Public Viewing der Strandbar Herrmann in Aspern die Frustbewältigung. Manche reagierten sich auf einem Mega-Wuzzler ab, andere diskutierten in Gruppen, ob es am Schiri oder am Team lag. “Vielleicht brauchen wir das. Das Land hielt sich eh schon für die Weltmeister”, meinte Franz aus der Leopoldstadt. “Aber der Dämpfer wird uns gegen Portugal beflügeln. Na ja, zumindest war das Ambiente hier super.”

Maria Fodor freute sich: “Ich habe als einzige von Haus aus gesagt, dass wir gewinnen.” Die Party werde aber nicht ewig dauern: “Die Anrainer in der Bräunerstraße haben nicht gerne so lange einen Wirbel.” Aber nach der Party war vor der Party: Am Samstag darf im Ilona-Stüberl gegen Island weitergefeiert werden. Kellner Gabor war unterdessen nicht nur von der intensiven Arbeit, sondern auch vom Sieg seiner Mannschaft fertig: “Jetzt brauch ich dann selber das eine oder andere Getränk.”

>> Alle Infos zur Fußball-EM
>> Alle Public-Viewings in Wien

(APA/Red)

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