Schlepperfahrzeug mit Gegenständen der Flüchtlinge im Technischen Museum Wien

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Das ausgestellte Schlepperfahrzeug beim Abtransport.
Das ausgestellte Schlepperfahrzeug beim Abtransport. - © Technisches Museum Wien
Ungewöhnlicher Neuzugang in der Sammlung des Technischen Museums Wien: Ab 28. September 2017 wird für rund eine Woche ein Schlepperfahrzeug ausgestellt. Es hatte 22 irakische Flüchtlinge nach Österreich gebracht, der Fahrer des Kastenwagens konnte flüchten.

Das Schlepperfahrzeug war am 12. April 2016 gegen 1.45 Uhr auf der A4 in Richtung Wien unterwegs, als es zirka einen Kilometer nach der österreichisch-ungarischen Staatsgrenze einer Polizeistreife auffiel. Die Polizisten wollten den weißen Kastenwagen der Marke Ford Transit überprüfen, doch der Lenker ignorierte die Haltezeichen und ergriff die Flucht. Nach eine etwa fünf Kilometer langen Verfolgungsjagd bremste der Fahrer den Wagen abrupt ab, ließ das Fahrzeug im einspurigen Baustellenbereich stehen, überkletterte die Abzäunung der Autobahn und flüchtete zu Fuß. Die Beamten öffneten die hintere Fahrzeugtür und entdeckten auf der Ladefläche des Transporters 22 Personen: 10 Frauen, 5 Männer und 7 Kinder aus dem Irak. Die Flüchtlinge mussten den Schleppern insgesamt 36.000 US-Dollar für den Transport bezahlen. Sie stellten später einen Asylantrag in Österreich, ob dieser positiv beschieden wurde, ist nicht bekannt.

Die Alarmfahndung nach dem Schlepper verlief erfolglos. Trotz eingesetztem Hubschrauber blieb der Mann verschwunden. Die Polizei vermutet, dass er von einem Begleit- und Spähfahrzeug aufgenommen wurde.

Details zum in Wien ausgestellten Schlepperfahrzeug

Der weiße Kastenwagen war von 2004 bis Februar 2016 Eigentum einer Tiroler Autofirma. Dann wurde das Fahrzeug nach Ungarn verkauft. Wenige Tage vor der Schleppung wurde es erneut, diesmal an einen Griechen – offenbar mit einer falschen Identität – weiterverkauft und mit einem ungarischen Zoll- bwz. Überstellkennzeichen für einen Monat angemeldet. Die wahre Identität des Käufers, der vermutlich Teil der Schlepperbande war, ließ sich nicht mehr feststellen.

Das ausgestellte Fahrzeug stand seit 12. April mit rund 40 weiteren Schlepperfahrzeugen auf dem Parkplatz der Polizeiinspektion AGM Nickelsdorf und wurde nach Ende des gerichtlichen Verfahrens dem Technischen Museum Wien übergebeben. In dem Kastenwagen fanden sich bei der Sicherstellung noch Spuren des Schleppers und der Passagiere, wie eine Wasserflasche, Getränkedosen, Verpackungsmaterial von Essen, Taschentücher, Zigarettenstummel und Papierschnipsel mit arabischen Schriftzeichen. Die Gegenstände werden zusammen mit den Fahrzeug im Technischen Museum ausgestellt, um späteren Generationen als Anschauungsobjekt für die Migrationskrise unserer Zeit zu dienen.

Führung “Vertrieben und geflüchtet” am “Tag der Flucht”

Das Technische Museum Wien nimmt am internationalen “Tag der Flucht” am 28. September mit der Kuratoren-Führung “Vertrieben und geflüchtet” teil, die anhand von Exponaten die Fluchterfahrungen von Menschen während der NS-Zeit thematisiert. Das Schlepperfahrzeug stellt den Bezug zur Gegenwart her. Die Führung ist kostenlos, zu zahlen ist nur der Museumseintritt. Hier geht es zur Anmeldung für die Führung um 16 Uhr.

(Red./JES)

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