Rapid Wien im Europacup fulminant, national ins Straucheln gekommen

Rapid hinkt derzeit etwas hinten nach.
Rapid hinkt derzeit etwas hinten nach. - © APA/Sujet
Zwischenstand bei den Hütteldorfern: Am 12. August schien die Ausgangslage des SK Rapid rosig. Die Austria wurde im eigenen Stadion mit 5:2 degradiert, nach dem vierten Sieg im vierten Saisonspiel sahen die grünweißen Fans ihr Team auf dem Weg zum 33. Meistertitel als praktisch unantastbar. Zweieinhalb Monate sieht die Situation aber anders aus.

Im Europacup fulminant, ist der Rekordmeister national schwer ins Straucheln gekommen. Seit dem Aus in der Qualifikation zur Champions League und dem darauf folgenden Abgang von Torjäger Robert Beric wurden fünf von sieben Liga-Spielen verloren.

Nach einem 1:2 im Derby am Sonntag liegt Rapid schon fünf Zähler hinter dem violetten Stadtrivalen. Dieser befindet sich diametral dazu in einem Positivlauf.

Austria konnte vier Siege verbuchen

Vier Siege in Folge stehen für die Austria derzeit zu Buche. Mehr gelangen zuletzt in der Meistersaison 2012/13 mit fünf Stück (31. bis 35. Runde). 27 Punkte scheinen für den Zweiten nach 13 Runden in der Tabelle auf. 27 Zähler waren in der desolat verlaufenen Vorsaison erst Ende Februar übertroffen – nach der 21. Runde. Unter Trainer Thorsten Fink ist der Erfolg nach Favoriten zurückgekehrt.

Der Deutsche zog nach dem 2:5 im ersten Saisonderby die richtigen Schlüsse. Seine Elf agierte viel kompakter und in ihrer Spielanlage gefestigter. Und als die Austria nach Rapids Ausgleich durch Philipp Prosenik (74.) den Faden zu verlieren schien, setzte Fink mit der Hereinnahme von Kevin Friesenbichler “ein Zeichen”: “Wir wollten das Spiel gewinnen. Denn wenn man Rapid weiter spielen lässt, machen sie meist noch ein Tor.”

Der Schachzug sollte gelingen, Friesenbichler traf nur drei Minuten nach Betreten des Spielfelds mit seinem ersten Liga-Tor zum späten Siegestreffer (89.). “Das ist der bisher wichtigste Treffer meiner Karriere”, sagte Österreichs U21-Teamstürmer nach Schlusspfiff. Auf die Frage, ob die Austria nun im Titelrennen ein Wörtchen mitreden wird können, wichen die violetten Protagonisten aber aus.

Nach Derby-Erfolg “mehr möglich”

“Wir wollen den dritten Platz so schnell wie möglich absichern. Was dann noch geht, werden wir sehen”, meinte Friesenbichler. Teamkollege Alexander Gorgon konnte mit der Bezeichnung “Salzburg-Jäger” ebenfalls nicht wirklich etwas anfangen. “Unser Ziel bleibt unverändert Rang drei”, betonte der Flügelspieler, der die Marschroute vorgab.

“Wichtig ist, dass man die vermeintlich einfachen Gegner schlägt und in den großen Spielen zumindest nicht verliert”, betonte Gorgon. Mit Erfolgen wie in einem Derby sei dann aber auch “mehr möglich. Aber wir halten den Ball flach.” Das Austria-Motto sei einfach: “Wir wollen in Stille weiter arbeiten.”

Dass die Austria noch lange nicht dort ist, wo Trainer Fink sie in Zukunft sieht, bleibt trotz aller Derby-Euphorie Fakt. Spielerisch haben die Violetten noch Luft nach oben. Dennoch scheint man die Unsicherheit, mit der die Austrianer in der vergangenen Saison über den Platz liefen, abgelegt zu haben. Für den von Fink immer wieder betonten Aufbau einer Siegermentalität sind Siege wie gegen Rapid Gold wert.

“Sind überzeugter auf dem Weg”

“Jetzt sind wir überzeugter auf dem Weg, was wir machen. Dass wir merken, wir können mithalten obwohl Rapid eine sehr, sehr gute Mannschaft ist”, erklärte der Ex-Profi des FC Bayern. Die Tabellensituation sah er dennoch als Momentaufnahme. “Es kann sich alles schnell verschieben. Wir spielen nun in Mattersburg, dann zu Hause gegen Salzburg, das sind sehr schwere Spiele”, erinnerte Fink ans anstehende Liga-Programm.

Von einer Momentaufnahme sprach auch sein Gegenüber auf der Rapid-Bank. “Es ist alles sehr eng in der Liga. Für mich bleibt Salzburg der große Favorit. Austria hat die besseren Karten im Moment, aber es sind noch einige Runden zu bestreiten”, meinte Zoran Barisic.

Rapid will noch nicht Schwarmalen

Schwarzmalen war für Rapids Chefcoach nach der ersten Derby-Niederlage nach zwei überzeugenden Siegen (5:2, 4:1) kein Thema. “Es tut weh, aber die Mannschaft hat sich speziell in der zweiten Halbzeit sehr gut präsentiert”, bemühte sich Barisic, das Positive hervorzustreichen. Nicht gelegen habe es an der in solchen Fällen oft zitierten Doppelbelastung.

“Wir suchen nicht nach Ausreden. An der körperlichen Frische hat es nicht gefehlt, auch nicht an der geistigen”, winkte Barisic ab. Der Grund sei einfach fehlendes Spielglück: “Kleinigkeiten laufen gegen uns.” So ärgerten sich die Rapidler auch über Schiedsrichter Harald Lechner, was Kapitän Steffen Hofmann in einer Szene gar veranlasste, sein eigenes Trikot zu malträtieren.

Rapid weist Schwächen im Angriff auf

Eine nicht zu leugnende grünweiße Baustelle bleibt aber weiter der Angriff. Seit dem Abgang von Robert Beric präsentiert sich dieser wenig durchschlagskräftig. Prosenik hält nach 495 Spielminuten in der Bundesliga nun bei einem Treffer. Matej Jelic hat zwar eine bessere Quote, agierte bei den Niederlagen in Wolfsberg und gegen die Austria aber weit unter den Erwartungen.

Zehn Ballkontakte und kein gewonnener Zweikampf lautete die Statistik des Kroaten bis zu seiner Auswechslung in der 59. Minute. Kritik an seinem Angreifer will Barisic keine aufkommen lassen. “Mit einem Beric vorne drin war es schon etwas anderes”, gab hingegen Max Hofmann zu.

Der Innenverteidiger, der mit einem Eigentor Austrias 1:0 erzielt hatte, wollte die Niederlage schnell abgehakt wissen. “Wir müssen jetzt einfach die Köpfe frei bekommen, Mittwoch wartet schon das nächste Match”.

(APA)

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