Prozess um brutale Schlägerbande in Wien: Entführungen und Überfälle

Am Straflandesgericht Wien begann der Prozess um eine brutale Schlägerbande.
Am Straflandesgericht Wien begann der Prozess um eine brutale Schlägerbande. - © APA/HERBERT NEUBAUER
Am 13. Oktober hat am Wiener Straflandesgericht der Prozess um eine brutale Schlägerbande begonnen. Die Mitglieder der Bande sollen drei Überfälle in Wien, Niederösterreich und in Rumänien verübt haben. Außerdem entführten sie die Ex-Freundin des Bandenbosses und deren Ehemann und malträtierten die beiden zwei Tage lang.

Auf der Anklagebank des Wienr Straflandesgericht nahmen drei Mitglieder der Schlägerbande Platz. Drei weitere Komplizen sitzen in Rumänien in Gewahrsam, darunter der Kopf der Bande. Ein Mann befindet sich noch auf der Flucht. Die in Wien angeklagten Männer im Alter von 22 bis 25 Jahren, darunter der Bruder des Bosses, bekannten sich größtenteils der Überfälle und der Freiheitsentziehung schuldig. Die mitangeklagte erpresserische Entführung des Paares, was ihnen einen Prozess vor dem Schwurgericht (Vorsitz: Stefan Apostol) einbrachte, relativierten sie als freiwilliges Treffen.

Rumänen trieben in unterschiedlicher Zusammensetzung Unwesen

Die Rumänen sollen seit Herbst 2016 immer in unterschiedlicher Zusammensetzung ihr Unwesen getrieben haben. Am 8. Oktober 2016 waren fünf Mitglieder der Bande eigentlich auf dem Weg zu einer Hochzeit in Gerasdorf (Bezirk Korneuburg) in Niederösterreich. Wer geheiratet hat – sie waren nämlich gar nicht eingeladen -, konnten sie beim Prozessauftakt nicht mehr sagen. Allerdings fiel ihnen auf der Fahrt an einer Kreuzung in Deutsch-Wagram (Bezirk Gänserndorf) ein alter Mercedes 180 C auf und hielten das Fahrzeug an, indem sie den Fahrer nach dem Weg fragten.

Brutale Übergriffe auf 19-Jährigen

Zwei Beschuldigte setzten sich plötzlich in das Auto des damals 19-Jährigen und zwangen ihn, Richtung Gerasdorf zu fahren. Bereits während der Fahrt kam es zu brutalen Übergriffen auf den jungen Mann. Nach kurzer Fahrt wurde das Opfer aus dem Wagen gezerrt, erneut geschlagen, gefesselt und in den Kofferraum gesperrt. Auf einem Feldweg warfen sie den 19-Jährigen aus dem Wagen und machten sich mit Wertgegenständen und dem Fahrzeug aus dem Staub.

Der junge Mann hat Todesangst gehabt, meinte ein niederösterreichischer Ermittler nach der Festnahme der Bande im Frühjahr. Der 19-Jährige sei nach seiner Freilassung stundenlang durch die Finsternis geirrt. Der von den Tätern geraubte Mercedes wurde noch im Oktober an der ungarisch-serbischen Grenze sichergestellt.

54-jähriger Wiener wurde Opfer der Schlägerbande

Nur vier Tage nach dem jungen Niederösterreicher wurde ein 54-jähriger Wiener in Simmering das Opfer eines ähnlich gearteten Überfalls. Er wurde ebenfalls in den frühen Morgenstunden geschlagen und getreten, gefesselt und schließlich bewusstlos aus seinem Auto geworfen. Dieses Faktum war allerdings nun am Wiener Straflandesgericht ebenso nicht angeklagt wie ein Überfall auf ein Lokal im rumänischen Mioveni. Dafür sollen jene Komplizen verantwortlich sein, die sich noch in Rumänien in Auslieferungshaft befinden.

Äußerst brutal soll die Bande auch bei der erpresserischen Entführung der Ex-Freundin des Bandenbosses vorgegangen sein. Der neue Ehemann der Frau und der Capo waren früher einmal “beste Freunde”, wie der 25-jährige Bruder vor Gericht erzählte. Die 30-Jährige verließ jedoch den 28-Jährigen und heiratete kurze Zeit später den 20-jährigen Freund und brachte einen Buben zur Welt.

Opfer brutal geschlagen und geschubst

Der Bandenboss bezweifelte die Vaterschaft des 20-Jährigen und lockte die beiden am 3. November 2016 unter einem Vorwand in ein Lokal nach Wien-Favoriten, um darüber zu reden. “Sie sollten dazu in die Kirche gehen und schwören, dass es nicht sein Kind ist”, berichtete der Bruder. Die beiden wurden in dem Lokal stundenlang bedroht. Die Täter hatten die Frau laut Staatsanwältin zu sexuellen Handlungen aufgefordert und auf den Mann auf der Restauranttoilette so brutal eingeschlagen und geschubst, dass nicht nur ein Waschbecken aus der Halterung krachte, sondern auch die Wand des WC komplett einbrach.

Frau des Bandenbosses wurde vergewaltigt

Die Frau wurde schließlich in einem Auto stundenlang durch Niederösterreich chauffiert, auf einer Raststation soll sie von dem Bandenboss vergewaltigt worden sein. Der 20-jährige Ehemann wurde in eine Lagerhalle in Wiener Neustadt gebracht, wo er bis zum nächsten Tag festgehalten wurde. Nachdem ihm die Flucht gelungen war, wurde auch die Frau freigelassen.

Der Prozess wird am 20. Oktober mit der Befragung weiterer Zeugen fortgesetzt.

APA/Red.

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