Prozess gegen Investmentbanker in Wien: Zehn Jahre Haft drohen

Michael B. drohen 10 Jahre Haft. Er selbst weist alle Vorwürfe zurück.
Michael B. drohen 10 Jahre Haft. Er selbst weist alle Vorwürfe zurück. - © APA/Sujet
Am Wiener Straflandesgericht hat der Strafprozess gegen den früheren Hedgefondsmanager Michael B. begonnen, der Ende der 1990er-Jahre in den USA hunderte Mio. Dollar Anlegergeld verloren haben soll. B. ist wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs und Untreue angeklagt, ihm drohen zehn Jahre Haft. Er selbst weist alle Vorwürfe zurück.

Es seien durch ihn gar keine Verluste im Fonds entstanden, meinte B., sondern im Nachhinein sei etwas manipuliert worden. Heute lebt der ehemalige Hedgefondsmanager nach eigenen Angaben ohne Vermögen und mit 1.500 Euro monatlichem Einkommen und hat Verfahrenshilfe.

Laut der von Staatsanwältin Eva-Maria Stangl vorgetragenen Anklage hat B. Anleger getäuscht, indem er die Verluste verschwiegen und die Performance des Fonds getäuscht habe. Dadurch hätten immer mehr Anleger, vorwiegend Banken außerhalb der USA, ihm Geld anvertraut. Sein Verteidiger Jürgen Stephan Mertens wies die Vorwürfe zurück und sprach von “Märchen” und “Luftblasen”. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) habe Österreich bereits wegen der langen Verfahrensdauer gerügt.

 Investmentbanker von FBI gesucht, Haftstrafe

Tatsächlich hatte B. bereits im Jahr 2000 in den USA eine Absprache mit der Justiz getroffen und Betrug gestanden. Anschließend legte er laut Anklage ein Gutachten vor, wonach er mentale Probleme habe. 2002 tauchte er unter, wurde vom FBI gesucht und erst 2007 in Österreich gefasst, wo er dann 21 Monate in U-Haft saß.

Der angeklagte Investmentbanker, der Ende der 1990er-Jahre in New York den MIF-Hedgefonds (Manhattan Investment Fund Ltd) gründete und leitete, wurde in der Werbung für den Fonds als erfahrener Experte präsentiert. Die Formulierung “Received a full education of macroeconomics” sei zumindest missverständlich gewesen, so die Richterin Caroline Csarmann, da er doch nur ein nach zwei Jahren abgebrochenes BWL-Studium habe. Die Formulierung sei nicht von ihm, betonte der Angeklagte.

Michael B. streitet Vorwürfe ab

Hingegen stellte er sich hinter die Behauptungen in der Fonds-Werbung, er habe bereits 1991 mit ansehnlichen Beträgen investiert und dabei besser abgeschlossen als wichtige Börsenindizes. Damals war er allerdings erst Berufsanfänger bei der Salzburger Sparkasse, wo er 1990 eintrat, eine Ausbildung für den Bankschalter machte und dann in die Analyse wechselte. Er habe unter Aufsicht eigene Investitionsentscheidungen getroffen und Empfehlungen abgegeben, rechtfertigte er heute vor Gericht die Werbeangaben.

Laut Anklage waren im Jahr 1999 nur mehr 3 Mio. Dollar Aktivvermögen des Fonds bei dem Depotführer, Bear Stearns, vorhanden. Der Angeklagte gab heute an, seines Wissens habe der Fonds im Jahr 1999 über 500 Mio. Dollar verfügt. Einen ihm heute vorgehaltenen Kontoauszug von Bear Stearns mit 3,9 Mio. Dollar Fondsvermögen habe er nie gesehen, sagte der Angeklagte Michael B.

Prozess in Wien wird fortgesetzt

Zeugen, die im bereits in New York geführten Gerichtsverfahren aussagten, hätten “gelogen”, sie seien von der US-Börsenaufsicht “gedrängt” worden, sagte der Angeklagte heute vor Gericht. Wichtige Unterlagen würden fehlen, etwa Unterlagen aus Bermuda oder die Beilagen zu den Jahresberichten der Fonds. “Wir haben hier elf Kisten”, meinte die Richterin.

Staatsanwältin Eva-Maria Stangl verwies auf ein Fax im Akt mit einer Unterschrift von Michael B., wo er einen offenbar gefälschten Kontoauszug des Fonds übermittelte. Das Fax sei nicht von ihm, sagte er. Außerdem seien die Kontoauszüge “sowieso irrelevant, weil sich niemand darauf verlassen hat”. “Ich glaube nicht, dass Verluste im Fonds entstanden sind”. Im Nachhinein sei etwas “passiert” und ihm untergeschoben worden. Bear Stearns habe damals Geld gebraucht, meinte er.

Der Prozess wird morgen Donnerstag und mit einer Zeugeneinvernahme am Freitag fortgesetzt.

(APA)

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