Prozess gegen 85 Rapid-Fans: Urteile am Freitag

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85 Rapid-Fans mussten sich vor Gericht wegen einer Schlägerei am Wiener Westbahnhof verantworten.
85 Rapid-Fans mussten sich vor Gericht wegen einer Schlägerei am Wiener Westbahnhof verantworten. - © APA
Wegen gewalttätigen Ausschreitungen am Wiener Westbahnhof im Mai 2009 mussten sich in den vergangenen vier Monaten 85 Rapid-Fans vor Gericht verantworten. Am Freitag werden die ersten Urteile erwartet.

Am Dienstag wurde in der Verhandlung gegen 32 Fans das Beweisverfahren abgeschlossen, am kommenden Freitag soll es voraussichtlich zur Urteilsverkündung kommen. Auch die übrigen 53 Männer dürften noch im Jänner ihre Urteile bekommen.

Gewalttaten am Westbahnhof: Rapid-Fans vor Gericht

“Dass es zu Gewalttätigkeiten gekommen ist, ist erwiesen”, sagte Staatsanwältin Dagmar Pulker in ihrem Schlussplädoyer. Die Angeklagten hätten sich zum Westbahnhof begeben, “um zu raufen. Und wenn keine Austria-Fans dort sind, rauft man halt mit der Polizei”. Es sei den Männern gerade darauf angekommen, “die Konfrontation zu suchen”. Pulker trat für eine “schuld- und tatangemessene Bestrafung aller Angeklagten” ein und gab zu bedenken, “dass das alles andere als ein Lausbubenstreich war”.

Bei den Angeklagten erntete die Staatsanwältin mit ihren Ausführungen teilweise abschätziges Gelächter, worauf Richterin Martina Frank mehrmals Ruhe einmahnte und mit dem Räumen des Großen Schwurgerichtssaals drohte, sollte diese nicht einkehren.

Verteidiger Werner Tomanek gab zu bedenken, dass es auch ihm nach wochenlanger Verhandlung, “in der es im Wesentlichen um einen vermeintlich ramponierten Mülleimer und einen vermeintlich gezerrten Nacken eines Polizisten gegangen ist”, schwer falle, den gebotenen Ernst zu bewahren. Seine Kollege Franz Pechmann zeigte sich überzeugt, dass es der Anklagebehörde nicht gelungen sei, den Nachweis einer organisierten Verabredung zur Gewalt zu erbringen. Daher sei der inkriminierte Landfriedensbruch freizusprechen.

Chef der Rapid-Ultras schwer beschuldigt

Verteidiger Marcus Januschke, der mit dem Chef der Hütteldorfer “Ultras” den angeblichen Rädelsführer der Angeklagten vertritt, kritisierte, die Strafverfolgungsbehörde wolle “gegen eine gut organisierte Fangruppe ein Exempel statuieren”. Die Vorwürfe gegen seinen Mandanten wären “in keinster Weise nachvollziehbar.”

Der 29-Jährige soll laut Anklageschrift in führender Funktion “wissentlich an einer Zusammenrottung einer Menschenmenge” teilgenommen haben, “die darauf abzielte, dass unter ihrem Einfluss Körperverletzungen oder schwere Sachbeschädigungen begangen werden”. Insgesamt 165 Rapid-Anhänger waren damals nach einem Heimspiel gegen Mattersburg zum Westbahnhof marschiert, um von einer Auswärtspartie in Linz heimkehrende Austria-Fans in Empfang zu nehmen. Rund die Hälfte der Tatverdächtigen konnte die Polizei später nicht ausforschen, weil sie sich teilweise vermummt hatten.

Zusammentreffen von Rapid- und Austria-Fans geplant

“Naturgemäß entsprang dieses Vorhaben keineswegs freundschaftlicher Gesinnung gegenüber den Anhängern des FK Austria, sondern war vielmehr die jahrelange Feindschaft und die den Angeklagten gemeinsame Bereitschaft zu gewalttätigem Verhalten wahrer Hintergrund”, heißt es in der Anklageschrift. Ihr zufolge konnten gröbere Attacken auf die Austrianer nur deshalb verhindert werden, weil die Polizei von dem Vorhaben Wind bekommen hatte und die gegnerischen Fans am Bahnhof abgeschirmt wurden.

Sachbeschädigung und Körperverletzung am Westbahnhof

“Bei dem von Aggression und kollektiver Gewaltbereitschaft getriebenen Versuch der Angeklagten, an den Exekutivbeamten vorbei und zu den FK Austria-Anhängern zu gelangen, kam es zu zahlreichen, in Summe schweren Sachbeschädigungen zum Nachteil der ÖBB und zu teils vollendeten, teils versuchten Körperverletzungen an einschreitenden Exekutivbeamten”, betont die Anklagebehörde.

(apa/red)

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