Posse um Wiener Schönheitssalon: Salon sperrt zu, doch PR-Nutzen gegeben

Ein Wiener Schönheitssalon fühlte sich vom Arbeitsinspektorat übermäßig geprüft
Ein Wiener Schönheitssalon fühlte sich vom Arbeitsinspektorat übermäßig geprüft - © Pixabay (Sujet)
Mehrere Wochen lang hat es nach Wut-Postings einer Wiener Schönheitssalonbetreiberin, die sich vom Arbeitsinspektorat übermäßig geprüft und mit Auflagen konfrontiert fühlt, Resonanz in Medien aller Art gegeben. Das Geschäft sperrt nun zu – doch ein PR-Nutzen ist laut Experten gegeben.

Die Posse rund um einen Wiener Schönheitssalon, dessen Besitzerin sich allzu sehr vom Arbeitsinspektorat kontrolliert und beanstandet fühlt, ist ein Kapitel reicher. Laut “Kurier” sperrt die Ex-Miss ihr Geschäft “noch im Mai” zu, bleibe aber im “Schönheits- und Kosmetikbereich”. Ein Anwalt der Unternehmerin sprach von einer geplanten “größeren Umstrukturierung”.

Frustbeladene Facebook-Postings der Schönheitssalon-Betreiberin

Am Dienstag hatte es zuvor nach neuerlichen frustbeladenen Facebook-Postings der Unternehmerin Aufregung gegeben. So matchten sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter rund um zu exzessive bzw. schlicht notwendige Kontrollen des Arbeitsinspektorates bei der Unternehmerin und ganz generell. Der Anwalt der Unternehmerin wies Vorwürfe, die beispielsweise von der Arbeiterkammer gegen diese gekommen waren, jedenfalls strikt zurück.

Wirtschaftsminister und ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner, der die Unternehmerin schon Anfang Februar besuchte, um sein “Verständnis für den Ärger” der Unternehmerin über das Arbeitsinspektorat auszudrücken, bekräftigte dies erst Montagabend. Die Arbeitsinspektoren sollen mit Augenmaß vorgehen, wurde Mitterlehner zuletzt nie müde zu betonen. Das Arbeitnehmerschutzgesetz müsse Richtung Beratung statt Strafe umgebaut werden. Auch die Arbeitsstättenverordnung gehöre angeschaut.

Stöger: “Schikanen einstellen, Betriebe arbeiten lassen!”

Gestern griff er Arbeits- und Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) in einem Facebook-Posting direkt an, ohne dessen Namen zu nennen: “Schikanen einstellen, Betriebe arbeiten lassen! Arbeitnehmerschutz ist uns allen wichtig, muss aber praxistauglich gestaltet sein, daher möglichst rasch reformieren.” Dafür kam Kritik von der Gewerkschaft vida.

Die Causa hatte sich medial ursprünglich um eine Sichtverbindung ins Freie für ihre Enthaarungsangebote entzündet. Die Unternehmerin beklagte auch weitere Auflagen. Die Arbeitsinspektoren kritisierten unter anderem etwa auch die Be- und Entlüftungssituation und der Notausgangslösung.

Der Beauty-Salon war Dienstag am späteren Nachmittag nicht erreichbar, um die Chefin zu sprechen. Im “Kurier” (Mittwochsausgabe) droht sie: “Die Konsequenz (aus dem was sie mit dem Arbeitsinspektorat erlebt habe, Anm.) ist, dass jetzt 70 Leute ihren Job verlieren. Die Politiker sollen sehen, was sie anrichten.”

Experte: PR-Nutzen in Schönheitssalon-Posse zweifellos gegeben

Die Unternehmerin stellte einen PR-Gag zwar stets in Abrede. Aber ein PR- bzw. Werbe-Nutzen steht für den WU-Professor Martin Schreier, Leiter des Instituts Marketing Management, außer Zweifel. Zwar will der Experte Schreier den Werbewert aus zahlreichen Facebook-Postings und der Teilung von Postings sowie die wochenlange immer wieder gegebene Präsenz in TV- und Zeitungsberichten nicht konkret in Zahlen gießen. Er zählte am Donnerstag aber zahlreiche Punkte auf, warum ohne Zweifel ein Nutzen im Sinne der Steigerung des Bekanntheitsgrades gegeben sein muss. So sei es schon ein Grundpfeiler von Werbung an sich, sein Unternehmen, sein Produkt oder sich selbst bekannt zu machen, sagte Schreier. Und das gelinge der Unternehmerin zweifellos – egal ob bewusst oder nicht.

Bekanntheit wird gesteigert – dazu kommt Underdog-Effekt

“Sogar wenn ich negativ wahrgenommen werde, schaffe ich Awareness (Bewusstsein/Bekanntheit, Anm.)”, so Schreier. Er verwies auf eine US-Studie von Wissenschaftern renommierter Universitäten wonach es für die Verkaufszahlen besser ist, wenn die New York Times ein Buch in ihrer Kritik zerreißen, als wenn das Buch gar nicht vorkommt. “Das trifft vollkommen auf dieses Geschäft zu”, sagt Schreier. “Jeder kennt jetzt das Geschäft. Das kann sich auch positiv auswirken, wenn die Unternehmerin umstrukturiert.” Wenn wo anders wiedereröffnet werde oder noch mehr Filialen eröffnet würden, “ist richtig Profit möglich”, so der WU-Professor und -Institutschef. Warum? “Weil die Leute so etwas abspeichern und es eben auch bei negativen Nachrichten positive Auswirkungen geben kann.”

Gänzlich negativ wurden die Vorgänge medial aber keineswegs transportiert. “Da kommt der sogenannte Underdog-Effekt hinzu”, verweist Schreier auf einen weiteren Grundsatz in der Werbung. Hierbei gehe es um das Ankämpfen eines Davids gegen einen Goliath – in diesem Fall die Unternehmerin, die sich gegen (aus ihrer Sicht) zu viele Auflagen, also die Behörden wehrt. Es entstehe das Image einer Einzelkämpferin, die gegen Bürokratie, Politik und schwierig nachvollziehbare Regeln ankämpft, so Schreier.

Schönheitssalon-Betreiberin schloss einen Werbecoup aus

Die Mehrheit der Menschen findet so etwas gut, weil die Mehrheit der Leute sich im inneren oft selbst wie ein David fühlt, erklärt der Professor. Also würde die Mehrheit Firmen oder Marken tendenziell gut finden, die den Underdog-Effekt bedienen.

In der “ZiB2” vom Mittwoch schloss die Unternehmerin übrigens einen Werbecoup aus: “Bekanntheit zahlt keine Gehälter und zahlt auch keine Steuern”, sagte sie. Ihr Anwalt und Mehrheitseigentümer des Unternehmens sagte kürzlich zur APA, es stehe der Firma eine “Umstrukturierung” bevor, während die Unternehmerin Medienberichten zufolge vom “Zusperren” sprach. Die Behörden würden Arbeitsplätze vernichten, glaubt die Firmenchefin, die aufgrund ihrer Postings sogar Besuch von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) erhalten hatte, der “Verständnis für den Ärger” ausdrückte.

(apa/red)

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