„Police“ in Wien: Flaschenpost aus ganz anderer Zeit

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Die legendäre Band wurde in der Wiener Stadthalle umjubelt, jedoch ohne restlos zu überzeugen.

Eine Flaschenpost aus einer ganz anderen Zeit gab es gestern, Mittwoch, in der Wiener Stadthalle: Sting, Stewart Copeland und Andy Summers traten wieder gemeinsam als „Police“ auf, jene Band, die Klassiker wie „Roxanne“ und „Every Breath You Take“ hinterlassen hat und zwei Jahrzehnte ein Comeback kategorisch ausgeschlossen hatte. Das erste Wiener Konzert seit ebenso langer Zeit geriet zum umjubelten Abend.

Schon der Auftakt mit „Message In A Bottle“ und einem freundlichen „Servus Wien“ von Sting setzte die Marschroute für den Auftritt:
Handgemachter Pop für Anspruchsvolle, mit viel kompaktem Druck und ohne unnötigen Schnickschnack. Dabei gerieten gerade die bekannten Hits nicht unbedingt zu den Highlights, allen voran das immer noch unlustige „De Do Do Do De Da Da Da“ oder „Roxanne“ als erste Zugabe. Heraus gestochen sind u. a. „Don’t Stand So Close To Me“ sowie „Can’t Stand Losing You“ als letzte Nummer vor den Zugaben. Doch eigentlich lässt sich gerade dieses Konzert nicht auf einzelne Nummern reduzieren – die Beobachtung der Vollblutmusiker und ihrer neu erblühten Spielfreude machte auch dann Spaß, wenn das Konzert gerade nicht so spannend war. Was auch durchaus längere Zeiträume der Fall war.

Vom Kampf der Egos, der Police früh belastet hat, hat man sich zumindest dem Eindruck nach zur unverkrampften Altherrenpartie ausgewachsen. Nun singt und spielt selbst der jugendlich-fitte und früher zwanghaft im Vordergrund stehende Sting einfach so vor sich hin, ohne Rampensau-Ambition. Doch eigentlich hätte ein bisschen Missgunst der Musiker untereinander vielleicht nicht geschadet: Denn in der neuen „Police“-Konstellation bekommt Gitarrist Summers übermäßig viel Zeitbudget für seine Soli, die zwar witzig eckig und spannend kantig waren, aber den Abend über immer weniger füllend gerieten. Und Copeland wuselte wie in besten Zeiten hinter seinem Schlagzeug – das geriet zuweilen etwas übervirtuos.

Dennoch ist der spartanische Ansatz der Band eine Freude für wohl jeden Popliebhaber: Wie lange schon ist es her, dass man eine dreiköpfige Band derart pur und alleine stehend auf einer Popbühne erlebt hat? Police brauchen keine Begleitmusiker, keine überdimensionale Lichtshow, keine blöden Publikumssprüche. Da sind drei Könner am Werk, die Musik spielen können. Dass das erwähnenswert ist, ist kein gutes Zeichen für’s Business.

Sting selbst, der weit weniger gealtert ist und daher gestern optisch aus der Band herausgestochen ist wie noch nie zuvor, zeigte gleich beim Auftakt: Seine Stimme ist auf positive Art reifer geworden, ohne ihren unverwechselbaren Duktus zu verlieren. Die Enge war bei Stings Stimme ja immer schon ein Markenzeichen. Wenn auch die Höhen vielleicht noch ein wenig gepresster klingen als früher, haben Stings Vocals doch insgesamt an Volumen gewonnen und den Abend gut getragen.

Der Wiener Auftritt war ein typisches Legendenkonzert: Nach heutigen Maßstäben würden die drei Herren mit ihrer Musik höchstens herzhaftes Lachen von Plattenfirmhaien bekommen – zu handgemacht, zu kompliziert, zu echt und auch zu bieder für den heutigen Markt. Und auch wenn man genau auf diese Dinge steht, war der vom Publikum euphorisch aufgenommene Auftritt nicht durchwegs gelungen: Die Selbstbeschränkung in Klang und Optik ließ dann doch auch Leerläufe entstehen. Doch dabei gewesen zu sein, wenn „Police“ noch einmal spielen – das war es auf jeden Fall wert.

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