“Plattform Wohnungsbau” drängt auf kostendämpfende Maßnahmen

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"Wohnen soll leistbar bleiben": Darauf pocht die Plattform Wohnungsbau.
"Wohnen soll leistbar bleiben": Darauf pocht die Plattform Wohnungsbau. - © APA
Vertreter von Bauträgern, Immo-Treuhändern und Bauwirtschaft gründeten die neu formierte “Plattform Wohnungsbau” und wollen gewährleisten, dass Wohnen weiterhin leistbar bleibt. Dorn im Auge sind ihnen “überzogene” Baunormen, aber auch die explodierenden Grundstückspreise.

Der enorme Grund- und Baukostenanstieg in den letzten Jahren betreffe gewerbliche wie gemeinnützige Bauträger gleichermaßen, betonten Proponenten der Initiative am Donnerstag. Zwar steige die Nachfrage nach erschwinglichem Wohnraum, doch werde Bauen immer teurer. Denn kostentreibende bautechnische Anforderungen und Normen sowie Auflagen energieeffizienten Bauens hätten leistbares Wohnen immer stärker unter Druck geraten lassen. Baukostensenkende Maßnahmen seien ein Gebot der Stunde.

Buakosten explodieren

GBV-Obmann Karl Wurm vom Verband der gemeinnützigen Bauvereinigungen verwies darauf, dass die Baukosten in den vergangenen zehn Jahren um 46 Prozent auf mehr als 2.000 Euro/m2 Nutzfläche gestiegen sind. Ein Drittel des Anstiegs sei allein durch zusätzliche Qualitätsstandards oder Regeln für Brandschutz, Barrierefreiheit oder die Energetik verursacht. Diese zusätzlichen 200 Euro entsprächen umgelegt auf die Monats-Wohnungsmiete einen Euro pro m2, also bei 70 m2 um 70 Euro im Monat mehr. Parallel seien die mittleren Realeinkommen leicht gesunken, im untersten Einkommensquartil stärker.

“Wir müssen aufpassen, dass sich Bauen nicht über die Bauordnung hinaus verteuert”, warnte der GBV-Obmann: “Die Kostengünstigkeit sollte im Zentrum stehen. Bei der geforderten Superqualität wird leider nicht differenziert. Die Überdrüber-Dinge können wir uns fast nicht mehr leisten.” Auch bei den steigenden Grundpreisen müsse etwas passieren, denn das unfinanzierbare Delta werde immer größer. Um den geförderten Wohnbau mit seinen festgelegten Grundpreis-Obergrenzen mittragen zu können, müssten auch gemeinnützige Bauträger immer stärker freifinanzierte Wohnungen errichten. Hier sollten “auch dirigistisch” Maßnahmen ergriffen werden, selbst wenn Eingriffe ins Eigentumsrecht “weh tun”.

GBV-Obmann-Stellvertreter Alfred Graf verwies auf die kostspieligen Aufzugseinbauten, die vielleicht nicht überall nötig seien. Bei Bauklasse-II-Häusern in Gemeinden in NÖ etwa (mit einem Dutzend oder mehr Wohnungen pro Gebäude) koste die Errichtung eines Aufzugs 40.000 Euro, im Betrieb seien dann jährlich nochmals mehrere tausend Euro nötig. Das alles müsse letztlich der Mieter tragen.

Auch die Stellplatz-Vorschriften seien ein Kostentreiber, kritisierte Hans Jörg Ulreich, Bauträgersprecher der Fachgruppe Wien der Immobilien- und Vermögenstreuhänder in der Wirtschaftskammer. In ländlichen Gegenden würden sich die Parkplätze mit 10 Prozent der Errichtungskosten niederschlagen, innerstädtisch Garagen aber mit 25 Prozent – “hier kann man als Bauträger die größten Einsparungen erzielen.”

Wohnen soll leistbar bleiben

Wohnen müsse “auch deshalb leistbar bleiben, damit der Wirtschaft nicht Kaufkraft entzogen wird, wenn mehr als ein Drittel des Haushaltseinkommens fürs Wohnen aufgewendet werden muss”, meinte Georg Bursik, Vorsitzender des Forschungsverbands der österreichischen Baustoffindustrie.

Um künftig billiger bauen zu können, sollte vermehrt auf industriell vorgefertigte Teile zurückgegriffen werden, verlangte GBV-Obmann Wurm. Dazu sollte ein österreichischer Prozess aufgesetzt werden und nicht eins zu eins ausländische Beispiele etwa aus den Niederlanden übernommen werden. Klares Ziel sollte sein: “Es muss einfacher und billiger werden.”

(APA)

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