Paterson – Trailer und Kritik zum Film

Von Christoph Stachowetz
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Paterson – Trailer und Kritik zum Film
Die Geschichte eines Busfahrers, der über den Zeitraum einer Woche seiner doch recht banalen Arbeit nachgeht, kann wohl nur Indie-Regisseur Jim Jarmusch interessant auf die Kinoleinwand bannen. Der Kultfilmemacher hat sich bei seinem neuen Werk “Paterson” Inspiration aus der Lyrik geholt und dabei Hauptdarsteller Adam Driver einen unvermutet poetischen Alltag durchlaufen lassen.

Dabei schafft Jarmusch nicht nur einen gewohnt zurückhaltend wirkenden Film, sondern scheinbar ganz beiläufig eine bezaubernde Romanze zwischen zwei überaus unterschiedlichen Charakteren.

Paterson – Die Handlung

Paterson ist nicht nur der Name der Hauptfigur (ein hervorragend besetzter, weil ungemein charismatisch spielender Adam Driver), sondern auch Ort der Handlung: In der kleinen Industriestadt im US-Bundesstaat New Jersey lebt und arbeitet Paterson bei den örtlichen Verkehrsbetrieben. Als Busfahrer lenkt er routiniert sein Gefährt quer durch die Stadt, lauscht den Unterhaltungen unterschiedlichster Fahrgäste und holt sich dabei ganz beiläufig Inspiration für seine Gedichte.

Paterson selbst erweist sich nämlich als tiefgründiger, als es sein unauffälliges Äußeres vermuten lassen würde: Als großer Fan von William Carlos Williams (dessen Gedichte zur Stadt Paterson als Meisterwerke gelten) und Allen Ginsberg (der in Paterson geboren wurde) ist seine große Leidenschaft die Lyrik, weswegen er auch in jeder freien Minuten an seiner Dichtkunst feilt und geistige Ergüsse in sein Notizbuch einträgt. Die tägliche Routine aus Arbeit, Spaziergang mit dem Hund und allabendlichen Bier in der Stammkneipe wird nur durch seine gleichermaßen umtriebige wie aufgeweckte Freundin Laura (sympathischer Gegenpart zu Drivers Performance: Golshifteh Farahani) aufwühlt, die ihrerseits mit kreativen Ausbrüchen aus dem Alltag drängt.

Paterson – Die Kritik

Genau diesen Ausbruch aus dem gleichförmigen Ablauf des Arbeitslebens stellt Regisseur Jarmusch ist das dramaturgische Zentrum von “Paterson”: Findet sich dank der exzentrischen Laura in der gemeinsamen Wohnung beinahe täglich ein von ihr neu bemalter Einrichtungsgegenstand, eine neue Leidenschaft, welcher sie unbedingt nachgehen will oder ein geplanter Lebenswandel, so äußert sich die Loslösung von der Routine bei Hauptfigur Paterson durch die Niederschriften aus seiner Gedankenwelt, die er über Gedichte zum Ausdruck bringt. Eine einfache Streichholzschachtel kann da durch ihren besonders raffinierten Werbeschriftzug inspirieren, auch ein beiläufig erzählter Traum über Zwillinge bestimmt schnell die Aufmerksamkeit Patersons auf Themen wie Verdoppelung und Einzigartigkeit.

Jarmusch besinnt sich bei “Paterson” auf seine bewusst langsame und ruhige Erzählweise, die durch ihre für den Zuseher fast meditative, traumgleiche Wirkung schon bei vorangegangenen Filmen wie “Dead Man”, “Broken Flowers” oder zuletzt “Only Lovers Left Alive” beeindrucken konnte. Gerade die Entschleunigung des Erzähltempos ist dabei in Zeiten hyperaktiver Action-Blockbuster ohne Sinn und Verstand eine gern gesehene Abwechslung, mit der gefühlvollen und sehr warmherzigen Darstellung der Hauptfigur offeriert gerade der 32-jährige Adam Driver, seines Zeichens vor allem mit der Rolle des Kylo Ren in “Star Wars – Das Erwachen der Macht” bekannt geworden, fast schon ein Statement für Gelassenheit. “Paterson” ist nicht zuletzt auch ein wunderbar humorvolles Werk, ein “Feel-Good-Movie” aus der Indie-Schmiede eines Filmemachers, der immer wieder den Beweis erbringt, dass auch in der Banalität des Alltags Schönheit und Poesie zu finden ist.

>> Alle Filmstartzeiten zu “Paterson”

(Red.)

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