Ostern von A bis Z: Das sollte man über das Osterbrauchtum wissen

Von Verena Kaufmann
Zu Ostern gibt es viele Bräuche. Wir haben die wichtigsten im Überblick.
Zu Ostern gibt es viele Bräuche. Wir haben die wichtigsten im Überblick. - © bilderbox.com (Sujet)
Von Antlasseiern, über Kreuzlstecken, bis hin zum Weißen Sonntag: Wir haben für euch die wichtigsten Infos rund ums Osterfest und die dazugehörigen Bräuche gesammelt.

In ganz Österreich wird wieder Ostern gefeiert und dabei lebt auch das alte Brauchtum wieder auf. Doch woher kommt eigentlich der Begriff “Antlassei” und wieso werden Osterfeuer entzündet? Wir haben einen Blick auf das (fast vergessene) Osterbrauchtum und Begriffe geworfen und für euch die wichtigsten Infos rund um Ostern gesammelt.

Natürlich können sich die Bezeichnungen der Bräuche von Region zu Region unterscheiden – der Sinn des Brauches bleibt jedoch der gleiche.

Wichtige Begriffe rund um Ostern: Das Fest von A bis Z

A wie Antlasseier
Als Antlasseier bezeichnet man jene Eier, die am Gründonnerstag gelegt wurden. Der Begriff leitet sich vom Wort “antlâz” (Ablass, Nachlass von Sündenstrafe) ab: Früher hatten Pächter am Gründonnerstag eine Jahressteuer abgeben müssen, mit dem letzten Ei – dem “Antlassei” – war die Schuld beglichen. Auch heute haben diese Eier noch eine besondere Bedeutung, sie werden meistens für die Speisenweihe und das Ostermahl am Ostersonntag verwendet und sollen vor Krankheit und Unglück schützen.

B wie Bunte Eier
Der wohl bekannteste Brauch zu Ostern sind bunt gefärbte Eier im Osternest. Das Ei ist in vielen Kulturen ein Zeichen für Fruchtbarkeit und Leben, das Färben ist eine typisch christliche Tradition. Die Idee, die Eier zu färben, stammt aus dem Mittelalter: Um die Bedeutsamkeit der Eier hervorzuheben, wurden sie rot eingefärbt. Die rote Farbe soll dabei das vergossene Blut Jesu Christi darstellen. Erst später wurden auch andere Farben wie grün, blau, orange etc. verwendet.

C wie Christliche Osterzeremonie
Jedes Jahr versammeln sich tausende Christen vor der Grabeskirche in Jerusalem, um an der Osterfeier-Zeremonie teilzunehmen. Diese Feier gilt für viele als Höhepunkt der Osterfeierlichkeiten. Bei der Zeremonie wird die Flamme der Auferstehung aus der Grabkammer Jesu geholt. Diese Flamme soll sich – wie durch ein Wunder – jedes Jahr von selbst entzünden. Das Feuer wird anschließend an die Gläubigen weitergegeben. Einige Länder entsenden (Kirchen-)Vertreter, um das Osterlicht auch in die Heimat zu bringen.

E wie Emmausgang
Am Ostermontag machte man früher oft Flurbegehungen (auch “Emmausgehen”), also Wanderungen mit der Familie, Freunden oder alleine. In Anlehnung an das Lukas-Evangelium ist der Begriff “Emmausgang” eine volkstümliche Bezeichnung für einen Osterspaziergang. Heute plant man für diesen Tag meistens Verwandtschaftsbesuche oder sonstige Ausflüge.

F wie Fastenzeit
Am Aschermittwoch beginnt die 40-tägige Fastenzeit, die bis zur Ostermette dauert. Der Aschermittwoch und der Karfreitag sind klassische Fasttage, in der Fastenzeit selbst geht es jedoch nicht primär um den Verzicht auf Nahrungsmittel. Gläubige sollen vor allem beten und sich besinnen. Diese Zeit dient als Vorbereitung für die Feier des Todes und der Auferstehung Jesu Christi. Der biblische Hintergrund der Fastenzeit sind die 40 Tage und 40 Nächte, die Jesus in der Wüste verbrachte, in die er vom Heiligen Geist geführt wurde. In dieser Zeit musste er den Versuchungen des Teufels widerstehen.

G wie Glockenläuten
Am Gründonnerstag verstummt das Glockenläuten – man sagt, “die Glocken fliegen nach Rom” und kehren erst in der Osternacht wieder zurück. Ihr Schweigen soll die Grabesruhe von Jesus symbolisieren. Das Läuten wird durch das sogenannte “Ratschen” ersetzt. Es gibt verschiedene Geschichten dazu, warum die Glocken “wegfliegen”, beispielsweise um Kraft zu schöpfen, um sich den päpstlichen Segen zu holen, um dort Beichte abzulegen oder um mit der Osterbotschaft wieder zurückzukehren.

I wie I.N.R.I.
I.N.R.I ist die Abkürzung des lateinischen Satzes “Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum”, was soviel wie “Jesus von Nazareth, König der Juden” bedeutet. Nach dem Johannes-Evangelium stand dies auf drei Sprachen auf einer Tafel, die oberhalb von Jesus auf seinem Kreuz befestigt wurde. Der Grund: Der Rechtsgrund der Verurteilung bzw. die öffentliche Bekanntgabe der Schuld war damals ein römischer Brauch. In den anderen Evangelien lautet die Tafelinschrift nur “König der Juden”.

J wie Judaskuss
Nicht unbedingt als Brauch zu verstehen, jedoch ein Begriff, der auf die Osterzeit zurückgeht: Der Judaskuss. Nach dem Matthäus-Evangelium wurde Jesus vom Apostel Judas an die Truppen der Hohepriester am Ölberg durch einen Kuss verraten: “Und als er noch redete, siehe, da kam Judas, der Zwölf einer, und mit ihm eine große Schar, mit Schwertern und mit Stangen, von den Hohenpriestern und Ältesten des Volks. Und der Verräter hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: Welchen ich küssen werde, der ist’s; den greifet. Und alsbald trat er zu Jesus und sprach: Gegrüßet seist du, Rabbi! und küsste ihn.” (Matthäus, Kapitel 26) Deshalb bezeichnet man heutzutage einen geheuchelten Kuss oder eine andere Geste, die böse Absichten verbergen soll, als “Judaskuss”.

K wie Kreuzlstecken
Ein fast vergessener und alter Brauch, der von Region zu Region unterschiedlich heißen kann: Von Kreuzlstecken bis Brennsteckerl gibt es viele verschiedene Bezeichnungen. Mit dem Brauch bittet man um Gottes Segen, um Felder vor Unwetter und Hagel zu schützen. Man verwendet dabei geweihte Palmzweige und Späne vom “Brandl”. Beim “Brandl” handelt es sich um längere Holzspäne, die zusammengebunden werden. Anschließend wird ein Ende davon im geweihten Osterfeuer angebrannt. Die geweihten Späne werden entweder einzeln oder gemeinsam mit den Palmzweigen zu Kreuzen geformt und in die Felder gesteckt, während man betet und die Felder mit Weihwasser besprengt.

L wie (Oster-)Lamm
Das Osterlamm hat nicht nur zu Ostern eine besondere Bedeutung, Schafe sind allgemein das Symbol des Lebens. Auch Jesus Christus wird von Johannes dem Täufer als Lamm bezeichnet: “Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt.” (Johannes-Evangelium) Auch die Apostel Petrus und Paulus nennen Jesus “Pascha-Lamm” (Osterlamm). Das Osterlamm steht als Symbol für die unschuldige Hingabe, das Sterben von Jesus. Im westlichen Osterbrauchtum ist das Lamm zwar mehr in den Hintergrund gerückt, aber auch heute sind Backwaren zu Ostern meist in Lammform erhältlich.

M wie Meister Lampe
Wieso bringt ausgerechnet ein Hase die Ostereier? Fakt ist: Er wurde erstmals Ende des 17. Jahrhunderts im Zusammenhang mit Ostern erwähnt. Es gibt mehrere Vermutungen, wieso der Hase ein wichtiger Teil von Ostern geworden ist. Beispielsweise erfährt man im “Etymologischen Wörterbuch” von Friedrich Kluge, dass er eine “unverstandene Umformung des Osterlamms” darstellen soll. Andererseits schlafen Hasen mit offenen Augen, was als Symbol für Christus, der von den Toten auferstanden ist, gesehen werden kann. Für andere ist wiederum der Gründonnerstag für die Verbindung zu Ostern verantwortlich, denn dann hatten Schuldner eine Jahressteuer an die Gläubiger zu zahlen. Meistens wurden diese mit (Antlass-)Eiern oder Hasen getilgt. Die klassische Annahme basiert jedoch auf der Fruchtbarkeit des Tieres, denn Hasen bekommen schon relativ zeitig im Frühjahr Junge. Deshalb wurden sie wahrscheinlich zum Symbol der Fruchtbarkeit und stehen für die Auferstehung.

O wie Osterfeuer
Osterfeuer sind in Österreich vor allem in den Bundesländern Kärnten, Steiermark, Tirol, Niederösterreich und dem Burgenland verbreitet. Sie sollen an die Auferstehung von Jesus erinnern. Es gibt dabei auch verschiedene Varianten: Entweder ein (kleines) Osterfeuer vor der heiligen Messe, das geweiht wird, oder ein Feuer im familiären Umfeld, das meist nach dem Besuch der Auferstehungsmesse entzunden wird. Vor allem im Alpenraum gilt es jedenfalls seit langer Zeit als fixer Bestandteil der Osternacht. Mit dem geweihten Osterfeuer wird auch die Osterkerze entzunden.

P wie Palmbesen
Der Palmsonntag ist der letzte Sonntag vor Ostern bzw. beginnt mit ihm die Karwoche. An diesem Tag wird der Einzug von Jesus auf einem Esel in Jerusalem gefeiert, bei dem ihm das Volk “Hosanna dem Sohne Davids” zujubelte und ihm mit Palmwedeln huldigte. Palmen wurden als heilige Bäume verehrt, im Mittelmeerraum symbolisierten sie Leben und Sieg. Am Palmsonntag werden bei der Palmweihe Palmbuschen, Palmwedel, Ölzweige, Palmkätzchen oder auch Buchsbaumbüschel gesegnet. Die geweihten “Palmbesen” werden anschließend in den Wohnungen hinter das Kreuz gesteckt, um das Haus vor Unglücken wie Blitzschlag oder Feuer zu schützen. Früher galt dieser Brauch als heidnisch.

R wie Ratschen
Ein österreichweit bekannter Brauch ist das traditionelle Ratschen in der Zeit zwischen der Gründonnerstagsmesse bis zur Osternacht. Das laute Knattern soll das Glockenläuten ersetzen und die alten Gebetszeiten zeigen, wobei es ein Morgen-, Mittag- und Abendratschen gibt. Auch beim Ratschen gibt es verschiedene Traditionen und Aufgaben, beispielsweise gibt es bei Umzügen einen Anführer und auch Vorratscher. Auch die Sprüche unterscheiden sich von Region zu Region, der klassische Spruch, den “Ratscherbuam” aufsagen ist jedoch folgender: “Wir ratschen, wir ratschen den englischen Gruß, den jeder katholische Christ beten muss. Fallts nieder, fallts nieder auf enkere Knie, und bet’s a Vater Unser und drei Ave Marie.”

S wie Speisenweihe
Nach 40 Tagen ist die Speisenweihe oder Fleischweihe der Abschluss der Fastenzeit, die Wurzeln dieses Brauches gehen bis in das 7. Jahrhundert zurück. Traditionell finden sich Brot, Schinken, Ostereier (Antlasseier), Salz, Kräuter etc. in den Körben, die am Karsamstag in der Ostermette gesegnet werden. Anschließend werden die geweihten Speisen gemeinsam mit der Familie oder Freunden gejausnet, was an das letzte Abendmahl erinnern soll.

U wie Urbi et orbi
Mit “Urbi et orbi” (dt. Segen für die Stadt und den Erdkreis) ist der Segen des Papstes gemeint, der am Ostersonntag, dem ersten Weihnachtstag und nach einer Papstwahl erteilt wird. Jährlich kommen zahlreiche Pilger zum Petersplatz in der Vatikanstadt, um den Segen zu empfangen, aber auch vor dem Fernsehbildschirm verfolgen viele Menschen den Ostersegen.

W wie Weißer Sonntag
Der Weiße Sonntag wird auch als Barmherzigkeitssonntag oder Klein-Ostern bezeichnet und soll das Ende der Osteroktav darstellen. Der Begriff leitet sich aus dem Lateinischen ab (dominica in albis, lat. Sonntag in weiß), der genaue Ursprung ist jedoch nicht klar. Es wird ein Zusammenhang mit weißen Taufgewändern vermutet, die früher von in der Osternacht Getauften bis zum darauffolgenden Sonntag getragen wurden. Am Weißen Sonntag wird oft das Evangelium vom zweifelnden Thomas vorgelesen, deswegen heißt dieser Tag oft auch “Sonntag der Zweifler”.

X wie XP
Noch vor dem Kreuz war das Christusmonogramm XP (gr. Chi-Rho) das am häufigsten verwendete Symbol für Jesus Christus, genauso wie der Fisch. Der Ursprung dieses Zeichens liegt bereits im 2. Jahrhundert, es wurde von Christen verwendet, um ihren Glauben zu repräsentieren bzw. als Kennzeichen untereinander. Auch heute noch ist dieses Zeichen oft auf Osterkerzen zu finden.

Z wie Zeitumstellung
Zwar nicht jedes Jahr üblich, aber dennoch möglich: Die Zeitumstellung fällt heuer genau ins Osterwochenende. Die Uhren werden am Ostersonntag, den 27. März in den frühen Morgenstunden von 02.00 auf 03.00 Uhr vorgestellt. Damit beginnt wieder die Sommerzeit.

(Quellen: Neues Testament, osterseiten.de)

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