Österreicher buchten Urlaub heuer “last minute” – Türkei wird gemieden

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Österreicher buchten ihren Sommerurlaub heuer "last minute"
Österreicher buchten ihren Sommerurlaub heuer "last minute" - © Rainer Sturm / pixelio.de
Diesen Sommer hat sich das Reiseverhalten der Österreicher grundlegend verändert. Nach dem überbordenden Flüchtlingsstrom nach Europa im Vorjahr und einer ganzen Reihe von Terroranschlägen wurde der Sommerurlaub dieses Jahr erst auf den letzten Drücker gebucht. Starke Rückgänge gab es unter anderem für das sonst beliebte Urlaubsziel Türkei.

Bei der Wahl des Ziellandes hatte Sicherheit oberste Priorität. “Im Jänner und im Februar waren die Vorausbuchungen für den Sommer deutlich unter den Vorjahren – die Leute haben sich extrem lange Zeit gelassen, bis sie ihren Urlaub gebucht haben”, sagte der Geschäftsführer der Rewe Austria Touristik (ITS Billa Reisen, Jahn Reisen), Martin Fast.

Urlauber meiden heuer die Türkei – Griechenland Spitzenreiter

Die Nachfrage der Österreicher nach Urlaub in der Türkei ist heuer gegenüber dem Vorjahr weggebrochen. Bei der Rewe Austria Touristik, dem zweitgrößten heimischen Reiseveranstalter hinter der TUI, rutschte das Land im Ranking der beliebtesten Destinationen beispielsweise von Platz zwei auf sieben ab.  Es kam generell zu einer massiven Abkehr von Destinationen wie Türkei, Ägypten und Tunesien. Dafür waren Spanien, Italien, Kroatien und Bulgarien stärker nachgefragt denn je. Am beliebtesten war bei den Rewe-Buchern – wie im Vorjahr – Griechenland. Und das, obwohl sich der Urlaub dort um ein bis zwei Prozent leicht verteuert hat. Auch die Fernreisen und Urlaub in Österreich haben heuer zugenommen. “So konnte man den Rückgang in die Türkei zum Teil ausgleichen”, so der Touristik-Chef.

“Die Türkei ist drastisch zurückgefallen”, sagte Fast. Das konnten andere Zielländer nur zum Teil wettmachen: So blieb Griechenland heuer das am meisten gebuchte Urlaubsziel bei der Rewe Austria Touristik – mit einer Nachfrage auf Vorjahresniveau. Doch auch diese Destination hatte zu Beginn des Jahres “ein Riesenproblem bei den Buchungen”, wie der Rewe-Austria-Touristik-Chef berichtete. Das habe sich aber ab Ostern gelegt. Rewe legte dann sogar zusätzliche Flüge nach Kreta – als Alternative zu den Ländern Türkei, Ägypten und Tunesien – auf.

Reisen: Spanien und Kroatien auf den Plätzen 2 und 3

Einen leichten Ausgleich für die ausbleibenden Buchungen in Richtung Türkei schufen auch Spanien, das bei dem Anbieter heuer im Sommer betreffend Beliebtheit von Platz drei auf zwei vorrückte, und Kroatien, bei Rewe nunmehr die Nummer drei (statt fünf im Vorjahr).

Dank rechtzeitig aufgestockter Kapazitäten in Richtung Spanien und einem deutlichen Plus bei den österreichischen Buchungen von Kroatien-Urlauben wird die Rewe Austria Touristik ihr laufendes Touristikjahr 2015/16 (per Ende Oktober) gegenüber 2014/15 den Angaben zufolge voraussichtlich “nur” mit einem Minus im einstelligen Prozentbereich abschließen. Im Vorjahr hatte das Unternehmen in seinem zweitwichtigsten Markt Türkei noch zweistellige Zuwachsraten bei den Buchungen erzielt, heuer sind diese um zwei Drittel geschrumpft.

Last-minute- und Ultra-last-minute-Buchungen boomen

Normalerweise gehen bei dem Reiseveranstalter in den ersten beiden Monaten des Jahres rund 40 Prozent der Sommerbuchungen ein, heuer waren es nur 30 Prozent. Auch im weiteren Jahresverlauf sei der Großteil der Buchungen dann erst sehr spät gekommen – “teilweise ‘last minute’, teilweise ‘ultra-last-minute'”, berichtete Fast.

“Die größten Sorgen gemacht haben uns heuer Ägypten, Tunesien und die Türkei. Das sind drei Destinationen, die für uns sehr wichtig sind – vor allem die Türkei”, so der Rewe-Touristik-Austria-Geschäftsführer. Dorthin haben bei Rewe um rund zwei Drittel weniger Österreicher ihren Urlaub gebucht.

“Die Bereitschaft der Kunden, die Türkei doch zu buchen, war preisgesteuert”, räumte Fast ein. Der Urlaub dort wurde zuletzt um bis zu 50 Prozent billiger. Seit Jänner hat Rewe Touristik seine Flugkapazitäten dorthin halbiert. Die Vermarktung der Destination ist derzeit äußerst schwierig: “Nach dem Putschversuch ist es extrem zäh, Gäste zu finden, die noch in die Türkei fahren”, sagte Fast. Das Land sei in den Medien omnipräsent und habe bei den österreichischen Kunden imagemäßig sehr gelitten.

Rewe Austria Touristik: Pläne für 2017

Für den Sommer 2017 will der Reiseveranstalter vor allem sein Produktangebot im Süden Italiens und Kroatiens sowie in Sardinien als Ausweichdestinationen verstärken. Auch in Spanien soll noch weiter aufgestockt werden – doch das wollen international viele Marktteilnehmer. “Alle Märkte strömen nach Spanien”, verdeutlichte Fast den dort spürbar gestiegenen Andrang.

Das wird sich im kommenden Sommer auch auf die Preise auswirken – mit einer Teuerung von im Schnitt drei bis fünf Prozent. Von 2015 auf 2016 war Spanien trotz der ungeheuer starken Nachfrage laut Fast “preisstabil”; die Verträge der Reiseveranstalter mit den Hotelpartnern werden etwa ein Jahr im Vorhinein ausverhandelt. Vor einem Jahr war die extreme Verschiebung der Reiseströme noch nicht absehbar.

>>Sommer auf Balkonien: Jeder vierte Wiener verbringt seinen Urlaub daheim

(apa/red)

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