Niki-Insolvenz: AUA aktiviert Ersatzflieger, Leitl hofft auf Rettung durch Lauda

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Um den im Ausland gestrandeten Passagieren nach dem Einstellen des Flugbetriebes von Niki Rückflugsmöglichkeiten anzubieten, hat die Austrian Airlines kurzfristig neue Kapazitäten aufgestellt.

Dazu werden Flugzeuge aus den Hangars geholt. Im Winter werden bei den Fluggesellschaften viele Flugzeuge technischen Checks und Wartungen unterzogen. In den reise-aufkommensschwachen Wintermonaten ist es deshalb leichter, für andere Airlines einzuspringen, sagte ein AUA-Sprecher am Donnerstag zur APA. “Im Sommer wäre so etwas nicht möglich gewesen.”

AUA holt nach Niki-Pleite Flieger aus Werkstätten

Die AUA als mit Abstand größte Airline mit Heimatflughafen Wien ist dazu seit gestern schon mit dem Verkehrsministerium in Kontakt. “Wir stehen für Rückholaktionen soweit wie irgendmöglich parat”, teilte AUA-Chef Kay Kratky heute mit. Details über erste Flüge werden in Kürze erwartet. Mit der Einstellung des Niki-Flugbetriebs haben nach Angaben des Masseverwalters rund 350.000 ausgestellte und bezahlte Einzeltickets ihre Gültigkeit verloren. Dazu kommen 410.000 über Reisebüros und -veranstalter gebuchte – aber in der Regel noch nicht ausgestellte – Tickets.

Auch Reiseveranstalter TUI organisiert Ersatzflüge

Auch der deutsche Reiseveranstalter TUI organisiert Ersatzflüge für Niki-Kunden, die bereits in den Urlaubsgebieten sind. TUI habe sofort reagiert und versuche, zusätzliche Kapazitäten am Markt zu sichern, hieß es in einer Mitteilung des Reisekonzerns. Alle betroffenen Kunden würden seit heute Früh aktiv informiert. Wo es Ersatzflüge gebe, biete TUI ihren Kunden an, kostenfrei umzubuchen. Alle Kunden, für die keine Ersatzflüge gefunden werden, können ihre Reise kostenfrei stornieren und bekommen ihr Geld umgehend rückerstattet. Sollten bei Ersatzflügen zusätzliche Übernachtungen anfallen, sorge TUI für die Unterbringung und Verpflegung im Urlaubsziel und übernehme zusätzlich anfallende Kosten. Bei TUI und Niki gab es ein Sonderabkommen: Die TUI-Ferienflugtochter TUIfly hat mehrere Flugzeuge vor acht Jahren (samt Besatzung) an die deutsche Air Berlin vermietet, diese Maschinen waren mittlerweile bei deren Österreich-Ableger Niki im Einsatz.

WK-Präsident Leitl hofft auf Rettung durch Niki Lauda

Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl hofft auf Niki Lauda für die Rettung von Niki. “Wenn er das in die Hand nimmt, bin ich zuversichtlich, dass auch eine gute Lösung folgen wird”, sagte er am Donnerstag. Lauda kenne die Situation der von ihm gegründeten Airline und der Branche insgesamt. “Jetzt ist Herr Lauda am Zug”, schließlich habe er in den Medien “eine Ansage gemacht”.

Kritik gibt es von Leitl an der Entscheidung der Wettbewerbshüter der EU, schärfere Bedingungen für eine Übernahme durch Lufthansa zu verlangen. Auf die Frage, ob es gescheit gewesen wäre, Niki Lufthansa zuzuschlagen, sagte Leitl: “Aus meiner Sicht ja”. Europa brauche in der Konkurrenz zu Airlines im arabischen Raum eine starke Luftfahrtwirtschaft. Wenn Europas Wettbewerbsregeln der Vereinigung von Niki und Lufthansa entgegenstünden, müsse man überlegen, “ob in diesem Fall, wenn man es aus internationaler Sicht sieht, gerechtfertigt sind. Das gehört sicher hinterfragt”.

Hartl (ORF) über die Niki-Betriebsversammlung

Gegen staatliche Unterstützung

Zugleich unterstützt Leitl die Ankündigungen der noch amtierenden Regierung, für die Rückholung von im Ausland gestrandeten Niki-Passagieren einzuspringen. Den Menschen, die die gebuchte und bezahlte Leistung plötzlich nicht mehr erhalten “ist zu helfen. Ich würde mir wünschen, dass die Bundesregierung den Betroffenen umgehend hilft”. Das gelte für die, die im Ausland sind und plötzlich nicht mehr wissen, wie sie heimkommen können, nicht aber für alle, deren künftige Tickets verfallen dürften.

Leitl ist aber gegen eine staatliche Unterstützung der insolventen Niki: “Nicht, dass man jetzt Steuergeld in ein Unternehmen hineinpumpt, wo man eigentlich nicht weiß, wie es weitergeht”, sagte er am Rande einer Pressekonferenz. Sonst könnte bald jedes insolvente Unternehmen mit der Forderung nach Unterstützung kommen. Ohnehin hätten wohl die EU-Wettbewerbshüter Einwände gegen staatliche Hilfen für Niki.

Lauda will schnell Termin beim Insolvenzverwalter

Der ehemalige Rennfahrer und Unternehmer Niki Lauda will die Möglichkeiten einer etwaigen Übernahme der insolventen Fluglinie Niki in Kürze ausloten. “Ich versuche, so schnell wie möglich einen Termin beim Insolvenzverwalter zu bekommen, um weitere Schritte zu besprechen”, sagte der 68-Jährige am Donnerstag in Wien. Lauda hatte bereits sein anhaltendes Interesse am Kauf der Airline signalisiert und gestern gegenüber der APA bekräftigt. Er hatte Niki 2003 gegründet und war 2011 ausgestiegen. Die Air-Berlin-Tochter hat in der Nacht zum Donnerstag den Flugbetrieb mit ihren 21 Maschinen eingestellt.

Acht wöchentliche Flüge ab Salzburg betroffen

Ab heute, Donnerstag, finden am Flughafen Salzburg keine Niki-Flüge mehr statt. Die letzte Maschine startete am vergangenen Montag Richtung Spanien, am Airport befindet sich momentan auch kein Flugzeug des Carriers. Von der Insolvenz sind im laufenden Winterflugplan sechs Flüge die Woche zu fünf Zielen in Spanien und zwei wöchentliche Flüge nach Hurghada in Ägypten betroffen. “Wir haben mit tiefstem Bedauern das eingeleitete Insolvenzverfahren gegen Niki zur Kenntnis gekommen”, sagte Flughafen-Sprecher Alexander Klaus zur APA. “Die Luftfahrtbranche erarbeitet derzeit Lösungen, wie Niki-Passagiere wieder nach Hause zurück gebracht werden können. Für die Branche und die Mitarbeiter der Fluglinie ist die aktuelle Situation so kurz vor Weihnachten nur schwer zu verkraften.”

Die wirtschaftlichen Folgen des Niki-Aus für den Flughafen Salzburg seien momentan noch nicht absehbar. “Wir müssen einmal bis Mitte Jänner abwarten, wie sich der Markt arrangiert”, so Klaus. Möglicherweise könnten Lücken von anderen Fluglinien geschlossen werden. Beim Flughafen Graz ist ein Flug betroffen und zwar jener am Samstag nach Teneriffa. Die Flughafenleitung wartete Donnerstagfrüh aber noch auf die offizielle Bestätigung, dass nicht geflogen wird, hieß es auf APA-Nachfrage. Nicht betroffen sind die Airports Klagenfurt und Linz. Den Flughafen Linz betreffend hatten sich die Reiseveranstalter bereits für die vergangene Sommersaison Ersatz gesucht – und gefunden -, da sich schon zum Jahreswechsel 2016/2017 abgezeichnet hatte, dass Niki nicht mehr Linz anfliegt.

(APA/Red.)

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