Neues Musical “Mozart!” feierte Premiere am Wiener Raimund Theater

Besonders Hauptdarsteller Oedo Kuipers holte sich bei der Premiere in Wien den Applaus.
Besonders Hauptdarsteller Oedo Kuipers holte sich bei der Premiere in Wien den Applaus. - © APA
Wolfgang Amadeus Mozart ist aktuell in Wien auf der Bühne zu sehen – allerdings deutlich verjüngt. “Mozart!”, die moderne Musical-Neuinszenierung, feierte am Donnerstagabend im Raimund Theater Premiere. Hauptdarsteller Oedo Kuipers wurde bei seinem Wien-Debüt in der Titelrolle umjubelt.

“Ich bin, ich bin Musik”, singt das zum willensstarken Jugendlichen gewordene Wunderkind eingangs, und schon ist man in Oedo Kuipers’ Bann. Der gebürtige Niederländer gibt Wolfgang Amadeus Mozart verschmitzt und doch innerlich zerrissen, als dem Glücksspiel zugeneigter Lebemann ebenso wie als der Musik verschriebener “Musikus mit Schuss”, wenn er auch am Klavier bessere Figur macht als an der kurz zum Einsatz kommenden E-Gitarre.

Vom genialen Komponisten, der sich vom überfürsorglichen Vater losreißen will, erzählt die Eigenproduktion der Vereinigten Bühnen Wien (VBW) von Autor Michael Kunze und Komponist Sylvester Levay. Aufführungsserien in sieben Ländern mit 1,9 Mio. Besuchern hinter sich, kehrt “Mozart!” nun an seinen Uraufführungsort zurück. Die Musiknummern, begleitet vom VBW-Orchester unter der Leitung von Koen Schoots, bleiben bestehen. Einzig mit “Wir zwei zusammen” fügt sich ein neues, angenehm unkitschiges Liebesduett zwischen Wolfgang und seiner Ehefrau Constanze (perfekte Ergänzung: Franziska Schuster) ein, in luftiger Höhe mit dem bodenständigen Satz: “Wir zwei zusammen, das könnte gehen”.

Neuinszenierung über den jungen Mozart

Dem fordernden Vater – für sein Wolferl “gleich der Erste nach Gott” – kommt in der Neuinszenierung eine wichtigere Rolle zu, die mit Thomas Borchert derselbe Musicalstar glaubwürdig ausfüllt wie schon bei der Uraufführung 1999. Mark Seibert überzeugt als besitzergreifender Fürsterzbischof Colloredo stimmlich ebenso wie mit Waschbrettbauch unter dem Morgenmantel, und die fantastische Ana Milva Gomes singt als Baronin von Waldstätten alle an die Wand.

Als eine Art Schutzengel schwebt Gomes in himmlischem Blau förmlich durch den Bühnenraum, der mit Ausnahme einer dezent eingesetzten Drehbühne statisch bleibt. Auf “Dekor und Spektakel”, von denen Emanuel Schikaneder (Johannes Glück) im ersten Akt singt, hat man nämlich weitgehend verzichtet. Nur das obligatorische Klavier und ein paar samtene Stühle befinden sich dauerhaft physisch auf der Bühne (Bühnenbild: Hans Schavernoch). Optisch wird ganz auf eine Videowand gesetzt, die das Geschehen mit Fotos von Palastgemäuer, Opernhäusern und Sehenswürdigkeiten in Salzburg, Wien, Paris und Mannheim verortet. Das eignet sich wohl auch für Auslandsreisen und dürfte Wien-Touristen entzücken, wirkt aber auf Fotos im begleitenden Programmheft besser als im Auditorium

Modernes Kostüm- und Bühnenbild

Überraschend gut fügen sich die Kostüme in das Gesamtbild ein, hat sich Kostümbildner Yan Tax doch von barocken Perücken und puffigen Kleidern losgesagt und dem jungen Wolfgang stattdessen weiße Lederhose und T-Shirt verpasst, dazu blitzen im Ensemble hautenge Jeans und Leggins unter den Roben durch. Der Kutsche wird dann auch der Hippie-Bus der unkonventionellen Schwiegerfamilie Weber gegenübergestellt, und sogar eine Plastik-Palme aus dem Kofferraum ist Teil der optischen Verjüngungskur.

Abseits dieser seltenen Farbtupfer bleibt “Mozart!” düster wie eh und je, veranschaulicht Wolfgangs Last durch seine Genialität mit dem kleinen, unermüdlich komponierenden Amadé (Sophie Wilfert) an seiner Seite. Die Ensembleleistung bei der Pemiere ist stark, die Dramaturgie erscheint aber glatt und etwas zu bemüht. Der Applaus am Ende gilt vor allem den beiden Darstellern Kuipers und Gomes.

(APA)

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