Neue Diskussion um Bankomatgebühren: Zahlreiche Gegenstimmen

Bankomatgebühren: Die Diskussion ist neu entflammt
Bankomatgebühren: Die Diskussion ist neu entflammt - © APA (Sujet)
Dass die US-Firma Euronet beim Geldabheben Spesen von fast 2 Euro erhebt, brachte die Diskussion um Bankomatgebühren wieder in Gang. Finanzminister Hans Jörg Schelling schließt eine Bankomatgebühr zumindest für die eigenen Bankkunden aus. Für Sozialminister Alois Stöger ist eine solche Gebühr ebenfalls “nicht ok”.

“Ich habe immer gesagt, dass die Banken für die eigenen Kunden bei den Bankomaten keine Gebühr einheben”, sagte Schelling am Dienstag vor Beginn des EU-Finanzministerrats in Brüssel.

Warnhinweise auf Bankomaten ausreichend?

Allerdings, wenn private Anbieter von Bankomaten dies verlangten, sei dies deren gutes Recht, “weil sie keine Beziehung” zu den Bankkunden und deren Konto haben. “Aber die Frage ist, wem wird das verrechnet. Die Banken sagen, sie verzichten nicht, wenn der Betreiber direkt an die Bank verrechnet und Warnhinweise auf den Bankomaten ausreichend sind. Das lassen wir von der Bundeswettbewerbsbehörde prüfen”, so Schelling. Es gebe einzelne Bereiche in Österreich, wo schon vorher bei Fremdkunden solche Bankomatgebühren eingehoben wurden. “Da ist kein guter Weg beschritten worden”, so Schelling.

Euronet erhebt Gebühren an Bankomaten: Fast 2 Euro für Abhebung

Die US-Firma Euronet, die in Österreich knapp 70 Geldausgabeautomaten betreibt, verlangt seit kurzem pro Abhebung 1,95 Euro, wie die APA am Montag bei einem Test feststellen konnte. Einen Warnhinweis, dass bei der Behebung auch Spesen anfallen, findet man nicht direkt am Bankomaten selbst, auch nicht am Beginn der Transaktion, sondern erst beim letzten Abwicklungsschritt vor der Bestätigung der Behebung am Display des Gerätes.

Dort heißt es in vergleichsweise kleiner Schrift im unteren Teil des Displays in Versalien: “Der Eigentümer diese Terminals, Euronet 360 Limited, wird dem Karteninhaber für die gewählte Transaktion eine Gebühr von EUR 1.95 berechnen. Diese Gebühr wird zusätzlich zu den eventuell anfallenden Gebühren die Ihr kartenausgebendes Kreditinstitut veranschlagt, berechnet. Wenn Sie mit der Gebührenerhebung einverstanden sind und Fortfahren möchten, drücken Sie bitte ‘Annehmen’. Wenn Sie keine Gebühr bezahlen und diese Transaktion abbrechen möchten, drücken Sie bitte ‘Abbruch’ auf dem Bedienfeld”.

Bankomatgebühren für Stöger “nicht ok”

Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) ist dagegen, dass Banken eine Bankomatgebühr einführen. Konsumenten würden bereits jetzt Bankgebühren zahlen, daher könne es nun keine zusätzlichen Gebühren geben, meinte er am Dienstag vor dem Ministerrat vor Journalisten.Wien. Stöger sprach am Montag mit der Bundeswettbewerbsbehörde und diese werde in den nächsten Wochen die Lage prüfen. Der Ressortchef verwies auch auf das Geschäftsmodell der Bankinstitute und erklärte, dass es “nicht ok” sei, nun neue Gebühren “zu erfinden”.

BWB: Banken finanzieren eigene Konkurrenz

Die Bundeswettbewerbsbehörde prüft derzeit, ob Fremdanbieter von Bankomaten nach der derzeitigen Gesetzeslage einen ungerechtfertigten Wettbewerbsvorteil gegenüber den nationalen Banken haben. Derzeit scheine es so, “dass die heimischen Banken die Bankomatgebühren der Drittanbieter finanzieren und somit die Banken die eigenen Wettbewerber finanzieren”, heißt es in einer Stellungnahme der BWB. Man wolle den Ergebnissen der Untersuchung nicht vorgreifen, erklärten die Wettbewerbshüter am Dienstag per Aussendung. “Da der Markt sehr komplex ist, muss eine Regulierung sehr gut überlegt sein.” Würde man die Bankomatgebühren von Drittanbietern wie Euronet verbieten, “würde man wohl die einzige Konkurrenz am Markt ausschalten”, gibt die BWB zu bedenken. Es gibt derzeit rund 8.800 Bankomaten in Österreich, an 70 davon verlangt Euronet Bankomatgebühren.

Bankomatgebühren “sicher nicht kampflos” hinnehmen

Der Pensionistenverband Österreichs (PVÖ), der der SPÖ nahe steht, will Bankomatgebühren “sicher nicht kampflos” hinnehmen. Für die Selbstbedienung an Bankomaten von den Kunden Gebühren zu verlangen, sei “gierig, unsozial und zutiefst zynisch”, meinte PVÖ-Konsumentenschutzsprecher Harald Glatz.

Das Team Stronach ortet in der Einführung von Bankomatgebühren einen “weiteren Schritt zur Bargeldabschaffung”. Auch die Grazer KPÖ-Vizebürgermeisterin Elke Kahr hält es “nicht für einen Zufall, dass gerade zu Beginn der Ferienzeit in Österreich von einer Firma flächendeckende Bankomatgebühren eingeführt worden sind”. Sie fordert ein gesetzliches Verbot von Bankomatgebühren in Österreich.

>>Bankomatgebühren: US-Betreiber Euronet verrechnet in Österreich Spesen für Behebung

(apa/red)

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