Mutmaßlicher Lieferant des Wiener Drogen-Clans “La Familia” auf freiem Fuß

Wiener Drogen-Clan "La Familia": Lieferant bleibt auf freiem Fuß
Wiener Drogen-Clan "La Familia": Lieferant bleibt auf freiem Fuß - © APA (Sujet)
Der mutmaßliche Lieferant, ein 44-jähriger Autohändler, des Ende Februar zerschlagenen Wiener Drogenclans, der sich selbst “La Familia” nannte, bleibt weiter auf freiem Fuß.

Nachdem sein Verteidiger Philipp Wolm bereits nach wenigen Tagen die Freilassung des 44-jährigen Autohändlers gegen gelindere Mittel erwirkt hatte, hat nun das Wiener Oberlandesgericht (OLG) die Enthaftung als gerechtfertigt bestätigt.

Möglicher Lieferant auf freiem Fuß

Obwohl die zuständige Haftrichterin im Straflandesgericht bei dem Mann bei dringendem Tatverdacht den Haftgrund der Tatbegehungsgefahr angenommen hatte, hatte sie den Antrag der Staatsanwaltschaft auf Verhängung der U-Haft zurückgewiesen. Sie machte dabei auf die geordneten Verhältnisse, die bisherige Unbescholtenheit, das Unternehmen des 43-Jährigen, das dieser unbedingt weiterführen wolle, sowie den persönlichen Eindruck aufmerksam, den sie bei der Haftverhandlung vom Beschuldigten gewonnen habe. Das erstmalige Verspüren des Haftübels habe bei diesem “eine tiefe Einsicht hinterlassen”, so die Einschätzung der Richterin. Da Verteidiger Wolm auch noch eine Therapieplatzzusage vorlegte und damit nachweisen konnte, dass sein Mandant von seiner Drogensucht loskommen möchte, blieb diesem unter strikten Auflagen und gegen Abgabe eines Gelöbnisses die U-Haft erspart.

Zahlreiche Festnahmen

Die Staatsanwaltschaft legte dagegen Beschwerde ein und beharrte auf der Inhaftierung des Suchtgift-Lieferanten, der seit Sommer 2014 der kriminellen Vereinigung zumindest 140 Gramm Kokain und 750 Gramm Marihuana beschafft haben soll. Bei seiner Festnahme wurden obendrein 47 Gramm Kokain und 545 Gramm Marihuana sichergestellt. Kopf der Bande, die der 44-Jährige mit “Stoff” versorgt haben soll, war ein 43-jähriger Familienvater, der angeblich seine eigenen Kinder suchtgiftabhängig machte, um diese als Dealer einsetzen zu können. Für insgesamt 18 Personen – darunter zwei Söhne sowie eine Tochter des 43-Jährigen – klickten zunächst die Handschellen. Die meisten von ihnen befinden sich in U-Haft.

Der Wiener Drogenclan “La Familia”

Die Beschwerde der Anklagebehörde gegen die Freilassung des 44-jährigen Lieferanten wurde jetzt allerdings vom Wiener Oberlandesgericht (OLG) zurückgewiesen. Im bemerkenswerten Beschluss 21 B2 74/15h verweist der Senat (Vorsitz: Dietmar Krenn) zunächst darauf, dass der Mann innerhalb der Bande lediglich der “mittleren Hierarchie” zuzurechnen sei. Vor allem aber bestätigt das OLG die Einschätzung der Haftrichterin im vollem Umfang: Der nach wie vor bestehenden Tatbegehungsgefahr könne mit den vom Erstgericht angeordneten zahlreichen Weisungen – unter anderem Antritt der Entzugstherapie und Fernhalten von den anderen Tatverdächtigen – “auf geeignete Weise entgegengewirkt werden”. Die Inhaftierung des Mannes scheine daher “nicht erforderlich, um ihn von der Begehung von Straftaten während des anhängigen Verfahrens abzuhalten”.

(APA)

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