Missbrauchsfälle werden in Salzburg und fünf weiteren Bundesländern ausgehandelt

Missbrauchsfälle werden in Salzburg und fünf weiteren Bundesländern ausgehandelt
Salzburg – Bei der Staatsanwaltschaft Salzburg ist aktuell ein Missbrauchsfall im kirchlichen Umfeld anhängig. Es handelt sich dabei um einen siebenjährigen Buben, der im Vorjahr von einem Ordenspriester offenbar durch Vorzeigen des Geschlechtsteils und von Fotos sittlich gefährdet worden ist.

Die Mutter des Kindes hatte damals den Geistlichen gebeten, sich um den Buben zu kümmern und ließ den Siebenjährigen auch bei ihm übernachten. Aktive sexuelle Handlungen werden dem Beschuldigten laut der Salzburger Staatsanwaltschaft aber nicht vorgeworfen. Einige angezeigte Fälle wurden von der Anklagebehörde bereits wegen Verjährung oder wegen der Aussageverweigerung des mutmaßlichen Opfers eingestellt. Bisher hatte die ErzdiözeseSalzburg zwei Fälle der Anklagebehörde übermittelt. Ein Verfahren wurde wegen Verjährung eingestellt, die Ermittlungen gegen den Ordenspriester sind noch nicht abgeschlossen.

Missbrauchsfälle auch in fünf weiteren Bundesländern

Die Staatsanwaltschaft Wels beschäftigt sich derzeit mit drei Verfahren – bei einem davon handelt es sich um die kürzlich bekanntgewordenen Gewalt-Vorwürfe gegen den Schulbrüder-Standort in Bad Goisern in den Jahren 1968 bis 1985. Verdächtigt werden drei Schulbrüder, von denen zwei bereits verstorben sind, und drei Erzieher, so Manfred Holzinger von der Staatsanwaltschaft Wels. Die Polizei überprüft zurzeit den Sachverhalt und eine etwaige Verjährung.

Bei der Staatsanwaltschaft Linz ging man von zwei oder drei Verfahren in letzter Zeit aus, in Steyr sind zwei Verfahren anhängig. In Oberösterreich wurden insgesamt 27 Personen von der diözesanen Kommission an die Staatsanwaltschaft zur Prüfung der strafrechtlichen Relevanz weitergeleitet. Dies auch, wenn die Taten schon verjährt sind. Etwa 60 Prozent der Fälle beziehen sich auf Gewaltvorwürfe, rund 40 Prozent auf sexuelle Gewalt, berichtete Diözesan-Sprecherin Gabriele Eder-Cakl.


Sexuelle und körperliche Gewalt in Tirol

Die Staatsanwaltschaft Innsbruck verzeichnet 22 anhängige Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit sexueller oder körperlicher Gewalt – es wird allerdings nicht zwischen Vorfällen in kirchlichen, öffentlichen oder privaten Betreuungseinrichtungen unterschieden. “Dabei handelt es sich um Körperverletzung, Quälen und Vernachlässigen Unmündiger, sexuellen Missbrauch, teilweise mit Ausnützen eines Autoritätsverhältnisses”, sagte Hansjörg Mayr, Sprecher der Staatsanwaltschaft Innsbruck. Nicht bei jedem Verfahren sei ein sexueller Inhalt gegeben. Während bei den 22 Verfahren bereits in eine konkrete Richtung ermittelt wird, sei die Staatsanwaltschaft bei zwölf weiteren noch auf der Suche nach Verdächtigen. “Hier wurde Anzeige gegen unbekannte Täter erstattet”, sagte Mayer. Gegen 13 weitere Verdächtige seien die Verfahren wegen Verjährung oder Tod des Beschuldigten eingestellt worden, sagte Mayer. Alle Verfahren seien in diesem Jahr im Zuge des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche ins Laufen gekommen.

Anzahl der Fälle in Vorarlberg noch ungeklärt

In Vorarlberg ist derzeit noch nicht absehbar, ob und in wie vielen Fällen es in Sachen Missbrauch und Gewalt in kirchlichen Institutionen zu Gerichtsverfahren kommt. Die diesbezüglichen Ermittlungen des Vorarlberger Landeskriminalamts (LKA) dürften laut Aussagen des Stellvertretenden LKA-Leiters Stefan Schlosser gegenüber Vorarlberger Medien in wenigen Wochen abgeschlossen sein. Seinen Angaben zufolge ist davon auszugehen, dass die Vorkommnisse verjährt sind. In wie vielen Fällen Erhebungen laufen, konnte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Feldkirch, Heinz Rusch, nicht angeben. “Wir warten auf den Abschlussbericht des Landeskriminalamts”, sagte Rusch.


13 Beschuldigte in Graz

Bei der Staatsanwaltschaft Graz gab es eine Anzeige mit dreizehn Beschuldigten. Rund die Hälfte dieser Fälle wurden eingestellt, sieben sind laut dem Sprecher der Staatsanwaltschaft Manfred Kammerer noch offen. Die konkreten Vorwürfe wollte er noch nicht nennen. Ob es tatsächlich zu Anklagen kommt oder etwa Verjährung vorliegt, lasse sich derzeit nicht abschätzen.

Besitz und Weitergabe von kinderpornografischen Material in Niederösterreich

 
In den vier niederösterreichischen Staatsanwaltschaften St. Pölten, Korneuburg, Krems und Wiener Neustadt werden derzeit keine Ermittlungen zu Missbrauchsfällen in kirchlichen Einrichtungen geführt. Ein Verfahren wegen des Besitzes und der Weitergabe von kinderpornografischem Material gegen einen Pfarrer in Wiener Neustadt sei bereits abgeschlossen, der Geistliche wurde Anfang Juni zu acht Monaten bedingter Haft verurteilt.

Derzeit kein Verfahren in Klagenfurt und Eisenstadt

Kein Verfahren verzeichnet derzeit die Staatsanwaltschaft Klagenfurt, denn zwei von der Diözese angezeigte Fälle seien bereits verjährt. Bei der Diözese Gurk-Klagenfurt bzw. dem unabhängigen Ombudsmann Erwin Kalbhenn haben sich seit Jahresbeginn insgesamt 47 Personen gemeldet. Die Vorwürfe reichen dabei von psychischer oder körperlicher Gewalt bis hin zu sexuellem Missbrauch. Zwei mehr als 30 Jahre zurückliegende Missbrauchsfälle wurden von der Diözese mit Einverständnis der Opfer an die Staatsanwaltschaft Klagenfurt weitergeleitet. Da sie jedoch bereits verjährt sind, wurden keine Verfahren eingeleitet.

Bei der Staatsanwaltschaft Eisenstadt ist laut eigenen Angaben derzeit ebenfalls kein Verfahren in Gange. Bei der Staatsanwaltschaft Wien werde zwar wegen Missbrauchs in kirchlichen Einrichtungen ermittelt, die genaue Zahl zu eruieren sei jedoch nicht möglich, Laut Angaben des Justizministeriums war zuletzt (Stand Mitte Mai) von vier Verfahren in der Bundeshauptstadt die Rede. Auch in Zusammenhang mit der ersten Anzeige durch die Opferschutzanwaltschaft – betroffen ist der Orden der Schulbrüder in Wien Strebersdorf – ist noch nicht bekannt, gegen wie viele Beschuldigte schlussendlich Anzeige erstattet wird.

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