Martin Rütter in Wien: Der Hundeprofi im großen VIENNA.at-Interview

Von Daniela Herger
Martin Rütter beim Interview in Wien
Martin Rütter beim Interview in Wien - © VIENNA.at/Lukas Krummholz
Martin Rütter ist der beliebteste Hundeprofi des deutschen Fernsehens und demnächst mit seiner aktuellen Tour auch in Wien zu Gast. Warum Menschen bei ihm “nachsitzen” müssen, was er von seinem umstrittenen Kollegen Cesar Millan hält, was die Erziehung von Kind und Hund gemeinsam hat und wie er mit beiden Weihnachten feiert, hat er uns im persönlichen Gespräch verraten.

Martin Rütter hat derzeit viel um die Ohren, wie er uns gleich eingangs beim Interview erzählt. Leicht gesundheitlich angeschlagen war er in den letzten Tagen für mehrere TV-Auftritte im Einsatz: Einerseits für die Aufzeichnung der ORF-Show “Wir sind Kaiser”, andererseits hat er trotz Fiebers einen großen “Tierischen Jahresrückblick” für seinen Stammsender VOX moderiert.

Wir trafen den Hundeprofi in Wien im Rahmen der Promo-Tour für seine neue Comedy-Liveshow, mit der er im März unter anderem in der Bundeshauptstadt gastieren wird, und ließen uns von ihm erklären, was es mit dem Programm “nachSITZen” auf sich hat.

Themen beim “nachSITZen” mit Martin Rütter

“Man muss keine Angst haben, dass ich mit dem Zeigestock komme,” lacht Rütter. “Das hat sich glaub ich inzwischen rumgesprochen, dass das bei mir nicht so ist.” Auf das Thema der Show sei man gekommen, weil Rütter selbst ein sehr schlechter Schüler gewesen sei. “Zum Nachsitzen geht immer der, der gestört hat, der nicht aufgepasst hat. Deshalb denk ich auch, dass die Menschen da hingehen sollten und nicht die Hunde, denn die passen immer gut auf, die sind ganz konzentriert. Und da gibt’s Themen-Klassiker, wo du sagst: Ey, das erklär ich jetzt seit 22 Jahren, warum hat das noch keiner verstanden, wie etwa: Hund zieht an der Leine, Ernährung, denn die Hunde werden immer fetter, wie beschäftige ich meinen Hund, was braucht ein Hund zum Glücklichsein.”

Glücklicher Hund leicht gemacht

Und wie macht man nun einen Hund zu einem glücklichen Hund? Das sei laut Rütter gar nicht so schwer wie man glaubt. Der wichtigste Faktor sei Zeit. Rütter dazu: “Ein Hund ist ein soziales Lebewesen, der ist einfach irrsinnig gerne mit seinem Menschen zusammen. In Deutschland gibt es so einen Trend zu ‘Hutas’, das sind Hundetagesstätten, wie man es für Kinder kennt. Da gehen die Leute hin, haben eigentlich keine Zeit für einen Hund und bringen den da täglich zehn Stunden hin, das ist für den Hund Folter. Wenn ich schon von Vornherein keine Zeit habe, dann kann ich keinen Hund haben, das geht einfach nicht.”

Ein Hund brauche zudem viel Bewegung, und was oft unterschätzt werde: Beschäftigung. “Das ist häufig so, dass Leute sagen: Ich geh ja jeden Tag mit meinem Hund drei Stunden am Cobenzl spazieren – aber letztlich passiert dabei nix.”

Überforderung bei Hunden und Kindern

Als Vater zieht Rüter in seinem Programm auch Parallelen zur Kindererziehung und kritisiert, viele Menschen würden ihre Kinder mit Aktivitäten überfordern und hätten ebenso bei Hunden ein schlechtes Bauchgefühl. “Entweder, die beschallen den Hund 24 Stunden, da gehen die montags zum Dogdancing, dienstags zum Clickern, mittwochs zum Agility und andere sagen: ich mach gar nix. Und die Wahrheit liegt ja irgendwo in der Mitte. Das ist ein ganz starkes Thema in der Show.” Bevor es am 12. März 2015 in Wien so weit ist, steht aber erst noch das Weihnachtsfest ins Haus.

Hunde suchen Spuren des Christkinds

Der Glaube ans Christkind wird im Hause Rütter kultiviert, wie der Hundeprofi mit leuchtenden Augen erzählt – zumal seine jüngste Tochter Leni erst sechs Jahre alt ist. Am Weihnachtsmorgen wird gemeinsam in den Wald gegangen und nach Spuren des Christkinds gesucht. Die älteren Brüder von Leni kennen das Spiel aus ihrer Kindheit und spielen es mit, ebenso sind die beiden Familienhunde mit dabei, wenn es um die Suche nach roten Bändchen, Tannenzweigen und Schlittenspuren geht, die Rütter selbst zuvor im Wald verstreut hat. In dieser Zeit bereitet die Freundin Rütters alles für die Bescherung vor.

“Und da die Leni fest davon überzeugt ist, dass das Christkind die Geschenke da hingebracht hat, würde die sich fragen, ob die Hunde das ganze Jahr über nicht lieb waren, wenn die kein Geschenk kriegen. Unter dem Aspekt gibt’s bei uns tatsächlich auch zwei Geschenke für die Hunde,” schmunzelt Rütter. “Dem Hund ist das natürlich egal, der hat ja überhaupt kein Empfinden dafür, aber wir versuchen den Kindern vorzuleben, dass die Hunde ein Teil der Familie sind.”

Beliebter Fehler: Vermenschlichung

Das Bühnenbild in “nachSITZen” hat Schulelemente mit alten Pulten und kleine charmante Details. Dazu habe man Rütters zwei sehr verschiedene Hunde Abbey und Emma als Stoffpuppen nachgebaut, die auch teilnehmen. Die komplette erste Hälfte geht Rütter in seiner Show ein “Hunde-ABC” durch. Zu jedem Buchstaben gibt es eine Geschichte zum Thema Hund, so etwa “B” wie “Bleib”, “V” wie “Vermenschlichung.”

Auch zum “Verkleiden” von Hunden hat Rütter eine klare Meinung: “Der Hund stirbt nicht, wenn du dem zu Weihnachten mal für ein Foto eine Nikolausmütze aufsetzt.” Die Grenze sei aber zu ziehen, wenn Menschen etwa fürs Münchner Oktoberfest einen Mops sechs Stunden lang in ein Dirndl zwängen, während daneben eine Blasmusikkapelle spiele. Es sei dem Tier gegenüber nicht fair, Hunde als Menschen zu missbrauchen und ihnen etwa stundenlang seine Sorgen zu erzählen und so auf Kosten des Hundes seine eigenen Bedürfnisse zu stillen, die des Tieres aber hintanzustellen.

Von Spielregeln und Ausnahmen

“Bei meiner Show gibt’s zwei Stunden Gegröle in der Bude, die Leute lachen sich kaputt. Aber zwischendurch gibt’s auch immer Themen, bei denen ich ernst werde, und ein Punkt, der mir extrem wichtig ist, ist eben dass der Hund Hund sein darf, so wie Kinder Kinder sein dürfen, und damit auch einmal chaotisch sein”, so Rütter. Das sei der wichtigste Grundsatz beim Umgang von Mensch und Hund. “Aber das Gemisch muss es sein. Es gibt Spielregeln, die muss man einhalten. Das Problem ist: Du bist nicht immer konsequent – aber ‘ne Ausnahme macht’s auch nicht kaputt.”

Problematisch finde er auch die Auswahlkriterien, nach denen viele Menschen sich einen Hund zulegen würden – nämlich rein optische ohne Rücksichtnahme auf die Rasse. Männer bevorzugten, salopp gesagt, “den mit dem dicksten Kopf und den dicksten Eiern”, Frauen den Hund mit dem süßesten Gesicht.

Rütters Meinung zum umstrittenen Cesar Millan

Eine klare Meinung habe Rütter zu Cesar Millan und zitiert den Deutschen Tierschutzbund, der sage, Millan sei ein Laie, der sich nicht auskenne und Hilfe eines Experten brauche. Als problematisch sieht Rütter, dass in Millans Sendung Hunde als “dramatische Problemhunde” inszeniert würden, die “08/15 Hunde” seien, die “so lange belästigt werden, bis sie nicht mehr können.” Und das sei ein unterschiedlicher Trainingsansatz zu seinem eigenen.

Ein Hunde-Problem werde in Rütters Sendung nur einmal gezeigt, etwa dass ein Hund Jogger jage. Bei Cesar Millan dagegen werde der Hund in der gleichen Situation so lange unter Druck gesetzt, bis er einem Jogger in die Hose beiße, weil er gar nicht anders könne, als sich drastisch zu wehren – und dann reagiere Millan mit drastischen Maßnahmen. “Das ist mir zu einfach. Das ist eine sehr amerikanische Mentalität, die Amerikaner sind bei der Bildung zum Thema Hund in der Steinzeit.” Deutschland und auch Österreich seien Rütter zufolge viel weiter, was solche Themen angeht. Diesen Hunden könne jeder gewöhnliche Trainer helfen, der sie nicht so lange traktiere, bis sie durchdrehen. Die Idee, man solle ständig auf Konfrontation gehen, sei im Umgang mit Hunden falsch. Rütter erklärt sich aber im Gespräch als gerne bereit, im Rahmen einer Expertenrunde auf fachlicher Ebene mit Cesar Millan zu diskutieren.

Ein Problem, das schnell zu lösen ist

Als Hundeprofi wird man ja ständig nach dem häufigsten Problem im Umgang mit Hunden gefragt – wir wollten von Rütter aber wissen, ob es nicht vielleicht auch ein Problem gebe, an dem Hundehalter verzweifeln, das aber in Wahrheit leicht zu lösen sei. Seine Antwort: das Jagen des Joggers und des Briefträgers. Hier würden von den Haltern verschiedenste Strategien angewendet, die alle nicht zum Erfolg führten – nur einen Ersatz zur Jagd auf das bewegliche Objekt habe man kaum jemals versucht. “Wenn ich dem Hund etwas wegnehmen will, was er aber richtig geil findet, was kann ich denn als Alternative anbieten?” Bei einem Jogger jagenden Hund sei das etwa ein Reizangelspiel. Damit seien rasche Erfolge möglich.

Häufiger sei es laut Rütter aber, dass Leute ein gravierendes Problem in kürzester Zeit beseitigt haben wollten, und das sei nicht drin. “Hundetraining braucht einfach Zeit. Aber beim Jogger Jagen-Thema, da gibt es wirklich keinen Hund, der das in vier Wochen nicht weg hat. ”

Mehr zu den kommenden Österreich-Terminen der Martin Rütter-Show “nachSITZen” finden Sie hier.

(DHE)

 

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