Macondo – Kritik und Trailer zum Film

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Macondo – Kritik und Trailer zum Film
“Mein Vater war ein Held.” Felsenfest glaubt der 11-jährige Ramasan, Flüchtlingskind aus Tschetschenien an seinen Vater, mit dem ihn aber kaum eine Erinnerung verbindet. Der österreichische Wettbewerbsbeitrag der diesjährigen Berlinale und Gewinner des Wiener Filmpreises, “Macondo” von Sudabeh Mortezai, beschäftigt sich mit dem Erwachsenwerden des Buben, der schon frühzeitig Verantwortung für die Familie übernehmen muss.


Macondo wird eine Flüchtlingssiedlung in Wien-Simmering genannt, zwischen Baggerpark, Containerhafen und Auwald. Hier lebt Ramasan mit seiner Mutter und den beiden kleinen Schwestern bereits seit zehn Jahren. Das Asylverfahren läuft noch. Und das bedeutet: Besonderes Wohlverhalten, bis das Gericht entschieden hat.

Kurzinhalt zum Film

Das aber fällt dem Buben zunehmend schwer. Auf der einen Seite muss er den Vater ersetzen, wenn die Mutter arbeitet: Er holt die Schwestern vom Hort ab, macht mit ihnen die Einkäufe. Auf der anderen Seite lebt er auch sein Lausbubenleben, spielt mit anderen Fußball, klettert über den Zaun in den Baggerpark, lässt im Baumarkt Werkzeuge mitgehen.

Die Situation spitzt sich zu, als Isa auftritt, angeblich ein früherer Kamerad des Vaters. Er bringt eine Uhr und eine Fotografie aus dem Besitz des Vaters, doch niemand kennt Isa. Ramasan ist anfangs misstrauisch, weil ihm die Mutter, mit der er nur wenig kommuniziert, eingeschärft hat, vorsichtig mit Fremden zu sein. Sein Gefühl wandelt sich allerdings bald in Eifersucht, die in einer schweren Beschuldigung an Isa gipfelt.

Kritik zu “Macondo”

Drehbuchautorin und Regisseurin Sudabeh Mortezai hat den Film aus ungewöhnlicher Perspektive drehen lassen, zwischen Kind und Erwachsenem. Dieses Erwachsenwerden und die Beziehung zu einer Vaterfigur wollte sie zeigen, sagte Mortezai in der an die Vorführung anschließenden Pressekonferenz. Der Tschetschenien-Bezug habe sich aus der Struktur der Simmeringer Siedlung ergeben, weil derzeit hauptsächlich Tschetschenen in Macondo lebten. Die Schauspieler für den Film habe sie dort gefunden. “Also, ich würde mich sehr freuen, wenn ich Anfragen für weitere Filme bekomme”, sagte Darsteller Ramasan Minkailov selbstbewusst. “Wenn nicht, mache ich mit der Schule weiter.”

Die Regisseurin hat einen besonderen persönlichen Bezug zu ihrem Film: Sie war zwölf Jahre alt, als sie vom Iran nach Österreich kam. “Ich wollte mich nicht auf diese klassische Flüchtlingsgeschichte konzentrieren”, sagte Mortezai. Das sei schon vielfach abgehandelt worden. Und so werden alle österreichischen Offiziellen, vom Sozialarbeiter bis zur Polizei, auffällig positiv und einfühlsam dargestellt.

“Macondo” ist ein schöner, ruhiger und in sich geschlossener Film über das Erwachsenwerden, aber auch über Integration. Beachtlich sind die Leistungen der Laienschauspieler aus der Flüchtlingssiedlung.

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