Terror in Paris: 128 Tote bei Anschlägen – IS bekennt sich – Angreifer kam über Griechenland

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Mindestens 120 Menschen sollen am Freitag, den 13. November 2015, bei einer Terror-Serie in Paris getötet worden seien. Die Attentäter schossen am Freitagabend an verschiedenen Orten der französischen Hauptstadt wild um sich und zündeten mehrere Bomben.

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Frankreich befindet sich damit erneut in einem Schockzustand. Die Zeitung “Le Figaro” titelte: “Krieg mitten in Paris”. Erst vor zehn Monaten hatte ein brutaler Überfall von islamistischen Terroristen auf die Satire-Zeitschrift “Charlie Hebdo” und einen jüdischen Supermarkt das Land erschüttert.

Kam ein Attentäter als Flüchtling?

Einer der Attentäter soll identifiziert sein. Es handle sich um einen amtsbekannten französischen Staatsbürger, hieß es am Samstagnachmittag aus Justizkreisen. Ein weiterer der Angreifer reiste offenbar Anfang Oktober als Flüchtling über Griechenland in die EU ein. Das teilte der griechische Bürgerschutzminister Nikos Toskas am Samstag in einer Erklärung mit.

Demnach war der Inhaber des an einem der Tatorte in Paris gefundenen syrischen Reisepasses am 3. Oktober auf der Insel Leros eingereist. Dort sei er “nach EU-Regeln” identifiziert worden. Man wisse aber nicht, ob der Reisepass in anderen Ländern kontrolliert wurde, durch die der Mann wahrscheinlich gereist sei. Auch war nicht klar, ob der Passinhaber persönlich an den Anschlägen beteiligt war.

Nach Paris: Großer Polizeieinsatz in Belgien

Die Polizei in Belgien hat am Samstagnachmittag einen Großeinsatz gestartet. Nach Angaben der belgischen Nachrichtenagentur Belga durchsuchten schwer bewaffnete Polizisten mehrere Wohnungen im Brüsseler Stadtteil Molenbeek. Nach Angaben des Rundfunksenders RTBF wurde mindestens ein Mensch festgenommen. Die Polizei wollte zunächst nicht bestätigen, dass der Einsatz in Verbindung mit den Anschlägen von Paris steht. Augenzeugen sollen dort allerdings am Freitagabend ein Fahrzeug mit belgischem Kennzeichen beobachtet haben, das mit den Taten in Verbindung stehen könnte.

Terror in Paris: Österreichische Regierung beschwört Schulterschluss

Hollande sieht Frankreich im Krieg

Präsident Francois Hollande rief in einer Fernsehsprache an die Nation den Ausnahmezustand aus. Zugleich sagte er dem Terrorismus “erbarmungslosen” Kampf an, Frankreich befände sich “im Krieg mit dem IS”. Die Grenzkontrollen wurden verstärkt – auch mit Blick auf den Weltklimagipfel, zu dem Paris Ende des Monats Spitzenpolitiker aus aller Welt erwartet. Entgegen ersten Ankündigungen blieben die Grenzen aber geöffnet.

Ermittlungen wegen Terrorismus eingeleitet

Alle Indizien deuten darauf hin, dass es sich um eine minutiös vorbereitete Aktion handelte. Bei dem Überfall auf das “Bataclan” soll einer der Männer “Allah ist groß” gerufen haben. Ein Augenzeuge berichtete ferner, dass die Angreifer ihre Tat mit Frankreichs Militäreinsatz in Syrien begründet hätten. Der Mann habe gerufen: “Das ist die Schuld von Hollande. Das ist die Schuld Eures Präsidenten. Er hätte nicht in Syrien eingreifen dürfen.” Von Anhängern der Terrormiliz Islamischer Staat wurde die Attacken im Internet gefeiert.

Le Monde-Reporter filmt schockierende Szenen des Attentats

Terroristen stürmten Konzert im Club “Bataclan”

Das schlimmste Bild bot sich im “Bataclan”, einer der bekanntesten Konzerthallen von Paris. Allein dort starben mindestens 80 Menschen. Nach Augenzeugenberichten waren mehrere unmaskierte Männer in den ausverkauften Saal gestürmt, wo gerade die US-Rockband “Eagles of Death Metal” auftrat. Mit Maschinengewehren schossen sie mehr als zehn Minuten wild um sich. Der Boden war anschließend übersät mit Leichen. Nach Angaben der Polizei töteten sich drei der Angreifer dann selbst, indem sie ihre Sprengstoffgürtel zündeten. Ein vierter sei von der Polizei getötet worden.

“Sie wiesen uns an, uns hinzulegen”

Explosionen in Paris während Fußballspiel zwischen Deutschland und Frankreich

Die Explosionen vor dem Stade de France hatte Hollande auf der Ehrentribüne mit angehört, zusammen mit dem deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der an seiner Seite saß. Gleich danach ließ er sich in der Schaltzentrale des Stadions telefonisch über die Ereignisse unterrichten. Noch während des Spiels wurde der Präsident dann aus dem Stadion gebracht. Steinmeier versicherte: “Wir stehen an der Seite Frankreichs.” In der Nähe des Stadions starben nach offiziellen Angaben auch drei Angreifer.

Aus Sorge vor weiteren Anschlägen wurde das Militär verstärkt. Alle Krankenhäuser der französischen Hauptstadt wurden in den Ausnahmezustand versetzt. Die Polizei appellierte an die Bevölkerung: “Wir bitten Sie, die eigenen vier Wände nicht zu verlassen und auf Anweisungen der Polizei zu warten.”

Ausnahmezustand in Frankreich nach Terroranschlägen in Paris

In Frankreich galten bereits vor den Anschlägen seit diesem Freitag wieder verschärfte Sicherheitsmaßnahmen. Wegen “terroristischer Gefahr” und “Risiken für die öffentliche Ordnung” hatte die Regierung auch beschlossen, vor der Weltklimakonferenz die Grenzkontrollen wieder aufzunehmen. Die Konferenz beginnt am 30. November.

Mit mindestens 128 Toten ist dies die schlimmste Terrorserie in Europa seit mehr als zehn Jahren. Im März 2004 waren bei mehreren Anschlägen auf Züge in Madrid 191 Menschen getötet und annähernd 2.000 verletzt. Die Anschläge gingen auf das Konto von islamistischen Terroristen.

Ticker-Nachlese: Terroranschläge in Paris

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