24. Juni 2011 08:52; Akt.: 24.06.2011 08:52

Karina Sarkissova: Mit nackter Haut zum Promi getanzt

Die Tänzerin Sarkissova hat in Wien für viele Kontroversen gesorgt. Die Tänzerin Sarkissova hat in Wien für viele Kontroversen gesorgt. - © apa
Mit Nacktbildern wurde die Solotänzerin Karina Sarkissova im vergangenen Jahr fast über Nacht österreichweit bekannt: Die Wiener Staatsoper entließ die gebürtige Russin, nachdem Akt-Aufnahmen in zwei Magazinen erschienen waren.

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Die Kündigung wurde nach erregten Diskussionen wieder zurückgenommen. “Ich habe die Fotos nicht gemacht, um berühmt zu werden. Das Ganze hätte ja auch in einer Katastrophe enden können”, sagt die 27-Jährige.

Sarkissova hat lange blonde Haare und blitzblauen Augen. Das Präsentieren ihres Körpers sei für sie völlig normal, erklärt die Mutter eines achtjährigen Sohnes: “Wir verkaufen Stücke mit unseren Körpern.” Im Nachhinein sei sie froh darüber, dass “sich die ganze Situation so gut aufgelöst hat und Staatsoperndirektor Dominique Meyer so viel Verständnis hatte”.

Vor Ende der heurigen Ballettsaison ist die Tänzerin am 28. Juni noch in der “Nurejew Gala 2011” in der WienerStaatsoper zu sehen. Bei der Besetzung ihrer Rollen steht Sarkissova ihr Aussehen ab und an im Weg. “Ich werde als blonde, energievolle Frau gesehen. Sehr oft übersehen die Menschen das Traurige und Dramatische in mir”, meint die zweifache “Dancing Stars”-Jurorin, die auch im Kinofilm “Kottan ermittelt – Rien ne va plus” eine kleine Rolle hatte. Auf der Bühne war sie unter anderem schon als Hermia im “Sommernachtstraum” und als Mätresse Mizzi Caspar in “Mayerling” zu sehen. Neuerdings probiert sich Sarkissova auch als Choreographin. 

Sarkissova bereits früh im Ballett gefördert

Bereits mit vier Jahren begann Sarkissova in ihrer Heimat Moskau ihre Ausbildung, die stark von ihrer Mutter gefördert wurde: “Sie hat für meinen Tanz praktisch ihr Leben aufgegeben und aufgehört zu arbeiten.” Beinharte Disziplin prägten den Weg der ehrgeizigen Frau. “Natürlich gab es von meiner Mutter auch mal einen Popoklaps, aber ich bedanke mich heute für diese Gangart.” Als sie das erste Mal das Bolschoi-Theater betrat, war klar, dass sie auf der Bühne stehen muss. “Es war nicht wirklich das Ballett, das mich fasziniert hat, sondern das Theater, diese Luft, der rote Samt auf den Wänden”, erklärt das Einzelkind.

Als mit zwölf Jahren das Angebot kam mit einem Stipendium ins Ballettkonservatorium nach St. Pölten zu wechseln, zögerte sie nicht lange. “Kurz vorher ist ganz überraschend mein Vater gestorben und meine Welt ist zusammengebrochen.” Die ersten Monate in Österreich hat Sarkissova als sehr schwierig in Erinnerung, aber “ich habe schon damals gewusst, dass ich so eine Chance nie wieder bekomme”. Nachdem sie 1999 den Schweizer Tanzwettbewerb “Prix de Lausanne” gewonnen hat, bot man ihr bereits mit 15 Jahren eine Fixanstellung im Wiener Staatsopernballett an, die sie im darauffolgenden Jahr annahm.  

“Es gibt viele, die so hart arbeiten wie ich”

Nach dem Umzug in die Bundeshauptstadt dauerte es nicht lange bis Sarkissova mit 18 Jahren ihren Mann, den 15 Jahre älteren Wolfgang, heiratete und ein Kind, Gabriel, bekam. “Aber in Russland ist es normal, dass man alles sehr früh erreichen muss”, so die Tänzerin, die im April zusätzlich zur russischen auch die österreichische Staatsbürgerschaft wegen “außerordentlicher Leistungen” erhielt. Einer möglichen Bevorzugung aufgrund ihrer Prominenz stimmt sie nur zum Teil zu: “Wenn man auf sich aufmerksam macht, werden die Papiere sicher eher aus der Schachtel ausgegraben, aber dort muss dann auch etwas stehen.”

Sarkissova, die oft häufiger in den Adabei-Seiten der Zeitungen als im Kulturteil zu finden ist, will mit ihren zahlreichen Auftritte auch neues Publikum anlocken. “Meine kleine Mission ist, bei einem Event, wo eigentlich Gasheizungen verkauft werden, die Menschen für Ballett zu überzeugen. Wenn sie dann am nächsten Tag ins Theater strömen, ist das natürlich sehr schön.”

Dass ihre Popularität auch Neid bei manchen Kollegen geweckt hat, kann Sarkissova nachvollziehen: “Es gibt sehr viele, die genauso hart arbeiten wie ich, mit genauso vielen Schmerzen, Verletzungen und gespielten Rollen zurückbleiben, aber sie werden nicht von so vielen Menschen beachtet.” Doch sie hat offensichtlich auch Gefallen an ihrem öffentlichen Leben gefunden: “Ich kann nicht sagen, dass ich das nicht genieße. Es ist natürlich nett, wenn alle zu mir laufen, wenn ich auftauche.”

 

(apa)



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