Kalte Miete: Heizen wird immer teurer

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300.000 Menschen in Österreich können sich das Heizen aufzeichnen.
300.000 Menschen in Österreich können sich das Heizen aufzeichnen. - © Heidelinde Pestal
Der Winter. Punschstände, Christkindlmarkt, Menschen tragen dicke Daunenjacken, verlieren ihre Schals und Handschuhe, kaufen neue und fahren eventuell auf Winterurlaub. Andere sitzen zu Hause, in der Kälte. Über 300 000 Menschen in Österreich können sich das Heizen aufzeichnen. WTF?

O.K. (fast) alle versuchen einzusparen. Bei Flügen, beim Einkaufen, bei Restaurantbesuchen, bei Hobbies, wieder andere sparen sich das Sparen oder geben so wie immer schon nur für bestimmte Sachen ein bisschen mehr Geld aus. Das kann jeder von uns frei entscheiden. Die Entscheidungsfreiheit endet allerdings, wenn es um die Frage: „Kann ich es mir leisten meine Wohnung zu heizen“, geht. Da ist die Entscheidungsfreiheit beim Teufel. Energiearmut – so wird „Nicht-Heizen-Können“ in der Fachsprache genannt. Genau das betrifft diesen Winter hier und jetzt bei uns in Österreich über 300.000 Menschen. Über dreihunderttausend Menschen, die diesen Winter über weite Strecken im Kalten sitzen werden. Am ersten Advent, am zweiten Advent…, zu Weihnachten, zu Silvester und dazwischen. Bis es von alleine wieder milder wird, die Tage länger werden und die Sonne  langsam wieder alles aufheizt.Warten auf die Sonne – oder wie? Keinesfalls können da Tipps wie: „Man kann sich ja zu Hause zwei paar Socken anziehen oder den Kamin im Ostflügel anwerfen…“  helfen. Also was tun? Genau deshalb beschäftigt sich zum Beispiel das ÖIN (Österreichisches Institut für Nachhaltige Entwicklung) mit diesem Thema. Hier ein paar der Ansätze:

Hauptursache für Energiearmut

Ich hab mich mal beim ÖIN umgehört. Wo das Problem liegt, was getan wird, wie man helfen kann, bzw. was alle tun können, die vor der Frage heizen oder nicht heizen stehen! Gleich vorweg: da kommt dieses Mal kein Witz, eine Erleuchtung oder etwa ein springender Punkt. Ich hab diese Woche einen Artikel in der Wiener Zeitung  mit der Überschrift „heizen oder essen?“ zu dem Thema gelesen. Und das ist nicht aus meinem Kopf raus, deshalb schreibe ich drüber.

Zuerst mal zum Teufelskreis: Einkommensschwache Menschen leben besonders häufig in Gebäuden, die nicht gut isoliert sind, noch dazu mit alten Heizungen…das kostet Geld. Energiearmut betrifft all jene Haushalte, die eben nicht genug Geld für Strom, Heizung und Warmwasser haben. Die Problematik ist nicht neu. Und das Problem ist vielschichtig (sozial-, wohnungs- und umweltpolitisch). Auf gut Deutsch: Es gibt keine eindeutigen Ansprechpartner für Energiearmut in der Politik.

Hauptursache für Energiearmut: Niedriges Einkommen, geringe Energieeffizienz und hohe Energiepreise. „Wird es innerhalb dieser drei Bereiche in Zukunft keine Entlastung geben, ist damit zu rechnen, dass die Zahl der Energiearmutsbetroffenen weiter ansteigen wird“, erklärt mir das ÖIN.

Was tut sich bereits? (Links zur Hilfestellung)

Aktuell läuft das „Pilotprojekt gegen Energiearmut“, gefördert aus den Mitteln des Klima- und Energiefonds und durchgeführt im Rahmen des Programms „NEUE ENERGIEN 2020“ vom ÖIN in Kooperation mit der Caritas, der Österreichischen Energieagentur sowie der Wirtschaftsuniversität Wien. Bei diesem Projekt wird in 500 österreichischen Haushalten der Energieverbrauch erhoben und es werden Hilfestellungen im täglichen Umgang mit Energie geboten, auch Geräte können ausgetauscht werden. Um die tatsächlichen Vorteile und Ersparnisse abschätzen zu können, werden die Haushalte ein Jahr später erneut besucht. Auf den Erkenntnissen aufbauend werden Strategien ausgearbeitet, um wirksame Energieeffizienzprogramme und Maßnahmen gegen Energiearmut österreichweit umzusetzen. Mehr dazu hier.

Ganz konkrete Hilfe

Energieberatungen (inkl. Einsparungstipps) können bei Bedürftigkeit kostenlos unter anderem bei folgenden Stellen in Anspruch genommen werden:

Fakten und Tipps (u.a. gefunden auf www.arbeiterkammer.at)

– die Heizung verbraucht die meiste Energie im Haushalt. Je nach Gebäude und Dämmung zwischen 50 und 80 Prozent. Die meiste Energie/das meiste Geld kann hier eingespart werden.

– letzte Woche präsentierte der Dachverband Energie-Klima eine Studie, die besagt, dass die Sanierung von Heizungssystemen effizienter sei als Dämmen. Heizen mit Holz ist laut Studie am billigsten, mit Strom am teuersten…

So heizt man richtig:

– Fugen und Ritzen an Fenster und Türen abdichten.

– Zugluft zieht nicht nur die Heizenergie aus der Wohnung, sondern auch das Geld aus der Tasche.

– lange Vorhänge, Sofas oder Schreibtische vor den Heizkörpern behindern die Wärmeabgabe. Vorhänge zur Seite binden oder kürzen. Aber: Ziehen Sie die Vorhänge in der Nacht zu, der entstehende Luftpolster zwischen Vorhang und Fenster verringert die Wärmeverluste.

-Heizkörper nicht als Wäschetrockner verwenden, denn dadurch gehen bis zu 40 Prozent Energie verloren.

– ausreichend Luftfeuchtigkeit (u.a. mit Grünpflanzen). Je trockener die Luft, desto wärmer muss ein Raum sein, um behaglich zu wirken. Über Nacht Jalousien oder Rollläden schießen. Die meiste Wärme entweicht über Glasflächen und Fensterfugen.

– richtiges Lüften kann Heizkosten sparen. Fenster ganz öffnen. Mindestens zweimal, besser drei- bis viermal am Tag, 5 bis 10 Minuten. Je kälter die Außentemperatur, desto kürzer die Lüftungsdauer, im Winter etwa 4 bis 7 Minuten. Heizungsventile während der Lüftung schließen.

– Tag/Nachttemperatur sollen nicht mehr als 3 Grad auseinander liegen. Die gespeicherte Wohnungswärme reicht aus. Einsparungen bis zu 20 Prozent während der Nachtzeit sind möglich.

– durch Regelung der Raumtemperatur kann schnell und wirksam Energie gespart werden. Welche Zimmertemperatur die „richtige“ ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab: körperliche Aktivitäten, Alter, Bekleidung oder auch Ernährung. Mit Hilfe von Raumreglern und Thermostatventilen können Sie für jeden Raum individuell die Temperatur einstellen. In Räumen, in denen Sie sich wenig aufhalten, drosseln Sie die Heizung und halten Sie die Türen geschlossen.

– wer tagsüber nicht in seiner Wohnung ist: die Heizung um 3 Grad zurückdrehen. Auf keinen Fall völlig abdrehen, denn jedes Wiederaufheizen kostet viel Energie.

– wenn der Heizkörper „gluckst“, ist es höchste Zeit ihn zu entlüften. Ein „glucksender“ Heizkörper wird nicht vollständig von warmem Wasser durchflossen. Die Wärmeabgabe wird dadurch reduziert.

Und zum Abschluss habe ich noch eine ganz konkrete Frage an das ÖIN: „Welche Kosten fallen für das „Wiedereinschalten der Energie“ an? Hat sich da etwas getan?“

Das ÖIN dazu:  „Um die Zahl der Abschaltungen in Österreich zu verringern wurde in diesem Jahr festgelegt, dass der Strom in Privathaushalten nun erst nach zweimaliger Mahnung abgedreht werden darf. Gleichzeitig wurden die bislang regional variierenden Wiedereinschaltungskosten (von bis zu 132 Euro) vereinheitlicht und liegen nun bei 30 Euro. Der bis dahin übliche Aufschlag für Haushalte, die Zahlungsschwierigkeiten aufweisen, wurde untersagt. Eine weitere Möglichkeit Betroffene zu unterstützen wäre es, Abschaltungen im Winter gänzlich zu untersagen.“

… glg Regina

Hier noch ein Link, den mir eine Bekannte geschickt hat. „Der Kältebus“ (Deutschland)

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