“JFK Files” werfen Licht auf KGB-Aktivitäten in Österreich

Die geheimen Dokumente führen auch nach Österreich.
Die geheimen Dokumente führen auch nach Österreich. - © Ap
Die Dokumente zur Ermordung von Präsident John F. Kennedy, die am Freitag vom US-Nationalarchiv veröffentlicht wurden, enthalten auch Querbezüge zu KGB-Aktivitäten in Österreich. Akten des CIA berichten etwa von Österreich-Aufenthalten führender KGB-Vertreter während der Innsbrucker Olympischen Winterspiele 1964 und ihren Kontakten zum damaligen Chef des Heeres-Nachrichtenamts Alexander Buschek.

Obwohl die Ermordung von John F. Kennedy selbst nichts mit Österreich zu tun hat, finden sich in nunmehr freigegebenen Akten dennoch einige österreichische Bezüge. Konkret geht es dabei um Akten des CIA, die sich mit der Überprüfung von Aussagen des 1964 zu den Amerikanern übergelaufenen KGB-Agenten Juri Nossenko beschäftigen.

Kennedy-Todesschütze nicht vom KGB angeworben

Nossenko hatte seinerzeit erklärt, dass der Kennedy-Todesschütze Harvey Lee Oswald trotz seiner Affinität zur Sowjetunion nicht vom KGB angeworben worden war. Beim CIA hielt man Nossenkos Überlaufen jedoch für eine KGB-Operation und hielt daher den Russen anschließend fast fünf Jahre lang unter haftähnlichen Bedingungen in den USA gefangen. Ein interner CIA-Bericht, der den ehemaligen KGB-Agenten zum aufrichtigen Überläufer erklärte, ist ebenso unter 676 am Freitag veröffentlichten Dokumenten. Eine der APA vorliegende ehemals streng geheime KGB-Publikation aus dem Jahr 1979 bestätigt diese amerikanischen Angaben: Der Russe war bereits wenige Monate nach seiner Flucht in Abwesenheit in Moskau zum Tod verurteilt worden.

Hinweise aus Österreich

Im Zuge seiner Ermittlungen interessierte sich der CIA seinerzeit insbesondere für unmittelbare sowjetische Reaktionen auf das Überlaufen. Sachdienliche Hinweise dazu kamen aus Österreich. Nossenko, ein Mitarbeiter der für Spionageabwehr zuständigen 2. Hauptabteilung des KGB, hatte sich am 4. Februar 1964 in Genf abgesetzt, wo er formal als Mitglied einer sowjetischen Delegation bei Abrüstungsverhandlungen aufgetreten war. Laut einem nun veröffentlichten CIA-Dokument aus dem Jahr 1969 hielt sich Generalleutnant Oleg Gribanow, der Chef der KGB-Spionageabwehr, zum Zeitpunkt von Nossenkos Flucht in Österreich auf.

Gribanow reiste mehrmals nach Wien

Nachdem Gribanow mit zumindest drei weiteren Spitzenvertretern des KGB die Olympischen Winterspiele in Innsbruck besucht hatte, reiste er am 4. Februar über Wien nach Paris und kehrte wenige Tage später wieder nach Wien zurück. CIA-Informationen über die Wien-Aufenthalte Gribanows stammen vom damaligen Chef des österreichischen Heeres-Nachrichtenamts (HnaA), Alexander Buschek, der den KGB-Generalleutnant zumindest gut gekannt haben dürfte.

Dinnerparty von Gribanow und Buschek

“Buschek behauptet, er habe ihn am 10. Februar 1964 gesehen”, heißt es im CIA-Dokument in Bezug auf Gribanow. Am 14. Februar 1964 habe es zudem eine “Dinnerparty” von Gribanow und Buschek gegeben, bei der KGB-Spitzenvertreter sich über Nossenkos Absetzung nicht sonderlich erregt gezeigt hätten. Buscheks Bericht dürfte damals die später widerlegte These unterstützt haben, dass der Überläufer Nossenko in Wirklichkeit weiterhin für den KGB arbeiten würde.

Die nunmehr veröffentlichten JFK-Akten beinhalten jedoch auch eine brisante Erklärung von Nossenko über drei angebliche KGB-Spione in Österreich: Neben einem im Osthandel tätigen Geschäftsmann, dessen kurzer Familienname in den amerikanischen Dokumenten geschwärzt ist, habe auch der im Jahr 1960 an der österreichischen Botschaft in Moskau für Chiffrierung von Kommunikation zuständige Beamte für den KGB gearbeitet.

Verbindungen nach Österreich

Nossenko nannte aber auch einen mutmaßlichen dritten Spion, der seines Wissens nach in den Jahren 1960 und 1961 von niemand geringerem als dem Chef der sowjetischen Spionageabwehr Gribanow selbst “umfassend kultiviert” worden sein soll. Angaben zur Person sind im veröffentlichten Dokument größtenteils geschwärzt, im Klartext ist lediglich davon zu lesen, dass die betreffende Person mit einem maximal 8 Buchstaben langen Familiennamen zwischen 1957 und 1962 in Moskau gearbeitet habe. Zwei geschwärzte Stellen im CIA-Dokument lassen die Möglichkeit zu, dass hier ebenfalls von einem Mitarbeiter der österreichischen Botschaft die Rede ist.

Beteiligte bereits tot

Es gäbe auch einen möglichen Kandidaten: Ausgerechnet Gribanows guter Bekannter Alexander Buschek, der zwischen 1962 und 1980 als Chef des Heeres-Nachrichtenamts amtierte, war im genannten Zeitraum als Verteidigungsattaché an der Botschaft in Moskau tätig. Weitere Indizien dafür, dass Buschek für die Sowjets spioniert haben könnte, liegen nicht vor. Denkbar wäre zudem auch, dass sich der Überläufer Nossenko irrte oder dem CIA bewusst die Unwahrheit über den Österreicher erzählt hatte. Die Beteiligten können jedenfalls nicht mehr befragt werden: Gribanow, der nach Nossenkos Flucht in Ungnade fiel und unter einem Pseudonym Drehbücher für sowjetische Spionagefilme schrieb, starb bereits im Jahr 1982, Buschek und Nossenko jeweils im Jahr 2008.

(APA)

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