Huhn mit Pflaumen

Huhn mit Pflaumen
Graphic Novels sind im Moment hoch im Kurs. Den Weg vom Comic in die Realwelt legt nun ein “Huhn mit Pflaumen” zurück: Ihre vor einigen Jahren erschienene Comic-Geschichte rund um einen unglücklichen Geiger hat Marjane Satrapi gemeinsam mit Vincent Paronnaud, der ihr schon bei der erfolgreichen Verfilmung ihrer Autobiografie “Persepolis” zur Seite stand, auf die Leinwand gebracht.

Obwohl mit echten Schauspielern besetzt – Mathieu Amalric in der Rolle des Musikers Nasser-Ali sowie Isabella Rossellini und Chiara Mastroianni in Gastauftritten bilden den schillernden Cast -, ist “Huhn mit Pflaumen” (Österreich-Start am Freitag) alles andere als ein konventioneller Film. Was nichts daran ändert, dass er todtraurig ist.

“Huhn mit Pflaumen” ist Nasser-Alis Lieblingsgericht. Doch nicht einmal das kann den unglücklichen Meistergeiger im Iran der 1950er Jahre von seinem Entschluss abbringen, seinem Leben ein Ende zu bereiten. Die ungeliebte Ehefrau Faringuisse (Maria de Medeiros) hat als Höhepunkt ihrer hartnäckigen Versuche, den weltabgewandten Künstler ein wenig an seine Verantwortung als Familienvater zu erinnern, ihre vermeintliche Nebenbuhlerin in Stücke geschlagen: Doch ohne seine Geige sieht der Musiker (dessen Figur einem Großonkel Satrapis nachempfunden ist) keinen Sinn mehr im Leben, zumal alle Versuche, ein ähnlich klangvolles Instrument zu beschaffen, scheitern. Lauter Fehlschläge sind auch die Liebesbezeugungen von Faringuisse, die von ihrem Traummann, den sie sich mühsam erobert hatte, immer nur Schmähungen und Erniedrigungen erfahren muss.

In Rückblenden erfährt man, was dahinter steckt. Eine andere Frau nämlich. Um die Hand der liebreizenden Irane (Golshifteh Farahani) hatte Nasser-Ali einst vergeblich angehalten. Was sein Herz seither mit unstillbarer Trauer erfüllt, verleiht jedoch seinem Spiel jenen tief empfundenen, melancholischen Grundton, der die Weltkarriere des Geigers begründete. Diese tragische Liebesgeschichte voller Klischees erzählen Satrapi und Paronnaud in grellen, dick aufgetragenen Farben. Dieses “Huhn mit Pflaumen” ist hauchzart und picksüß, ein orientalisches Märchen ohne Scheu vor kräftigen Gewürzen, eine Zeitreise in ein Persien, in dem von Fundamentalismus und islamischer Revolution noch lange keine Rede ist.

Surreale Einsprengsel, hemmungslose Kitschbäder, Genre-Ausflüge vom Puppenspiel über den Horrorfilm bis zur Sitcom sorgen dafür, dass immer neue Abwechslung geboten wird. Almaric und seine Kollegen (darunter auch Komödiant Jamel Debbouze) passen sich im exaltierten, unrealistischen Spielstil der übertriebenen Erzählweise an. Am Ende bleibt jedoch ein Gefühl der Übersättigung zurück. Und eine enttäuschte Hoffnung. Satrapi gönnt ihren Zuschauern nämlich kein Happy End. Vorbeugende Taschentuch-Mitnahme wird empfohlen.

(APA)



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