Haus der Geschichte: Debatte um die Neugestaltung

Haus der Geschichte wird umgestaltet
Haus der Geschichte wird umgestaltet - © APA
Die Pläne für ein “Haus der Geschichte Österreichs” standen am Montag, den 22. Juni im Mittelpunkt einer von der Österreich-Sektion des Museumsbunds ICOM organisierten Veranstaltung im Weltmuseum Wien.

Neben dem Republikjubiläum 2018 wurde 2022 als Zeithorizont neu in die Debatte eingeführt: Dann werde nämlich “das Containerdorf des Parlaments” vom Heldenplatz wieder abgesiedelt, sagte Oliver Rathkolb.

Haus der Geschichte wird umgestaltet

Der Zeithistoriker, von Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) mit der Leitung einer vorbereitenden internationalen Expertengruppe für ein “Haus der Geschichte” beauftragt, gab eingangs eine “eine fokussierte Zusammenfassung” der Diskussionen im Beirat. “Wir sehen uns nicht als Besatzer, als Usurpator, sondern als Katalysator, der bestimmte Entwicklungen in Gang bringen kann”, stellte Rathkolb klar. Seit der von Ostermayer verordneten Redimensionierung des Weltmuseums und der Anregung, das “Haus der Geschichte” in der benachbarten Neuen Burg (wo sich derzeit u.a. die Sammlung Alter Musikinstrumente befindet), unterzubringen, ist wieder Bewegung in das seit längerem betriebene Projekt gekommen.

“Wir gehören nicht auf die grüne Wiese”, sah Rathkolb die Neue Burg und den Heldenplatz als idealen Standort. Der Blick vom Hofburg-Balkon eröffne eine spannende “demokratiepolitische Achse Richtung Parlament”. Durch die temporäre Absiedlung des Parlaments für den Zeitraum seines Umbaus werde sich “der Eindruck dieses Platzes in den nächsten Jahren komplett verändern”, die Zeit danach eröffne große Chancen für eine Neugestaltung.

Wichtig für die künftigen inhaltlichen und räumlichen Überlegungen sei auch das Äußere Burgtor. Dessen nach oben offene Ehrenhalle sei als Raum-Ressource “durchaus auch etwas, das wir gerne diskutiert hätten”, so Rathkolb. Für Herbst werde eine Parlaments-Enquete über stadtplanerische Utopien für den Heldenplatz und die “Transversale zum Museumsquartier” angestrebt. “Denn geht es nicht eigentlich um ein zweites Museumsquartier?”

Entscheidung gefordert

Eines der “Leitnarrative” der künftigen Ausstellung soll laut Rathkolb die Darstellung der Zeit um 1850/70 als “erste Globalisierung”, sein, die in Bezug zur zweiten Globalisierung Ende des 20. Jahrhunderts gestellt werden soll. “Wir wollen von der Gegenwart ausgehen”, sagte der Historiker. Das “Haus der Geschichte” solle als “interaktives und offenes historisches Museum konzipiert werden, das von den Lebensrealitäten der Besucher ausgeht”. “Wir planen ab Herbst 2015 ein immer intensiver werdendes Veranstaltungsprogramm, um Fragestellungen und Thesen auszutesten.”

Es brauche demnächst eine Entscheidung des Kunsthistorischen Museums (KHM) über die Räumlichkeiten (“Ich weiß, es ist eine extrem schwierige Entscheidung. Ich kann sie auch nicht treffen.”), danach solle vom Ministerium ein Grobschätzung für Budgetrahmen und Architekturkosten abgegeben werden, auf deren Grundlage eine Ausschreibung erfolgen könne.

Diskussion um Neugestaltung

In der Diskussion sprach sich Matthias Pfaffenbichler, der Direktor der Hofjagd- und Rüstkammer des KHM, vehement gegen die Absiedlung der Sammlung Alter Musikinstrumente aus. “Warum lässt man die Sammlung nicht dort, wo sie ist?”, fragte er unter großem Beifall des Auditoriums. Auch diese Sammlung habe viel mit österreichischer Geschichte zu tun. Er bezweifelte auch die Notwendigkeit einer Dauerausstellung für ein Museum ohne eigene Sammlung, wie es das geplante neue Geschichtsmuseum sei. Museums-Expertin Renate Goebl glaubte, unter Einbeziehung aller Kosten werde das Einpassen des “Hauses der Geschichte” in die Neue Burg so teuer kommen wie die Errichtung eines kleinen, architektonisch signalhaften Neubaus auf dem Heldenplatz.

Rathkolb betonte zu Ende der hitzigen Debatte, es sei keinesfalls vom Minister die Absiedelung der Sammlung Alter Musikinstrumente “beschlossen worden”, der Vorschlag, Räume in der Neuen Burg zur Verfügung zu stellen, sei von der Direktion des KHM gekommen. Dass zunächst ein Teil der derzeit von der Musikinstrumente-Sammlung genutzten Flächen vom KHM angeboten worden sei, bestätigte schließlich auch KHM-Vizedirektor Franz Pichorner. Ende der Woche werde es einen neuen Termin bei Ostermayer geben, bei der neue Vorschläge in der diffizilen und kostspieligen Causa diskutiert würden.

(APA)

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