Happy End – Trailer und Kritik zum Film

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Mit einem breit angelegten Familienporträt meldet sich Michael Haneke fünf Jahre nach seinem Erfolgskammerspiel “Amour” wieder auf der Kinoleinwand zurück. Nach der verhalten aufgenommenen Weltpremiere bei den Filmfestspielen von Cannes kommt das Werk über eine Industriellenfamilie nun in die Kinos.

An die unmittelbaren Vorgängerarbeiten reicht “Happy End” jedoch nicht heran.

Happy End – Die Handlung

Die Personnage von “Happy End” bildet die Industriellenfamilie Laurent, bestehend aus den Haneke-typischen bildungsbürgerlichen Charakteren. Tochter Anne (Isabelle Huppert) führt das Familienunternehmen mit pragmatischer Kühle, während der alte Patriarch Georges mittlerweile lebensmüde ist – eine Paraderolle für Frankreichs Altmeister Jean-Louis Trintignant, der damit gleichsam seinen Part aus “Amour” paraphrasiert. Sohnemann Thomas (Mathieu Kassovitz) ist zwischen seiner Frau und dem gemeinsamen Baby, einer Sexaffäre und der Tochter Eve (Fantine Harduin) aus früherer Ehe hin und hergerissen. Alle haben Probleme, sich einander verständlich zu machen, ihre Gefühle, ihr Innerstes wirklich zu kommunizieren, sich einander über die vorgegebene Rolle hinaus anzunähern.

Mit seinem Kameramann Christian Berger und Cutterin Monika Willi setzt Haneke stilistisch auch in “Happy End” auf die für ihn typischen langen Einstellungen in der Totalen, die ohne Schnitt auskommen. Das eigentliche Geschehen findet oft im Bildhintergrund statt, Gespräche bleiben im Umgebungslärm unverständlich. Dieses bewährte Haneke-Stilmittel funktioniert allerdings nur dann, wenn sich im Fluss der Erzählung eine unmerkliche Spannung aufbaut, die über diesen distanzierten Ansatz trägt – und das ist bei “Happy End” überraschenderweise nur selten der Fall.

Happy End – Die Kritik

Wenn etwa die herausragende Kinderdarstellerin Fantine Harduin als Eve mit Leinwandlegende Trintignant interagiert, ist die bekannte Unmittelbarkeit, die eine Szene wie ein Band zusammenhält, vorhanden. Allzu oft zerfasern die Sequenzen jedoch und bleiben letztlich das, was sie im Kern sind: Alltagsbeobachtungen, wenn auch in klarer bis zur Lethargie ruhiger Fasson. Vieles wirkt an der Narration fragmentarisch, unzusammenhängend in der Stringenz und Logik. Einzelne Themenkomplexe wie Soziale Medien, Flüchtlingskrise, Einsamkeit, Sterben oder die emotionale Kälte innerhalb einer wirtschaftlich etablierten Schicht reihen sich als Sammelsurium aneinander. Sie zerstören sich jedoch wie bei Snapchat gleichsam unmittelbar selbst.

Die Lage der Flüchtlinge, die Haneke mit der Positionierung der Geschichte in der Hafenstadt Calais nahelegt, etabliert sich etwa erst primär im Finale, wenn sich Pierre, der rebellische Sohn von Firmenchefin Anne, gegen die Ignoranz der Familie auflehnt und zum eleganten Hochzeitsdinner seiner Mutter Flüchtlinge mitnimmt. Ansonsten bleibt dieser Aspekt jedoch thematisches Versatzstück, das herangezogen, aber nicht in der Tiefe aufgegriffen wird.

Haneke bleibt wie bei all seinen Werken als Filmemacher in der Distanz, ist in “Happy End” jedoch weniger radikal als in der Mehrheit seiner vorangegangenen Werke. Und so wird aus dem scheinbar offenen Betrachten, dem nicht determinierenden Blick ein flüchtiges Streifen, das streckenweise banal wird. Das Erfolgsrezept von “Amour” war 2012 eine unausweichliche emotionale Kraft, mit der Haneke seine zweite Goldene Palme nach “Das weiße Band” gewann. Diese Zugabe fehlt “Happy End” vollends.

>> Alle Filmstartzeiten zu “Happy End”

(APA)