“Häfn-Routinier” streitet vier Raubanklagen ab

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Gottfried W. muss wieder einmal vor Gericht.
Gottfried W. muss wieder einmal vor Gericht. - © APA
Nur wenige Wochen nachdem er aus einer 15-jährigen Freiheitsstrafe entlassen worden war, soll ein 64-Jähriger Mann, der über die Hälfte seines Lebens im Gefängnis verbracht hatte, vier Raubüberfälle verübt haben.

38 Jahre seines Lebens hat Gottfried W. bereits im Gefängnis verbracht. Anfang 2014 wurde der auf Vermögens- und Gewaltdelikte spezialisierte Mann aus einer 15-jährigen Freiheitsstrafe wegen schweren Raubes entlassen. Nur wenige Wochen später soll der 64-Jährige begonnen haben, erneut bewaffnete Raubüberfälle zu verüben. Das stellte er am Mittwoch im Straflandesgericht allerdings in Abrede.

Angeklagt waren insgesamt vier Überfälle auf ein Postgeschäft und Trafiken, die ein jeweils mit einer Sturmhaube maskierter Mann zwischen 24. Februar 2014 und 22. Jänner 2015 begangen hatte und die von den Strafverfolgungsbehörden Gottfried W. zugeschrieben werden. Auf den Mann wurde die Polizei aufmerksam, nachdem dieser beim Versuch festgenommen wurde, gemeinsam mit dem in die Kriminalgeschichte eingegangenen Gendarmen-Mörder Amyn Radwan Gindia in eine Apotheke in Wien-Floridsdorf einzubrechen.

Gottfried W. und Gindia hatten einander im “Häf’n” kennengelernt, wo letzterer eine lebenslange Freiheitsstrafe abzusitzen hatte, nachdem er Ende der 1980er-Jahre einen jungen Gendarmeriebeamten und einen Suchtgifthändler erschossen hatte. Nach fast 25 Jahren wurde der Doppelmörder Anfang November 2014 bedingt entlassen – Gindia unterschrieb in diesem Zusammenhang eine eidesstattliche Erklärung, dass er nach Ägypten übersiedeln werde.

Apothekenüberfall spektakulär gescheitert

Stattdessen tat sich Gindia mit Gottfried W. zusammen, um am 23. Februar in eine in einem Marktgebäude untergebrachte Apotheke einzubrechen. Die beiden wurden allerdings von einem Zeugen beobachtet, der die Polizei verständigte. Als Uniformierte auf den Plan traten, zog der inzwischen 47-jährige Gindia eine Schusswaffe und lieferte sich mit der Polizei ein Feuergefecht. Während die Beamten unverletzt blieben, wurde der gebürtige Libanese drei Mal getroffen. Um sich seiner Festnahme zu entziehen, zückte er auch noch eine scharfe Handgranate, die ihm ein Polizist noch rechtzeitig entreißen konnte.

Während die Staatsanwaltschaft gegen Gindia unter anderem wegen versuchten Mordes ermittelt – das Ermittlungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen -, wurde sein Komplize, der sich widerstandslos festnehmen hatte lassen, für den gescheiterten Apothekeneinbruch bereits Anfang August zu drei Jahren unbedingter Haft verurteilt. Dass er zuvor vier Überfälle begangen und dabei rund 46.000 Euro erbeutet hatte, wies er in der heutigen Verhandlung entschieden zurück: “Das war ich nicht.”

Beweislage nicht eindeutig

Verteidiger Herbert Eichenseder wies in diesem Zusammenhang vor allem auf die Beschreibung des Täters hin, die die betroffenen Mitarbeiter nach den Straftaten der Polizei diktiert hatten. Von einem 35 bis 40 Jahre alten Mann beziehungsweise einem “circa 50-Jährigen” war da die Rede, von einem “watschelnden Gang”, “nach außen gedrehten Füßen” und einem “auffälligen Hinken. “Das ist ein Marathonläufer. Der geht immer noch ins Fitnessstudio”, machte Eichenseder geltend. Als er noch im Gefängnis saß, durfte Gottfried W. mit Genehmigung der Anstaltsleitung sogar am Graz-Marathon teilnehmen.

Ein inkriminierter Überfall wurde von einer Überwachungskamera gefilmt. Einem Gutachter zufolge handelt es sich beim darauf ersichtlichen Täter mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent um Gottfried W. Dieser konnte das nicht nachvollziehen und machte den Schöffensenat (Vorsitz: Thomas Kreuter) vor allem auf das teilweise erkennbare Ohrläppchen des Maskierten aufmerksam: “Der hat einen leichten Dreier. Ich hab’ aber ein rundes Ohr.”

Dass er zu den fraglichen Zeitpunkten mit seinem Handy teilweise in der Nähe eines Geschäfts eingeloggt war, das er zwei Mal ausgeraubt haben soll, entkräftete der Angeklagte mit dem Argument, er habe den Sohn seiner Lebensgefährtin aus einem Kindergarten in der Nähe abgeholt. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

(APA. Red.)

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