Grüne befürchten Engpässe nach Umstellung auf Wiener Hauptbahnhof

Die Grünen befürchten Engpässe am neuen Wiener Hauptbahnhof.
Die Grünen befürchten Engpässe am neuen Wiener Hauptbahnhof. - © apa (Sujet)
Nachdem am Sonntag die Fernverkehrszüge der ÖBB aus Richtung Westen nicht mehr am Wiener Westbahnhof, sondern am Hauptbahnhof ankommen werden, befürchten die Grünen nun, dass die Station zu knapp dimensioniert sei und es damit zu Engpässen kommen könnte, so Verkehrssprecher Georg Willi. Zudem müssten Pendler längere Wege in Kauf nehmen.

Der Westbahnhof werde zum “Regionalzugs-Bahnhof” degradiert. “Der Hauptbahnhof muss zusammen mit dem Bahnhof Wien-Meidling alle ÖBB-Fernreisenden Ost-West und Nord-Süd und den gesamten Regionalverkehr vom Süden stemmen. Damit das irgendwie funktioniert, bringt die Rochade am kommenden Fahrplanwechsel-Wochenende vielen Bahnreisenden gravierende Nachteile”, warnte Willi.

Willi rechnet Engpässe an Wiener Hauptbahnhof vor

“Ein kleines Zahlenspiel zeigt, wie eng es am Hauptbahnhof wird, obwohl von den seinerzeit angekündigten 1.100 Zügen nur 900 fahren: Der alte Süd- und Ostbahnhof hatte 19 Bahnsteige, der Westbahnhof hat elf. Künftig müssen zehn Gleise zusammen mit zwei unterirdischen Bahnsteigen den gesamten Fernverkehr und den bisherigen Regionalverkehr abwickeln”, rechnete Willi vor. Das Risiko von Verspätungen würde “massiv” steigen.

Auch Bahnpendler haben es nach Ansicht des Grün-Politikers “komplizierter statt besser” – da etwa Pendlerzüge aus dem westlichen Niederösterreich länger als bisher unterwegs sind. Es würden durch die neue Route auch neue “Umsteigzwänge” im Süden oder in St. Pölten entstehen.

Willi zeigte sich überzeugt, dass der Hauptbahnhof so klein wie möglich dimensioniert wurde, um möglichst viele Grundstücke der “entsprechenden Lobby” zuführen zu können. Auch die Größe des “Vorbahnhofs” in Wien-Meidling reiche nicht aus, befand er.

ÖBB weisen Kritik der Grünen zurück

Die ÖBB haben am Freitagnachmittag die Kritik des grünen Verkehrssprechers Georg Willi im Hinblick auf die anstehende Vollinbetriebnahme des Hauptbahnhofs und die damit verbundene Regionalisierung des Westbahnhofs zurückgewiesen. Vier von fünf Fahrgästen würden von der Umstellung ab Sonntag profitieren, versicherte ÖBB-Sprecher Michael Braun gegenüber der APA.

Willi hatte zuvor moniert, dass der Hauptbahnhof zu knapp dimensioniert sei, es dadurch zu Engpässen kommen werde und Pendler künftig längere Fahrzeiten in Kauf nehmen müssten. Stimmt nicht, sagen die Bundesbahnen. 80 Prozent der Passagiere würden einen Vorteil durch den neuen Fahrplan haben, im Zuge dessen auch die Fernzüge Richtung Westen vom West- zum Hauptbahnhof verlegt werden.

Für Pendler gebe es sowohl in den Morgenstunden als auch am Nachmittag ab dem Westbahnhof künftig einen dichteren Takt durch frei werdende Trassen. “Pendeln nach Wien war nie bequemer als im neuen Fahrplan”, verspricht Braun. Bezüglich befürchtetem Platzmangel verweisen die ÖBB darauf, dass der Hauptbahnhof im Durchgangsbahnhof und nicht wie der Westbahnhof ein Kopfbahnhof ist. “Durch moderne Betriebsführung können wir effizienter und schlanker arbeiten, brauchen daher weniger Gleise für mehr Züge”, betonte Braun. Und durch die Nähe der Hauptwerkstätte in Simmering würden künftig viele Überstellungsfahrten quer durch die Stadt, die bisher vom Westbahnhof notwendig gewesen seien, entfallen.

(apa/red)

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